Der tote Ackergaul aus Frömern ist dem Amt Fröndenberg keine Briefmarke wert

Hintergrund

Frömern

, 16.03.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der tote Ackergaul aus Frömern ist dem Amt Fröndenberg keine Briefmarke wert

Eine Ansicht auf das Dorf Frömern um das Jahr 1922; der Blick geht vom Waldrand auf dem Spitt in nördliche Richtung. Bei den weißen Haufen auf den Feldern handelt es sich um Kalk. © Privatarchiv Alfred Leider

Es ist das Verdienst von Alfred Leider, dass die Geschichte von Ernst Quambusch heute wieder erzählt werden kann. „Ich war mehr oder weniger der Einzige, der darüber recherchiert hat“, sagt der Ortsheimatpfleger von Frömern. „Eigentlich war das Thema versackt.“ Das Märzgefecht in Frömern fällt zeitlich zusammen mit den Märzkämpfen von 1919 in Berlin, als es zu einem Generalstreik der Arbeiterschaft sowie zu Straßen- und Häuserkämpfen mit den damals vielfach marodierenden Freikorpsgruppen kommt. „Das waren auch schlimme Zeiten auf der Haar damals“, weiß Leider, der schon vor einigen Jahren darüber forschte und auch einen Beitrag zur Ortsgeschichte verfasste.

Der tote Ackergaul aus Frömern ist dem Amt Fröndenberg keine Briefmarke wert

Der Landwirt Heinrich Bornemann aus Strickherdicke, hier mit seiner Frau, wurde am 18. März 1919 nach dem Feuergefecht in Frömern von den Truppen des Arbeiter- und Soldatenrates als Geisel mit nach Unna genommen. © Privatarchiv Alfred Leider

Das dramatische Geschehen in Frömern, dem am 18. März 1919 Ernst Quambusch zum Opfer fiel, setzte sich – weitaus weniger tragisch – für einige andere Akteure noch fort. Landwirt Heinrich Bornemann, Mitglied der Bürgerwehr aus Strickherdicke, nahmen die Truppen des Arbeiter- und Soldatenrates mit zwei weiteren Geiseln mit nach Unna. Soweit bekannt entließ man sie später unversehrt. Heinrich Potthoff, dessen Ackerpferd von der Bürgerwehr aus Fröndenberg erschossen worden war, verlangte eine Entschädigung. Auf seinen Klagebrief an das Amt Fröndenberg erhielt er aber nie eine Antwort. „Die haben sich nicht gerührt“, fand Alfred Leider heraus.

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