Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren schließt Dieler in Schwerte. Für die Mitarbeiter ist es sehr bitter, denn die Kunden waren immer zufrieden. Für das Ladenlokal gibt es einen Nachfolger.

Schwerte

, 17.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Für gewöhnlich schließen Geschäfte, wenn der Verkauf schlecht läuft. Beim Textilhaus Dieler ist es anders. Grund für das Aus ist der Mietvertrag, der Ende September ausläuft. Wenn es nach dem Geschäftsführer Christoph Dieler ginge, hätte er gerne verlängert. Aber „Ernsting’s Family“ habe ihn beim Mietpreis wohl überboten und dadurch den Zuschlag für das Objekt erhalten.

Ernsting’s Family bestätigt Umzug

Ernsting’s Family bestätigte den Umzug nur wenige Meter weiter zum Frühjahr 2019. Grund dafür ist die etwa doppelt so große Ladenfläche im neuen Objekt. Zum Mietpreis macht Heike Thiemann, Bereichsleiterin für die strategische Expansion bei Ernsting*s, jedoch keine Angaben.

„Noch schlimmer ist es für die Mitarbeiter“

Für Dieler wäre es nicht der erste Auszug dieser Art. Bereits vor etwa zehn Jahren mussten man ausziehen, weil C&A seinerzeit mehr für die Miete gezahlt hatte. „Für das Unternehmen ist es schlimm, denn die Kunden sind zufrieden und das Geschäft wird gut besucht. Aber noch schlimmer ist es für die Mitarbeiter“, sagt Dieler.

Fünf von sechs Mitarbeiterinnen sind ab September arbeitssuchend. Nur eine hat etwas Neues gefunden. „Wir waren alle betroffen, als wir von der Schließung erfahren haben“, sagt eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Es fällt uns nicht leicht, die letzten Tage noch einmal Vollgas zu geben. Gerade jetzt, wo so viel los ist.“

Mitarbeiter lassen sich nichts anmerken

Den Kunden gegenüber lassen sich die Mitarbeiterinnen nichts anmerken. Eine höfliche Begrüßung und ein freundliches Lächeln haben sie für jeden. Trotz ihrer schwierigen Lage wirkt es nicht einmal aufgesetzt. Als ein Kunde nach Bettwäsche fragt, begleitet ihn die Mitarbeiterin unaufgefordert bis zum richtigen Regal. Genau das wissen die Kunden zu schätzen. Ein älteres Ehepaar sagt, dass sie entsetzt waren, als sie von der Schließung erfahren haben.

Beschäftigte für alles

„Wir waren hier regelmäßig einkaufen. Die Preise, die Qualität und vor allem die Bedienung war immer hervorragend“, fügen sie hinzu. Liebevoll wird der Rollator einer Kundin von einer Mitarbeiterin als Wagen bezeichnet. Voller Vertrauen und ohne Scham fragt die Kundin im nächsten Moment nach einer Inkontinenzhose. Diesen Wunsch kann sie ihr zwar nicht erfüllen, aber die Chemie zwischen Kunden und Verkäufern stimmt. Dabei stehen sie nicht nur an der Kasse. Sie arbeiten außerdem an der Warenannahme, machen Deko, beraten Kunden und sind nicht zuletzt für die Lagerhaltung zuständig. Frauen für alles eben.

Neues Ladenlokal gesucht

Wenn es nach dem Geschäftsführer Christoph Dieler geht, würde er in Schwerte wieder eröffnen. Aber es gäbe zur Zeit kein Objekt, was von der Größe und dem Standort passen würde. Wieder steht eine Kundin an der Kasse und bedauert die Schließung und wünscht: „Alles Gute für Sie.“ Die Mitarbeiterin erwidert: „Das können wir gebrauchen!“

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