Der gefräßige Feind der Alleenbäume

dzHintergrund: Die Rosskastanien-Miniermotte

Die Miniermotte ist in Unna keine Unbekannte: Besonders auf die Alleenbäume an der Friedrich-Ebert-Straße haben es die gefräßigen Insekten abgesehen. Die Kastanien leiden seit Jahren.

05.11.2018, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Selbst die erst im Februar gepflanzten jungen Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße trugen im August desselben Jahres bereits braune Blätter.

Der gefräßige Feind von schmucken Baumalleen ist in Unna längst bekannt: Knapp zweineinhalb Millimeter groß ist der Kleinschmetterling, dessen Larven sich rasend schnell durch die Blätter der Rosskastanie fressen. Die Folge: Bereits Anfang August verlieren die Rosskastanien ihr Laub. Besonders eindrucksvoll ist dies an der Friedrich-Ebert-Straße zu beobachten: Fast ausschließlich von Rosskastanien gesäumt, bietet die Hauptverkehrsstraße ein herbstliches Bild; jede Menge Laub liegt bereits auf den Fußwegen.

Ob wegen Trockenheit oder der Miniermotte – wirklich wohlfühlen wird sich die Rosskastanie entlang von Hauptverkehrsstraßen wohl nie. Zuletzt hatte dies ein Gutachten des Biodiversitätsexperten Dr. Götz Heinrich Loos im Auftrag der Ratsfraktion der Grünen bestätigt. Zwar sei die Rosskastanie „einer der typischen Stadtbäume schlechthin“, sie sei jedoch relativ anspruchsvoll, da sie Bodenverdichtung und andere typische städtische Umgebungsmerkmale wie beispielsweise Salz nicht gut verkrafte. In seinem Gutachten empfiehlt Loos, ein Konzept zur zukünftigen Verwendung der Rosskastanie zu entwickeln.

Dass dort, wo bis zum Sturm im März 2015 in Höhe des Café Koch drei alte Kastanien standen, wieder Kastanien gepflanzt wurden, sei Standard, sagte die Stadtverwaltung im Sommer 2017. Das bedeutet: Dort, wo vorher eine Kastanie stand, wird auch wieder eine Kastanie gepflanzt. Das diene dazu, den historisch gewachsenen Alleencharakter wie an der Friedrich-Ebert-Straße oder auch der Platanenallee, zu erhalten.

Alternative: Kaiser-Linde

Wieso überhaupt noch Rosskastanien pflanzen, wenn man weiß, dass sie sich entlang von Hauptverkehrsstraßen nicht entwickeln können? Selbst Dr. Loos, der in seinem Gutachten die Nachteile der Rosskastanie als Straßenbaum aufzählt, warnt davor, den Baum zu schnell als Stadtbaum aufzugeben. „Die Verwendung von Traditionsbäumen, die das Stadtbild prägen, sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden“, schreibt Loos in seinem Gutachten.

Solche Bäume stellten häufig wichtige Identifikationsmerkmale für die eigene Heimat dar. Loos schlägt jedoch in seinem Gutachten auch Alternativen zur Rosskastanie vor. Als Straßenbaum gut geeignet seien beispielsweise der Feld-Ahorn, die Vogel-Kirsche, der Spitz-Ahorn, die holländische Linde, der Baumhasel und der Lederblatt-Weißdorn.

Vor allem die Kaiser-Linde käme als Straßenbaum in Frage, da sie besser als andere Linden die zunehmende Erwärmung und weitere „Stressfaktoren“ der Stadt ertrage.

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