Der offene Brief der Heimatpfleger

Kamen

, 25.10.2018, 15:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

„In die Diskussion um die Zukunft des Baudenkmals „Alte Apotheke“ weisen die Ortsheimatpfleger in der Stadt Kamen darauf hin, dass für die Stadt als Denkmaleigentümer die Vorschriften des Denkmalschutzgesetzes (DSchG.NW.) aus dem Jahr 1980 genauso gelten, wie für alle privaten Eigentümer. Dieses Gesetz ist im Übrigen von einer SPD-Mehrheit im Landtag verabschiedet worden. „Denkmäler sind zu schützen, zu pflegen und sinnvoll zu nutzen“, das stellen die Ortsheimatpfleger, die im Westfälischen Heimatbund organisiert sind, unter Hinweis auf § 1 DSchG. fest.

Die Stadt Kamen ist im Besitz folgender Denkmäler: Josefschule, Altes Rathaus, Haus der Stadtgeschichte, Villa am Rathausplatz und Villa Bahnhofstraße 44. Diese Denkmäler sind im vorbildlichen Zustand und werden alle für öffentliche Zwecke genutzt. Die anfallenden Kosten werden unter „Verwaltungsausgaben“ verbucht. Wenn diese Denkmäler nicht zur Verfügung stehen würden, müssten andere Gebäude angemietet oder errichtet werden. Durch diese fünf Denkmäler wird die Stadt nicht über Gebühr belastet.

Nach Auszug der VHS aus dem Haus Am Geist, bleibt die Stadt Eigentümer eines Denkmals, dessen Nutzung noch diskutiert werden muss. Ein Verkauf ist, wie unsere folgenden Ausführungen zeigen, keine sinnvolle Option. Eine gründliche Renovierung und Modernisierung unter Beachtung der Bestimmungen des DSchG. würde das Haus fit machen, wenn nicht für eine Verwaltungsnutzung, dann aber für private Wohn- oder Büronutzungen. Vor der VHS wurden diese Räume ähnlich genutzt. Das Haus könnte vermietet werden.

Eine Renovierung des Hauses könnte auch als eine handwerklich-pädagogische Fortbildungsmaßnahme in Zusammenarbeit mit der Handwerkerschaft und der Berufsschule durchgeführt werden. Die Wiederherstellung der Einrichtungsstrukturen aus der Zeit um 1890 wie Treppen, Türen, Böden, Holzverkleidungen, Deckenund Fenster würde das Objekt aufwerten und öffentliches Interesse gewinnen. Es geht der Stadt um Geld. Das ist grundsätzlich kein Makel. Aber hierbei sollte man denkmalrechtliche Möglichkeiten ausschöpfen. Wir verweisen auf ein Denkmalförderprogramm, das die in Kamen wohnende Ministerin für Heimat und Kommunales, Ina Scharrenbach, zum Denkmalschutz aufgestellt hat. Es steht auch den Städten und Gemeinden, über 2019 hinaus, für größere Investitionen in Baudenkmälern zur Verfügung. Den Wortlaut fügen wir bei.

Die Einrichtung der Alten Apotheke würde, evtl. als Objekt des Stadtmuseum, als wertvolles Kulturgut erhalten und würde der Bevölkerung offen stehen. Damit hätte die Stadt nicht mehr getan, als die über 100 weiteren Denkmaleigentümer in der Stadt, die entsprechende Anordnungen und Auflagen, die sie von der Stadt als Untere Denkmalbehörde erhalten, erfüllen müssen.

Ein Beispiel: In Kamen-Methler steht auf einem Hofgelände ein Backhaus mit einem seltenen Steinbackofen. Es ist das letzte seiner Art in der Stadt Kamen und ist von der Stadt als wertvolles Kulturgut eingestuft worden. Das Objekt war, als es der jetzige Eigentümer mit der Hofanlage gekauft hat, in einem erbärmlichen Zustand. Er durfte den Trümmerhaufen auf Anweisung der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Kamen nicht beseitigen. Jetzt ist er dabei, das historische Gebäude Schritt für Schritt, unter hohem finanziellem Aufwand (nach vorläufiger Schätzung ca. 50.000 €) und kontrolliert von der Stadt Kamen, zu restaurieren. Dabei weiß er, dass er das Backhaus, wenn die Renovierung abgeschlossen ist, weder selbst sinnvoll nutzen und auch nicht vermieten kann.

Wie wichtig die Rolle der Kommunen im Denkmalschutz ist, zeigt § 31 DSchG.NW., wonach die Gemeinde verpflichtet ist, ein Denkmal zu übernehmen, wenn der Eigentümer Forderungen der Denkmalbehörden aus wirtschaftlicher Sicht nicht erfüllen kann. In Kamen ist ein solcher Fall noch nicht eingetreten, weil alle Eigentümer, meistens unter großen finanziellen Anstrengungen, ihr Denkmal pflegen. Kommunen, die in der Haushaltssicherung sind, können von der Aufsichtsbehörde nicht gezwungen werden, ein städtisches Baudenkmal zur Verbesserung ihrer Haushaltsituation zu veräußern. Auch das dokumentiert den hohen Rang des Denkmalschutzes für die Kommunen.

Aus dem bisher Gesagtem ergeben sich einige Fragen: Warum kann die Stadt Kamen als Denkmaleigentümerin ein ihr anvertrautes Baudenkmal von hohem kulturellem und historischem Rang nicht in eigener Regie schützen und pflegen? Sollte sie nicht auf diesem Gebiet, auch weil sie als Untere Denkmalbehörde in der Stadt über 100 Denkmaleigentümer berät, ermahnt und manchmal auch sanktioniert, mit gutem Beispiel voran gehen? Würde sie dadurch nicht das Vertrauen der Denkmaleigentümer und der Bevölkerung gewinnen und Verständnis für anstehende ungelöste Denkmalprobleme bekommen? Zum Beispiel für die noch ausstehenden Entscheidungen bei privaten Denkmälern Am Geist, Am Markt und in der Kirchstraße?

Die Art, wie die Verwaltung der Öffentlichkeit den Verkauf des Hauses präsentiert hat, ist nicht ausreichend. Denkmalschützer bekommen keine detaillierten Informationen über die weitere Nutzung des Objektes. „Wir haben überraschend schnell einen Käufer gefunden!“ reicht nicht. In einer Stadt mit einer fast 900 Jahre alten historischen Baugeschichte sollte der Denkmalschutz eine wichtige Rolle spielen.

In der augenblicklichen, öffentlich geführten Diskussion, ist es für die Denkmalschützer wichtig, konkretes über die beabsichtigte Nutzung des Hauses und auch über das Schicksal der wertvollen und einmaligen Offizin der Apotheke zu erfahren.

Die Ortsheimatpfleger wollen auch in Erfahrung bringen, ob eine Restaurierung des kompletten Inneren des Hauses durch eine mit Denkmalfördermitteln durchgeführte Maßnahme möglich ist.

Wir bitten alle Entscheidungsträger, die Denkmalangelegenheit „Verkauf der Alten Apotheke“ fair und öffentlich zu diskutieren, um eine sinnvolle Lösung zu finden.“

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