Es ist wohl das älteste bekannte Filmdokument aus Lünen - ein Stummfilm über das Schützenfest 1937. Zum Auftakt unserer neuen Serie zeigen wir den Film und erklären alle Hintergründe.

Lünen

, 17.11.2018, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieter Rehfeuter ist 82 Jahre alt und damit ein Jahr älter als der Film über das Schützenfest. Rehfeuter ist Archivar der Schützen von 1332. Er hat gemeinsam mit seinem Kollegen Walter Schneider ein Buch über die Geschichte des Schützenvereins herausgegeben. Diesen Film aber kannte auch er noch nicht.

Auch in den Unterlagen des Vereins lässt sich wenig finden über dieses spezielle Schützenfest. „Zwischen 1935 und 1940 gibt es keine Protokolle“, sagt Rehfeuter. Sind sie gar nicht erst gefertigt worden? Sind sie später verschwunden? Rehfeuter weiß es nicht.

Vieles aber fällt ihm beim gemeinsamen Ansehen des Videos auf und wieder ein. Das Königspaar zum Beispiel, Johannes Sondermann und Wilhelmine „Mimi“ Lenzen, ist das Paar, das in der Vereinshistorie am längsten im Amt war. Von 1934 über 1937 bis 1953. Das nämlich war das erste Königsschießen nach dem Krieg, 1937 das letzte davor. Sondermann, erinnert sich Rehfeuter, hatte die Federnfabrik in Nordlünen. Und „Mimi“ Lenzen, „seine“ Königin, stammte aus der Familie, der das Palastkino in der Fußgängerzone gehörte. Die heißt heute Lange Straße, zum Zeitpunt der Filmaufnahmen war es noch die Adolf-Hitler-Straße. Genauso wie der Spormeckerplatz, ebenfalls im Video zu sehen, damals Adolf-Hitler-Platz hieß.

Lünen 1937: Ein Schützenfest zog die Massen an und Hakenkreuze säumten die Straßen

Das damalige Königspaar: Wilhelmine „Mimi“ Lenzen und Johannes Sondermann. © Schütenverein von 1332

Hitler und das NS-Regime sind auch in den Filmaufnahmen präsent. Entlang der Adolf-Hitler-Straße und des Alten Rathauses hängen Hakenkreuz-Fahnen. Umstehende und Königspaar machen den Hitlergruß. Und vor dem Rathaus stehen nicht nur Schützen in Uniform - sondern auch Angehörige des Militärs.

Auch im Stadtarchiv gibt es Unterlagen über den Film. In einem Zeitungsartikel wird klar, welchem Zweck das Schützenfest besonders diente. Das Schützenfest sollte den Tourismus ankurbeln. So schrieb die Lüner Zeitung am 21. April 1937 schon: „Das städtische Verkehrsamt Lünen ist bekanntlich nach besten Kräften bemüht, unsere Lippestadt weit über die Grenzen unserer engeren Heimat hinaus bekannt zu machen.

Die Serie

Alte Filme aus Lünen

Die Stadt hat 2009 eine Imagefilm produziert. Im Anhang: Historisches Filmmaterial aus Lünen. In einer Serie zeigen wir die spannendsten Filme. Die DVD ist - noch - im Info-Point im Rathaus zu haben. Der Vorrat ist allerdings begrenzt. Im nächsten Serienteil geht es um die Überreste eines Stadtfilms, dessen Macher mit Haftbefehl gesucht wurde und sich nach Südamerika abgesetzt hat. (In einer früheren Version haben wir von einem Film des Bauvereins gesprochen. Das war falsch. Es handelt sich um einen Film der Stadt.)

Unter den vielen Planungen dieses Sommers nimmt das in den Tagen des 3.,4., und 5. Juli stattfindende traditionelle Schützen- und Volksfest des Schützenvereins Lünen den ersten Platz ein. Das Fest kann als glänzende Werbung für unsere Lippestadt angesprochen werden.“ Die Filmaufnahmen zeigen, dass das gelungen ist: Menschenmassen säumen die Langestraße und den Alten Markt, auch beim Zug zum damals neuen Gelände an der Moltkestraße sind viele Zuschauer zu sehen.

Die meisten Gesichter sind nur kurz zu sehen und auch Rehfeuter erkennt viele nicht. Einen aber schon, denn der hat einen markanten Schnauzbart: Alfred Coers, der einen großen Metall- und Haushaltswaren-Handel an der damaligen Adolf-Hitler-Straße betrieb. Er war Oberst im Schützenverein.

Lünen 1937: Ein Schützenfest zog die Massen an und Hakenkreuze säumten die Straßen

Unten rechts ist Alfed Coers mit seinem markanten Schnauzbart. © Screenshot

„Das Schützenfest 1937 ein Fest der Freude und Geselligkeit“, titelt eine Zeitung damals, und schreibt dann in engen Lettern und heute nur schwer lesbar weiter. Ein großer Teil des Textes widmet sich allerdings weniger dem Fest selbst, sondern dem „Führer“:

Lünen 1937: Ein Schützenfest zog die Massen an und Hakenkreuze säumten die Straßen

© Stadtarchiv

Der Film und auch das Schützenfest selbst endeten am letzten Tag mit dem Kinderschützenfest. Das Königspaar war Adolf Schmidt gemeinsam mit Anneliese Röding, der Tochter des damaligen Oberbürgermeisters Curt Friedrich Heinrich Röding. Dessen Amtszeit endete nach dem Beginn 1936 allerdings schon 1937 wieder. „Heiß war der Kampf und heißer noch das Wetter“, schreibt die Tremonia über das Schießen der Kinder damals. Rund 700-800 Kinder, schätzt der Autor, marschieren am Nachmittag zum Festzelt in der Geist.

Das Buch über die Geschichte des Schützenvereins von 1332 ist bei Wolfgang Ueing, Tel. (02306) 52331, erhältlich.
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