Daten auf katholischen Funkfrequenzen werden in Bönen umgeleitet

dzIT fürs Krankenhaus

Die Elektronische Patientenakte (EPA) ist für das Katharinen-Hospital Teil eines Digitalisierungsprozesses, der schon länger verfolgt wird – und noch weiter umgesetzt werden soll.

04.03.2019, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis vor drei Jahren hatten die drei Häuser, die zum Hospitalverbund gehören, noch verschiedene Software-Systeme. Im Unnaer Krankenhaus war ein seit den 1990er-Jahren selbst entwickeltes Programm in Betrieb, das Krankenhaus in Soest arbeitete bereits mit einer eingekauften Software für die Dokumentation und Abrechnung.

DAS PROJEKT IN ZAHLEN

INVESTITION VON 3,5 MILLIONEN EURO

  • Der Hospitalverbund, zu dem neben dem Katharinen-Hospital in Unna auch das Mariannen-Hospital Werl und das Marien-Krankenhaus Soest gehören, hat seit 2016 insgesamt 3,5 Millionen Euro in Elektronik investiert. Die Summe beinhaltet neben der elektronischen Patientenakte auch das Krankenhaus-Informationssystem (KIS) für die gesamte Dokumentation und Abrechnung.
  • Hinzu kommen neue Medizingeräte, die Daten elektronisch an das neue System übermitteln: insgesamt 13 EKG-Geräte und zehn Ultraschallapparate.
  • 400 Schulungstage wurden verwendet, um rund 1400 Mitarbeiter im Umgang mit der neuen Technik zu schulen.
  • Früher mussten immer wieder neue Räume in Beschlag genommen werden, um Akten zu lagern. Die Krankenhäuser müssen ihrer Dokumentationspflicht nachkommen. Das tun sie jetzt elektronisch. Das Rechenzentrum im Katharinen-Hospital muss regelmäßig Datenspeichergeräte nachkaufen. Alle zwei Jahre werden zusätzliche 40 Terabyte benötigt.

Geschäftsführer Christian Larisch verantwortete dann eine Vereinheitlichung. Alle Anbieter von Krankenhaus-Informationssystemen (KIS) wurden angeschrieben, um Angebote abzugeben. Dann reiste eine 40-köpfige Delegation zu Musterkrankenhäusern, in denen neue Systeme schon im Echtbetrieb waren. Der Bus des Hospitalverbunds steuerte Kliniken in Bonn, Frankfurt und im Raum Stuttgart an, Ärzte und Pfleger ließen sich dort von Praxiserfahrungen berichten.

Vorhandene Leitungen zu langsam

Anfang 2016 ging der Hospitalverbund dann unter Federführung des IT-Chefs Matthias Kloos die Einführung einer ausgewählten Software an. Knapp ein Jahr und mehrere Hundert Schulungstage später wurde der Schalter umgelegt. Ein neues KIS für drei Krankenhäuser ging in Betrieb. Zuvor allerdings musste der Verbund sich noch um seine Vernetzung bemühen. Die herkömmlichen Datenleitungen zwischen Unna, Werl und Soest hätten von der Bandbreite nicht ausgereicht, berichtet Kloos. „Wir mussten Richtfunkanlagen auf den Dächern der drei Krankenhäuser installieren.“ Bei der Bundesnetzagentur wurden Funkfrequenzen angekauft, die nur den drei katholischen Krankenhäusern zur Verfügung stehen.

Eine Datenverbindung über Richtfunk funktioniert nur bei einer direkten Sichtverbindung. Diese lässt die Topografie am Hellweg aber nicht ganz zu. Ein eigens angemieteter Umlenkturm in Bönen ermöglicht nun den Datenfluss. Langfristig will der Hospitalverbund Glasfaserleitungen nutzen – die gibt es aber noch nicht für alle notwendigen Strecken. Die Gespräche mit Versorgungsunternehmen laufen.

Ein besonders wichtiges Thema sei auch die Sicherheit, erklärt IT-Fachmann Kloos. „Wir investieren viel Zeit und Geld in Cyber-Security.“ Die Krankenhäuser sollen vor kriminellen Hackern, Ausspähungen und Schadsoftware geschützt werden. „Angriffe gibt es jeden Tag“, sagt Kloos.

Daten auf katholischen Funkfrequenzen werden in Bönen umgeleitet

WLAN-Bridges an jedem Visitenwagen ermöglichen die Datenübertragung trotz der dicken Mauern im Katharinen-Hospital. © Udo Hennes

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur geht noch weiter. Im Soester Krankenhaus wird gerade ein Apparat für die Vitaldatenerfassung getestet. Die Krankenschwester schließt das Gerät über Elektroden beziehungsweise Manschetten an den Patienten an. Es misst gleichzeitig verschiedene Werte wie Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung oder Temperatur und überträgt sie sofort an das EPA-System. Spielerei? „Nein“, sagt Pflegedienstleiter Martin Krampe. „Die Pflegekräfte haben dadurch mehr Zeit für die Patienten.“ Etwas mehr Komfort für alle, die im Krankenhaus gepflegt werden, verspricht die Einführung eines neuen WLAN-Systems. Das bisherige musste schon für die Einführung der elektronischen Akte aufgerüstet werden. Bald soll in Unna ein neues WLAN eingeführt werden. Von den höheren Bandbreiten, so IT-Leiter Kloos, profitierten dann auch die Patienten. Sie sollen dann ihre privaten iPads oder Smartphones besser nutzen können.

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