Das steckt hinter den Mobilfunkstandards

dzVon 1G bis 5G

2G, EDGE, UMTS, LTE – wenn es um die Netzabdeckung in Deutschland geht, fallen allerlei Begrifflichkeiten. Ein Erklärungsversuch.

23.08.2019, 14:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle reden über 5G; dabei ist die fünfte Generation des Mobilfunks auch in Deutschland noch Zukunftsmusik. Schlimmer noch: Mancherorts sind Standards aus der Vergangenheit immer noch Gegenwart. So entwickelte sich der Mobilfunk.

1G: Erste Generation

Mitte des 20. Jahrhunderts war die Geburtsstunde des öffentlichen Mobilfunknetzes in Deutschland. Die Bundespost war damals noch Monopolist – und führte 1958 das A-Netz ein. Es handelte sich um ein analoges Netz zur Übertragung von Sprache mittels manueller Vermittlung – ja, die Frau vom Amt gab es wirklich. Weiterentwicklungen waren das B-Netz (1972) und das C-Netz (1986).

2G: Zweite Generation

Anfang der 1990er-Jahre wurde der Mobilfunk digitalisiert: Im D-Netz (1992) und wenig später auch im E-Netz (1994) konnten mit dem GSM-Standard fortan neben Sprache auch Text und Daten übertragen werden; zunächst mit einer Bandbreite von 9,6 oder 14,4 KBit/sec. GSM steht für „Global System for Mobile Communications“ (dt. Globales System für mobile Kommunikation). Auf dem Weg zur dritten Generation gab es nach der Jahrtausendwende noch Zwischenschritte: Mit 2.5G kam 2001 der Standard GPRS (General Packet Radio System) und mit 2.75G (2006) das sogenannte EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) – beides sind gewissermaßen Evolutionsstufen der GSM-Mobilfunknetze, mit denen deutlich höhere Übertragungsraten möglich waren; mit EDGE beispielsweise bis zu 150 KBit/sec.

D-Netz und E-Netz

Das ist der Unterschied

  • Die Begriffe D-Netz und E-Netz werden heute im Volksmund als Synonym für die drei Netzanbieter Telekom und Vodafone (D-Netz) sowie Teléfonica (E-Netz) verwendet.
  • Ursprünglich sind die Begriffe eine Weiterführung der A- bis C-Logik aus den 1950er- bis 1980er-Jahren. Das D-Netz entstand Anfang der 1990er-Jahre und wurde von D1 Telekom und D2 privat (heute Vodafone) genutzt. E-Plus führte Mitte der 1990er-Jahre ein eigenes Netz ein, der ehedem eigenständige Netzanbieter wurde 2014 durch Teléfonica (O2) übernommen.
  • Das D-Netz wird auch heute noch als besseres beschrieben – dabei haben die Begriffe D- und E-Netz technisch keine Relevanz mehr; alle drei Netzanbieter nutzen dieselben Frequenzen und Technologien.
  • Und dennoch: Wer das sogenannte „E-Netz“ von Teléfonica (O2) als schlechter bewertet, hat vor dem Hintergrund der vielfach schlechteren Netzabdeckung insbesondere im ländlichen Raum durchaus Recht.
  • Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die Netzabdeckung vor Vertragsabschluss prüfen: Telekom, Vodafone und O2 bieten auf ihren Internetseiten entsprechende Tools an.

3G: Dritte Generation

Mit der dritten Generation kam 2004 mit UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) eine neue Funkzugriffstechnik ins Spiel, die das gleichzeitige Senden und Empfangen mehrerer Datenströme ermöglichte. Zunächst lag die Bandbreite bei 834 KBit/sec. Der Quantensprung folgte dann 2006 mit HSPA: Mit dem sogenannten High Speed Packet Access konnten im Mobilfunknetz Daten in Hochgeschwindigkeit übertragen werden – und zwar mit Bandbreiten von bis zu 42 MBit/sec.

4G: Vierte Generation

2010 kam dann Long Term Evolution, kurz LTE genannt; vielerorts inzwischen Mobilfunkstandard. Technisch und unter idealen Bedingungen sind sehr hohe Geschwindigkeiten möglich: Bandbreiten von mehreren 100 MBit/sec sind denkbar, die Telekom bewirbt ihre „Magenta Mobil“-Tarife beispielsweise mit einer Maximalgeschwindigkeit von bis zu 300 MBit/s. Weil die Nutzer sich die verfügbare Bandbreite innerhalb einer Funkzelle teilen müssen, werden diese Geschwindigkeiten in der Praxis allerdings kaum erreicht.

5G: Fünfte Generation

In diesem Jahr hat die Bundesnetzagentur 5G-Funklizenzen versteigert, für 2020 haben die Mobilfunkanbieter die Einführung des LTE-Nachfolgers angekündigt. Dann sind Datenraten von bis zu 10Gbit/s denkbar. Allerdings wird der ländliche Raum wie so oft bei technischen Neuerungen vorerst nicht profitieren: Es fehlen schlichtweg die Glasfasernetze, die Voraussetzung für die Errichtung von 5G-Funkmasten sind.

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