Viele Menschen zieht es ans Wasser. In Werne soll die Lippe mit dem Projekt „Naturerlebnis Lippeauen“ erlebbarer werden. Nun wurde eine wichtige Hürde für die umfangreichen Pläne genommen.

Werne

, 15.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Naturschutz und Naherholung müssen rund um die Lippe stets in Einklang gebracht werden. Denn große Teile des Flusses sind besonders geschützt. Doch es gibt auch Gebiete, die für den Bürger zugänglich gemacht werden sollen. Dafür wurde das Projekt „Naturerlebnis Lippeauen“ initiiert. Die Verantwortlichen haben nun die Bewilligung von finanziellen Mitteln bekommen. Damit können sie ihre Planungen konkretisieren. Schon im Herbst könnten so die ersten Arbeiten beginnen.

Anschluss an bestehende Radwege

Doch der Reihe nach. Was genau ist geplant? Ein neuer Rundweg mit einer Länge von etwa 30 Kilometern soll entlang der Lippe zwischen Lünen und Hamm entstehen. Der Fuß- und Radweg soll an die bereits bestehenden angeschlossen werden – etwa an die Römer-Lippe-Route. Das abgestimmte Wegekonzept bleibt bestehen. Die Wege sollen asphaltiert und soweit es möglich ist barrierefrei sein. Bei all den Plänen gibt es aber natürliche Grenzen.

„Wir dürfen nicht in die Kernzonen der Naturschutzzone dringen. So kann der Weg nicht immer an der Lippe entlang führen“, erklärt Birgit Manz von der zuständigen Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna (NFG). Dennoch soll mit dem Projekt „Naturerlebnis Lippeauen“ die Lippe greifbarer und sichtbarer gemacht werden.

Wunsch nach Wegen ans Wasser

Das Projekt, die Lippe zum Naturerlebnis zu machen, nimmt eine wichtige Hürde

Am Freizeitgelände Stockum soll ein bestehender Trampelpfad ausgebaut werden.

Deshalb sollen auch neue Wege, die an die Wasserquelle führen, entstehen. Denn der Bedarf ist da. Das zeigt das Paradebeispiel an der ehemaligen Freizeitanlage in Stockum südlich des Kommunalfriedhofs. „Dort sind schon Trampelpfade, die zur Lippe führen, vorhanden. Einer soll aufgenommen und ausgebaut werden“, sagt Manz. Hier soll mit den Geldern, die in das Projekt fließen, auch eine Informations- und Raststation entstehen. Auf Tafeln können die Besucher Wissenswertes zur Natur, Landschaft und Kultur der Region nachlesen.

Das Projekt, die Lippe zum Naturerlebnis zu machen, nimmt eine wichtige Hürde

An der Schlagt sollen Rastplätze für Besucher entstehen.

In Werne gibt es bereits einige Möglichkeiten, ganz nah an das Ufer des Flusses zu kommen. Und die werden gern angenommen, wie Manz sagt. Das gilt auch für den Bereich an der Wehranlage Schlagt. Auch hier soll es künftig einen Rastplatz für die Erholungssuchenden geben. Auf Holzbänken oder großen Steinen sollen sich die Menschen hier künftig ausruhen und ihr Proviant genießen können.

Zeit und Platz für Beobachtungen der Flora und Fauna möchten die Verantwortlichen an den Rieselfeldern am Stadtrand von Werne schaffen. „Schon jetzt gibt es einen sehr schönen Blick entlang der B54. Hier werden gern Vögel beobachtet. Das soll mit einem Hügel, der hier entstehen soll, bald noch mehr Menschen dazu einladen“, erklärt Birgit Manz.

Das Projekt, die Lippe zum Naturerlebnis zu machen, nimmt eine wichtige Hürde

Birgit Manz von der Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna steht an den Rieselfeldern. Genau hier soll eine Aussichtsplattform entstehen. © Andrea Wellerdiek

Hier stehen die Felder – wenn nicht gerade eine lang andauernde Hitze herrscht - schon oft unter Wasser. Dass hier ein neues Gewässer geplant ist, ist nur folgerichtig. Viele Vogelarten siedeln sich bereits hier an. Die neue Erlebnisstation an den Rieselfeldern sei eines der größten Vorhaben des Gesamtprojektes, so Manz.

Das Projekt, die Lippe zum Naturerlebnis zu machen, nimmt eine wichtige Hürde

Jetzt schon ein schöner Ausblick: Birgit Manz schaut vom Hochsitz auf die Rieselfelder. Der neu errichtete Jägersitz muss wohl wieder weichen. © Andrea Wellerdiek

Ein neues Erscheinungsbild bekommen aber auch die Randgebiete. In Bergkamen-Rünthe und -Heil sind ebenfalls neue Gewässer in Planung. Mit der Aushebung der Flächen für die neuen Wasserstellen würden die Arbeiten an dem Projekt beginnen, so Manz. Je nach Witterung und der Brutzeit der Vögel ist der Start für den kommenden Herbst angedacht. Zu diesem Zeitpunkt rechnen die Verantwortlichen auch damit, dass die konkreten Ideen des Planungsbüros für die Erlebnisstationen vorliegen.

Ende 2020 sollen Arbeiten abgeschlossen sein

Bis zum Ende des Jahres sollen die Vorbereitungen abgeschlossen sein. Anfang 2020 sollen die Arbeiten beginnen und am Ende des Jahres abgeschlossen sein. Ein wichtiger Schritt für die Umsetzung der Pläne für das Projekt „Naturerlebnis Lippeauen“ war die jüngste Zusage der Fördergelder in Höhe von 450.000 Euro von dem „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)“.

Darüber hinaus fließt Geld aus den Töpfen des „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ sowie aus dem landesweiten Programm Förderrichtlinie Naturschutz (FöNa) in das Projekt. Auch die Kommunen steuern etwas dazu, Werne zum Beispiel 17.500 Euro. 600.000 Euro werden insgesamt für das Projekt veranschlagt. Den Rest bringt die Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna (NFG) selbst auf – aus dem Vereinsbudget aber auch mithilfe von Spendengeldern.

Im regen Austausch mit anderen Institutionen

Während der gesamten Projektphase sind die Verantwortlichen der NFG laut Birgit Manz im regen Austausch mit verschiedenen Institutionen: Naturschutzverbände, Angler, Vogelkundler, der Tourismusverband NRW, der Regionalverband Ruhr, die Kommunen – um nur einige zu nennen. Man müsse stets Kompromisse finden. „Die Angler haben Angst um ihre Punkte, an denen sie angeln dürfen. Die Ornithologen möchten mehr Plätze für Vögel an den Gewässern“, erklärt Birgit Manz. Den Spagat zu schaffen, zwischen Natur und Naherholung sei nicht immer einfach. Die Lippe erlebbar machen und gleichzeitig schützenswert halten – das ist das Ziel aller Beteiligten.

Das Projekt, die Lippe zum Naturerlebnis zu machen, nimmt eine wichtige Hürde

Weg zu den Rieselfeldern: Der Schotterweg soll zu einem Radweg ausgebaut werden. © Andrea Wellerdiek

Was die Menschen künftig im „Naturerlebnis Lippeauen“, dessen Rundweg im Herbst 2020 mit einer großen Feier eröffnet werden soll, erleben können, wird in einem Flyer, auf einer Internetseite sowie in einer App gezeigt. Radrouten, die Erlebnis- und Informationsstationen, die Rastplätze und die Einkehrmöglichkeiten inklusive. Darüber hinaus soll die Region rund um die Lippe mit Workshops oder Kunstaktionen in der Natur langfristig erlebbar bleiben.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Freibäder im Vergleich

Freibad-Vergleich: Werne nimmt die höchsten Preise für Eintritt und Pommes

Hellweger Anzeiger Unfallschwerpunkte

Hier knallt‘s oft in Werne - aber die Unfallstatistik sagt was ganz anderes

Hellweger Anzeiger Christophorus-Gymnasium

Unentdecktes Wasserleck hat über Jahre Fundament von Schul-Gebäude unterspült