Der Deges gehören noch längst nicht alle erforderlichen Grundstücke an der B236

dzB236-Ausbau

Dem Ausbau der B236 müssen zwischen A1 und Freischütz einige Häuser weichen. Über manche Verkäufe streitet die Deges noch mit den Eigentümern. Ist der Bauzeitenplan trotzdem noch zu halten?

Schwerte

, 15.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitte 2019, so meldet die Deges es auf ihrer Homepage, soll mit dem Ausbau der B236 begonnen werden. Zwei Jahre später soll nach dieser Quelle der vierspurige Ausbau der Bundesstraße erledigt sein. Ein ehrgeiziger Plan, das ahnt man inzwischen, zumal die Deges bisher noch nicht einmal alle erforderlichen Grundstücksankäufe in trockenen Tüchern hat.

Mehrere Häuser entlang der Bundesstraße zwischen Freischütz und Autobahnauffahrt müssen dem vierspurigen Ausbau und der Veränderung der Zufahrten von und zur A1 weichen. Welche das sind, lässt sich auch eine Woche nach einer ersten Anfrage bei den Deges-Pressestellen in Berlin und Düsseldorf nicht herausfinden. Einige Häuser dort sind nicht mehr bewohnt, manche schon dem Verfall preisgegeben. Andere zeigen aber noch deutliche Spuren alltäglichen Lebens.

Zwei Häuser hat die Deges bereits in ihrem Besitz

Bestätigt wurde aus Düsseldorf der Ankauf der Häuser und Grundstücke 116 und 122. Das sind das alte Forsthaus und das nächste Gebäude, also die ersten beiden Häuser stadteinwärts gesehen auf der linken Seite hinter dem Parkplatz am Waldrand.

Der Deges gehören noch längst nicht alle erforderlichen Grundstücke an der B236

Dieses Haus hat die Deges bereits erworben. © Berkenbusch

Der Deges gehören noch längst nicht alle erforderlichen Grundstücke an der B236

Das alte Forsthaus gehört der Deges schon. © Berkenbusch

Das etwas tiefer liegende Fachwerkhaus auf der Freischütz-Seite mit der Hausnummer 129, das ergab eine erneute Rückfrage bei der Deges, kann bleiben, steht dem Straßenausbau nicht im Weg.

Hausbesitzer sind nicht gut auf die Deges zu sprechen

Das kann man womöglich von einigen Eigentümern entlang der Trasse nicht behaupten, denn nicht jeder ist offenbar bereit, seinen Besitz der Deges zu deren Bedingungen abzutreten. Vielmehr macht sich Unmut bei Hausbesitzern breit. Thorsten Machentanz zum Beispiel hat seinen Firmensitz an der Hörder Straße 90c. Die Klempner- und Badsanierungsfirma mit der metallischen Fassade liegt etwas zurück von der Straße zwischen alten Wohnhäusern.

Der Deges gehören noch längst nicht alle erforderlichen Grundstücke an der B236

Hörder Straße 90c: Hier wartet Thorsten Machentanz auf eine Entscheidung. © Berkenbusch

Thorsten Machentanz: „Als ich vor zehn Jahren eine Photovoltaik-Anlage bauen wollte, hat man mir wegen des geplanten Straßenausbaus von weiteren Investitionen abgeraten. Seitdem sind wir keinen Schritt weitergekommen, und die Anlage hätte sich amortisieren können.“ Zwei Gutachten seien im Auftrag der Deges über sein Grundstück erstellt worden, beide habe er abgelehnt. „Die Angebote waren zu schlecht, zu weit entfernt von der Bodenrichtwertkarte.“ Jetzt plane er erstmal weitere fünf Jahre an diesem Standort. „Man hört ja nichts mehr von der Deges.“

Angebote liegen deutlich unter der Bodenrichtwertkarte

Das bestätigt auch der Besitzer des abbruchreifen Hotelgebäudes „3 Linden“. Auch er ist sauer: „Wir verhandeln seit Sommer 2017 ohne Ergebnis. Nachdem ich mit dem ersten Gutachten, erstellt durch ein von der Deges beauftragtes Architekturbüro, nicht einverstanden war, habe ich nichts mehr gehört.“

Der Deges gehören noch längst nicht alle erforderlichen Grundstücke an der B236

Um das ehemalige Hotel „3 Linden“ streitet der Eigentümer noch mit der Deges. © Berkenbusch

Er sei nicht bereit, sein über 1000 Quadratmeter großes Grundstück, für das es durchaus auch andere Bewerber gebe, für weniger als die Hälfte des Bodenrichtwertes und damit deutlich unterm Marktwert abzugeben. Verhandelt werde derzeit allerdings auch nicht. „Also zahle ich brav die Grundstücksnebenkosten, obwohl ich im Moment gar nichts mit dem Besitz anfangen kann.“

Hausbesitzer beklagt Auftreten wie eine „Drückerkolonne“

Dass ihm schon beim ersten Treffen mit Vertretern des Architekturbüros, das wie eine „Drückerkolonne“ aufgetreten sei, mit Enteignung und vorzeitiger Besitznahme gedroht worden sei, macht ihn zusätzlich wütend. Er wünscht sich inzwischen, dass die Ausbaupläne scheitern und er sein Grundstück zum Beispiel für einen Hotelneubau verkaufen kann.

Da ist man bei der Deges deutlich gelassener und sieht keine Eile geboten: Der Abriss der Häuser solle frühestens 2020 erfolgen, teilte das Unternehmen mit.

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Kommentar

Ein sperriges Unternehmen

So sperrig ihr Name klingt, so agiert die Deges offensichtlich auch. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH wurde 1991 als Projektmanagementgesellschaft für Verkehrsinfrastrukturprojekte vom Bund und einigen Ländern gegründet. Sie ist keine Behörde. Aber benimmt sich so. Da kann die Beantwortung einer einfachen Presseanfrage schon mal dauern. Oder gar nicht passieren. Wir konnten deshalb nicht herausfinden, wie viele und welche Häuser dem Straßenausbau weichen müssen. Haben aber gelernt, dass Haus- und Grundstücksbesitzer aufgrund mehr als zäher Verhandlungen und offener Enteignungs-Drohungen nicht gut auf die Deges zu sprechen sind. Da ist offenbar trotz jahrelanger Vorbereitungszeit noch längst nicht alles in trockenen Tüchern. Wie da der Zeitplan gehalten werden soll, erschließt sich dem Laien nicht. Vielleicht beweisen uns die Experten von der Deges ja das Gegenteil.
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