Lego, Comics oder Kuscheltiere kaufen sich viele Jungen und Mädchen vom eigenen Taschengeld. Wie viel Geld sinnvoll ist und welche Regeln man beachten sollte, erklären Experten. Und Elias.

Selm

, 13.12.2018 / Lesedauer: 6 min

Der elfjährige Elias sitzt am Esstisch und zeigt sein Sparschwein. Genauer gesagt ist es eine Spar-Robbe. Auch seine kleine Schwester Anna hat eine Robbe. Die Neunjährige rappelt ein wenig damit. Es klimpert im Robbenbauch. „Die Anna sitzt auf ihrem Geld, die passt da etwas mehr auf als ihr Bruder“, sagt Mutter Stephanie Happe und lacht.

Das große Klimpern in den Spardosen: Wie viel Taschengeld ist in welchem Alter richtig?

Elias und Anna bekommen ihr Taschengeld wöchentlich ausgezahlt. © Martina Niehaus

Elias und Anna bekommen wöchentlich ihr Taschengeld. Elias bekommt drei Euro pro Woche, Anna zwei. Bis vor kurzem war es noch je ein Euro weniger. „Die beiden haben gerade eine Lohnerhöhung bekommen“, sagt Stephanie Happe.

Die 37-Jährige hat noch zwei weitere Kinder, Jonas (3) und die kleine Mathilda, die gerade einmal fünf Monate alt ist. „Die beiden bekommen natürlich noch kein Taschengeld, aber die Großen schon“, erzählt die Cappenbergerin.

Empfehlung des Deutschen Jugendinstituts: Taschengeld ist wichtig!

Ein regelmäßiges Taschengeld - monatlich, bei jüngeren Kindern am besten wöchentlich - wird sowohl von den Jugendämtern als auch vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) mit Sitz in München empfohlen. „Ganz grundsätzlich sollte Taschengeld ein festes Budget darstellen, das für Kinder und Jugendliche verlässlich ist und zu ihrer freien Verfügung steht. Durch das Taschengeld lernen die Kinder auch, den Umgang mit Geld zu planen und zu überblicken“, sagt die Sozialpädagogin und Kommunikationswissenschaftlerin Ursula Winklhofer vom DJI. Sie hat gemeinsam mit Alexandra Langmeyer ein Gutachten zum Thema „Kinder und ihr Umgang mit Geld“ sowie Empfehlungen zum Taschengeld geschrieben.

Geschwister: Wer bekommt mehr Geld, wer bekommt weniger?

Auch wenn die neunjährige Anna die Meinung der Expertin vermutlich nicht teilt: Ursula Winklhofer findet es in Ordnung, dass sie als jüngere Schwester einen Euro pro Woche weniger bekommt als der große Bruder.

Denn: Je älter die Kinder sind, desto größer wird ihr Überblick - und desto besser können sie ihr Geld managen. „Bei älteren Kindern sind meist auch die Wünsche größer. Sie möchten öfter mal ausgehen, eine Pizza essen mit Freunden oder feiern. Da brauchen sie auch etwas mehr Geld als das jüngere Geschwisterkind. Das kann eher kleinere Beträge verstehen und verwalten“, sagt Ursula Winklhofer.

„Es macht Sinn, frühzeitig mit einem wöchentlichen Betrag zu beginnen.“
Jutta Gülzow, Verbraucherzentrale Lünen

Diese Meinung teilt auch Jutta Gülzow von der Lüner Verbraucherzentrale. „Die Höhe des Taschengeldes sollte schon altersabhängig erfolgen. Und es macht Sinn, frühzeitig mit einem wöchentlichen Betrag zu beginnen, damit sich das Kind daran gewöhnt.“ Später, bei älteren Kindern, mache dann ein monatlicher Betrag mehr Sinn. Denn dann soll das Kind, erklärt Jutta Gülzow, schon allmählich lernen, den Betrag einzuteilen.

Liegen die Kinder vom Alter her nah beieinander, muss man allerdings nicht grundsätzlich Unterschiede machen. Und manches ältere Geschwisterkind habe ja auch nichts dagegen, wenn der zwei Jahre jüngere Bruder das gleiche Taschengeld bekommt. „Unsere Empfehlungen sind nicht starr, sondern es sind Richtwerte, an denen man sich orientieren kann“, betont Winklhofer.

Das große Klimpern in den Spardosen: Wie viel Taschengeld ist in welchem Alter richtig?

Stephanie Happe findet: Taschengeld ist wichtig, schöne Erlebnisse sind wichtiger. © Martina Niehaus

Bei den Happes landet nicht nur das wöchentliche Taschengeld in der Spar-Robbe. „Die Oma gibt auch immer mal einen Fünfer für jedes Kind“, erzählt Stephanie Happe. Auch zu Beginn der Ferien gebe es Feriengeld für die Kinder. „Da können sie sich auf Ausflügen oder im Urlaub eine Kleinigkeit kaufen.“ So freuen sich Elias und Anna schon auf den nächsten Ausflug ins Legoland. „Da haben wir dann jeder 20 Euro dabei, davon können wir uns etwas holen“, erzählt Elias. Und weil beide Kinder im Dezember Geburtstag haben, bekommen sie anstelle von Geschenken auch Gutscheine. „Die sammeln sie dann für einen größeren Wunsch“, erklärt Stephanie Happe.

Die Rahmenbedingungen: Was bezahlt das Kind vom Taschengeld, und was nicht?

Bonbons, Eis, Spielzeug - klar, das bezahlen Elias und Anna vom Taschengeld. Wobei die Mama auf Ausflügen und im Urlaub großzügig ist. „Wir verrechnen nicht jede Kugel Eis, das wäre ja Quatsch.“ Aber was genau sollen Kinder von ihrem Taschengeld bezahlen und was nicht? Hier sagt Jutta Gülzow: „Genaue Absprachen sind da schon wichtig. Man muss die Rahmenbedingungen mit den Kindern klären.“ Nicht empfehlenswert sei es, dass Kinder auch Schulhefte oder Stifte vom eigenen Taschengeld zahlen müssten. Dann könne es schnell passieren, dass an der falschen Stelle gespart würde.

Das große Klimpern in den Spardosen: Wie viel Taschengeld ist in welchem Alter richtig?

Elias mag Star Wars, und er mag Lego: "Dafür hab ich schon viel Taschengeld ausgegeben."

Bei Elias ist die Sache klar: Das meiste Geld geht für Lego Star Wars, Nerf-Pistolen und Schleichtiere drauf. „Für Lego habe ich bestimmt schon hunderte Euro ausgegeben“, schätzt der Fünftklässler. Und er präsentiert seine Sammlung: Raumschiffe, Figuren, ein großes Buch mit einer Übersicht über die Star-Wars-Helden.

„Ich spare für den großen Lego-Technik-Allrad-Abschleppwagen.“
Simon (8), Drittklässler

Der achtjährige Simon, der gerade zu Besuch bei der Familie ist, staunt nicht schlecht. Simon ist nämlich eher der sparsame Typ. „Ich kriege zwei Euro in der Woche, und spare für den großen Lego-Technik-Allrad-Abschleppwagen.“ Anna dagegen zeigt bergeweise Kuscheltiere und Bücher vor. „Die hab ich mir alle vom Taschengeld gekauft“, sagt sie. Ihre Mutter korrigiert sie und lacht: „Also, das Känguru hast du zu deiner Geburt bekommen, da hast du noch kein Taschengeld gekriegt.“

Das große Klimpern in den Spardosen: Wie viel Taschengeld ist in welchem Alter richtig?

Anna kauft sich gern Bücher und Kuscheltiere.

Falls Jugendliche von ihrem Taschengeld notwendige Ausgaben bestreiten, empfehlen Jugendamt und DJI ein zusätzliches Budgetgeld. Darin stehen Ausgaben für Kleidung, Körperpflege, Handy oder Essen außer Haus. Auch hier, betont die Sozialpädagogin, sei das Budgetgeld immer eine Sache der Absprache, und die Übergänge in der Praxis seien fließend. „Natürlich soll sich ein Jugendlicher nicht den benötigten Wintermantel vom Budgetgeld kaufen müssen“, sagt Ursula Winklhofer. „Aber wenn es das aktuelle T-Shirt sein soll, das dann auch noch etwas mehr kostet, dann ist dieses Budgetgeld sinnvoll. Wir plädieren dafür, das mit den Jugendlichen klar zu vereinbaren.“

Taschengeld als Belohnung oder Strafe einsetzen. Geht das?

Zeugnisse können für Kinder neben dem Taschengeld eine weitere „Einnahmequelle“ sein. Eine Tradition, die auch schon der Vater der Autorin vor rund 30 Jahren mit dem Witz begleitete: „Für eine Eins gibts es eine Mark, für eine Zwei dann zwei Mark und so weiter!“ Das Gleiche erzählt er heute seinen Enkelkindern. Nur dass aus der Mark jetzt der Euro geworden ist. Und die Jungs finden es tatsächlich komisch.

„Unsere Empfehlungen sind Richtwerte, an denen man sich orientieren kann.“
Ursula Winklhofer (62), Sozialpädagogin

Die Jugendämter warnen davor, Taschengeld als Bestrafung einzusetzen - und zum Beispiel das Geld im Falle eines schlechten Zeugnisses zu kürzen. Geld dürfe nicht genutzt werden, so steht es in den Richtlinien, „um Kinder zu bestimmten Verhaltensweisen zu animieren“. Das sieht auch Ursula Winklhofer so. „Ein wenig Geld zum Zeugnis ist schön, dabei sollte in erster Linie das Engagement und die Anstrengung in der Schule honoriert werden und nicht die Höhe der einzelnen Zensuren.“

Geld als Belohnung, weniger oder kein Geld als Strafe - das ist ein heikles Thema. So sollte es in Familien auch grundsätzlich selbstverständlich sein, dass Kinder im Haushalt mithelfen: „Das ist erzieherisch sinnvoll. Man sollte kleinere Arbeiten gerecht verteilen, und auch keinen Unterschied machen zwischen Mädchen und Jungen“, empfiehlt Ursula Winklhofer. Eine Belohnung für größere Arbeiten sei hingegen okay. „Wenn der Jugendliche hilft, den Rasen zu mähen, und ackert drei Stunden, dann ist das eine Sonderaktion. Doch auch da kann man darüber nachdenken, anstelle von Geld zum Beispiel einen schönen Ausflug als Belohnung anzubieten.“

„Manchmal fällt man in diese Erpresserrolle.“
Stephanie Happe (37), Mutter

So läuft es auch bei Familie Happe. „Beim Zeugnis gibt es etwas Geld, aber nur als positive Bestärkung“, sagt Stephanie Happe. „Und im Haushalt helfen alle mit, die schon etwas machen können. Den Tisch decken oder abräumen zum Beispiel. Und dafür gibt es eigentlich auch kein Geld.“ Manchmal allerdings, gibt die 37-Jährige zu, versuche sie schon, die Kinder mit Geld zu locken. „Man fällt dann in diese Erpresserrolle: Wenn du brav bist, bekommst du auch dieses oder jenes.“ Meistens klappe es jedoch ohne Geld als Lockmittel. Und wer bei Familie Happe über einen längeren Zeitraum besonders artig war, darf sich auch Familienzeit wünschen - schwimmen oder ins Kino gehen.

Das dritte Raumschiff: Wie weit geht die Freiheit?

Wenn Elias sich das dritte Raumschiff gekauft hat, herrscht finanzielle Ebbe im Robbenbauch. Das weiß der Elfjährige genau. Trotzdem erlaubt Stephanie Happe, dass er sich Lego kauft. Nur bei dem sagenumwobenen Todesstern aus Lego streikt die Mutter: Der kostet nämlich knapp 400 Euro.

Die Diskussion gibt es in vielen Kinderzimmern: Was darf ich mir kaufen und was nicht? Jutta Gülzow von der Verbraucherzentrale sagt ganz klar: Über ihr Taschengeld sollen Kinder frei verfügen können. „Man muss auch als Kind lernen, dass das Budget begrenzt ist. Und wenn man dann sieht, dass das Geld weg ist, obwohl der Monat noch nicht um ist, gehört das zum Lernprozess. Und was die Kinder kaufen, ist ja ihre Sache.“ Auch Ursula Winklhofer glaubt, dass man da ruhig großzügig sein darf - ganz im Sinne der Gelderziehung. „Wenn das Kind alles auf einmal ausgibt und macht dabei die Erfahrung, dass das Geld dann zu schnell weg ist - dann ist das auch eine wertvolle Erfahrung.“

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI): Fakten zum Taschengeld
  • Die meisten Kinder und Jugendlichen erhalten laut DJI regelmäßig Taschengeld. Regelmäßigkeit und Höhe steigen mit dem Alter des Kindes.
  • Laut LBS-Kinderbarometer 2014 erhalten Kinder der 4. Klasse im Schnitt monatlich rund 14 Euro und Kinder der 7. Klasse rund 26 Euro Taschengeld.
  • Nicht alle Kinder desselben Alters erhalten jedoch gleich viel: So bekamen laut LBS-Kinderbarometer 2009 Kinder im Alter zwischen neun und 14 Jahren im Mittel zwar rund 18 Euro monatlich, manche Kinder jedoch weniger als 5 Euro pro Monat, andere hingegen sogar mehr als 70 Euro.
  • Haben Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss und/oder ein niedriges Nettoeinkommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kinder weniger Taschengeld erhalten. Dies gilt auch für Kinder aus sehr kinderreichen Familien. Umgekehrt können Kinder aus Ein-Kind-Familien mehr Geld ausgeben.
  • Bei Mädchen stehen Ausgaben für Kleidung, Zeitschriften und Süßigkeiten an erster Stelle, während Jungen ihr Geld eher in Computer, Süßigkeiten und Zeitschriften investieren.
  • Beim Sparverhalten gibt es keine Geschlechtsunterschiede: Jungen und Mädchen sparen in etwa gleich viel.
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