Von 1745 bis 1766 residierte das märkische Bergamt in Schwerte. Der Preußenkönig brachte die Zechen in der Umgebung unter seine Kontrolle. Vorher hatten die ihn oft ausgetrickst.

Schwerte

, 27.11.2018, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Ruhrtalmuseum ist das Alte Rathaus am bekanntesten. Aber in seiner bald 500-jährigen Geschichte hat das Gebäude mit dem bekannten Stufengiebel schon viele Nutzungen erlebt. Von Bürgermeister-Büro bis Stadtbücherei, von Markthalle bis Nachtwächter-Stube. Und kurzzeitig als Sitz des märkischen Bergamts. „Das war von 1745 bis 1766, in der Zeit vom Alten Fritz“, sagt Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Fuhrmann. Er meint den Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786), der dafür bekannt ist, dass er seinen Untertanen die Kartoffeln schmackhaft machen wollte.

Der Monarch brauchte Geld

Aber ein Monarch brauchte vor allem ständig Geld. Und diesem Anspruch müssen die Zustände im märkischen Bergbau Hohn gesprochen haben. Die Knechte würden ihre geförderten Kohlen selbst verkaufen, viel laufe an den Büchern vorbei, heißt es im Befahrungsbericht eines Beamten, aus dem Lena Tünte in ihrer Masterarbeit (2009) in Geschichtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum zitiert. Stadtarchivarin Dr. Andrea Niewerth spürte das Manuskript mit dem Titel „Der märkische Steinkohlenbergbau im 18. Jahrhundert: Die Durchsetzung des Direktionsprinzips“ in ihrem Fundus auf. Es verdeutlicht, wie der preußische Staat mit einer neuen Bergordnung den privaten Bergbau unter seine Kontrolle bekommen wollte. Denn es konnte ihm nicht gefallen, dass der König als Steuer-Zehnt „nur die schlechteren Kohlen“ erhielt, wie Lena Tünte weiter schildert. Mit der Bergordnung von 1737 sei die Betriebsleitung der Gruben dem staatlichen Bergamt unterstellt worden. Das sollte nicht nur das Führungspersonal wie Steiger und Schichtmeister ernennen, sondern auch die Förderung verteilen und die Preise festsetzen.

Gleichzeitig – so Lena Tünte – erhielt das Bergamt die Aufsicht über eine Berggerichtsbarkeit: „Alle Angelegenheiten, die die Zechen oder Bergleute betrafen, wurden hier unabhängig von der zivilen Gerichtsbarkeit des preußischen Staates entschieden.“

Streit ums angemessene Dienstzimmer

1738 wurde in diesem Zuge das märkische Bergamt in Bochum gegründet, das sieben Jahre später nach Schwerte verlegt wurde. „Der Bergrichter Dietrich Caspar Marck wohnte in Schwerte“, berichtet Uwe Fuhrmann, der auf den Internet-Seiten der Universität Köln auf eine entsprechende pdf-Datei der „Geschichte der Cleve-Märkischen Berggesetzgebung und Bergverwaltung“ stieß. Laut diesem Dokument wurde die Sitzverlegung durch einen Erlass vom 28. September 1745 angeordnet.

In Schwerte seien „wegen Erlangung eines Dienstzimmers“ längere Verhandlungen erforderlich gewesen. Das Bergamt wollte die Ratsstube, die Stadt nur die alte Stadtwaage zur Verfügung stellen. Dann hätten aber Besucher des Amtes „in Frost und Kälte unter dem Schwibbogen sich aufhalten müssen“, wurde geklagt.

Nach 28 Jahren zog das Bergamt nach Hagen

Schon 1766 war die Ära „Bergamt Schwerte“ vorbei. Bergrichter und Oberbergvogt Marck trat aus Altersgründen zu Jahresbeginn in den Ruhestand. Die Einrichtung wechselte nach Hagen und erhielt – so Lena Tünte – mit einer veränderten Bergordnung noch mehr Verfügungsgewalt über alle Zechen. Sie bestimmte fortan unter anderem Produktion und Absatz, stellte die Bergleute ein und legte die Löhne fest. Und schrieb vor, dass volle Schichten nur noch acht Stunden dauern sollten.

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