Demirci: „Teil meines Lebens wurde mir weggenommen“

Der in der Türkei angeklagte Sozialarbeiter Adil Demirci will in seiner Heimatstadt Köln nun möglichst schnell in den Alltag zurückfinden. „Ich bin sehr erschöpft von der Zeit in der Türkei“, sagte er am Freitag in Köln. „Ein Teil meines Lebens wurde mir weggenommen.“ Gegen Demirci läuft in der Türkei ein Prozess wegen Terrorvorwürfen. Nach rund zehn Monaten Untersuchungshaft und anschließender viermonatiger Ausreisesperre durfte er am Montag wegen des Todes seiner Mutter das Land verlassen.

21.06.2019 / Lesedauer: 2 min
Demirci: „Teil meines Lebens wurde mir weggenommen“

Der Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci. Foto: Roberto Pfeil

Der Prozess gegen ihn soll im Oktober fortgesetzt werden. Dabei müsse er nicht anwesend sein, sagte Demirci, der die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft hat. Es ist gegenwärtig einer der prominentesten Prozesse gegen einen Deutschen in der Türkei. Zumindest bis zum Abschluss seines Verfahrens werde er nicht mehr dorthin reisen, sagte der 33-Jährige.

Vor allem die erste Zeit im Hochsicherheitsgefängnis sei sehr schwer für ihn gewesen, schilderte Demirci. So habe er erst nach zwei Monaten mit seiner Familie in Deutschland telefonieren dürfen. „Am schlimmsten war, dass ich nicht bei meiner krebskranken Mutter sein konnte.“ Die große Solidarität aus Deutschland habe ihm viel Kraft gegeben.

Demirci war im April 2018 während eines Urlaubs in Istanbul festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) vor, die in der Türkei als Terrororganisation gilt. Demirci weist die Vorwürfe zurück.

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