Das Piratenschiff für den Gastronomen Carlos entsteht im Saal der Gaststätte Kreinberg

dzGastronomie in Schwerte

Im Ambiente eines Dreimasters sollen rund 190 Gäste im nächsten Jahr portugiesische Spezialitäten genießen können. Er geht in einer Hafenszenerie vor Anker.

Schwerte-Ost

, 16.11.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tischlerleute schnaufen. Rund 200 Kilogramm bringt jeder der uralten Eichenbalken auf die Waage, die sie durch die Seitentür in den Kreinberg-Saal schleppen. Authentisches Baumaterial für das Segelschiff, in dem der Dortmunder Kult-Gastronom Carlos Couto im nächsten Jahr seine Gäste mit portugiesischen Spezialitäten verwöhnen will.

„Im Moment sieht es hier aus wie auf einer Schiffsbauwerft vor 300 Jahren“, sagt Oliver Liebeck. Er setzt alle Liebe zum Detail daran, die Pläne vom Motto-Restaurant „Carlos, der Pirat“ Wirklichkeit werden zu lassen. Aus Abbruchhäusern – der Fachmann spricht lieber von „Rückbau“ – besorgte er das 200 bis 300 Jahre alte Holz für den Dreimaster. Im Groben hatte der Tischler- und Zimmermeister sein Meisterwerk schon einmal aufgerichtet. Auf dem Hof seiner Firma Timbercraft in Geisecke, wo im August die ersten Vorbereitungen begannen.

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Galionsfigur wird noch geschnitzt

Danach wurde alles wieder behutsam auseinandergenommen, um jetzt in Schwerte-Ost in den acht Meter hohen Saal eingebaut zu werden. „Das Gerippe ist voraussichtlich am Samstag fertig“, sagt Liebeck. Zwölf Mitarbeiter werden dann an dem Boot weiterzimmern: „Wir müssen fertig werden.“ Das wird allerdings noch bis zum Frühjahr dauern, da sehr viel Detailarbeit zu erledigen ist. Beispielsweise muss noch eine Galionsfigur geschnitzt werden. Auch das Heck werden – wie vor 300 Jahren üblich – Figuren schmücken. Das können durchaus auch Männer sein. Wo sie am wirkungsvollsten angeschraubt werden, kann man erst ausprobieren, wenn alles andere steht.

Das Piratenschiff für den Gastronomen Carlos entsteht im Saal der Gaststätte Kreinberg

Eingerüstet ist der Kreinberg, weil auch das Dach neu eingedeckt wird. © Reinhard Schmitz

Schiffstaufe und Weihe mit Portwein

„Die Figuren werden nicht klassisch nachgebildet“, verrät Liebeck. Statt Gesichter eins zu eins umzusetzen, kann er sich an den Bordwänden durchaus Fratzen vorstellen. Denn alles soll ein bisschen an den Filmschlager „Fluch der Karibik“ erinnern, auch wenn das Schiff nicht wie im Kino „Black Pearl“ heißen wird. Es werde den Namen einer der beiden Töchter von Carlos Couto tragen, weiß Liebeck. Genaues wird man wohl erst bei der Schiffstaufe zur Eröffnung des Restaurants erfahren. Dabei werde auch nach portugiesischer Tradition eine Weihe stattfinden, bei der mit Portwein ein Kreuz auf das Heck gemalt und gebetet wird.

Liebecks erstes Schiff für Schwerte

Liebeck kennt diesen Brauch, weil er für die Familie Couto auch schon ein Gästeboot für die Restaurant-Filiale in Lünen gebaut hat. „Jetzt baue ich erstmals ein Schiff für Schwerte“, freut er sich. Und das ist natürlich einige Nummern größer. Auf zwei Decks werden die Gäste dort Platz nehmen können. Und auf den Galerien an den Seiten, die wie ein Hafenkai gestaltet werden. Nicht nur aufgemalt, sondern dreidimensional. Am Sockel mauert schon ein Arbeiter mit echten Sandstein-Bruchsteinen. Die Taue für das Piratenschiff werden schließlich Halt brauchen. Auch wenn im Saal kein Wind die Segel aufbläht.

Projekt ist einzigartig in der Region“

„Wir machen keine Attrappen“, betont Liebeck: „Keine Pappe, sondern echter Sandstein.“ Alles sei so authentisch wie möglich: „Nicht wie Disney oder Legoland.“ Das gilt auch für den Empfang, in den sich die entkernte frühere Wirtsstube verwandelt. Mit uralten hartgebrannten Ziegeln ist der Boden gepflastert, über den die jeweils knapp 190 Gäste zu ihren Tischen geführt werden. „Wir werden auch noch Laufspuren hineinschleifen“, kündigt Liebeck an. Gerade so, wie sie die Füße ungezählter Seemänner im Laufe der Jahrhunderte hinterlassen hätten.

„Das wird etwas ganz, ganz Besonderes“, freut sich Marcus Droll, Geschäftsführer der Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft. Die hatte im Dezember 2017 den Mietvertrag mit Carlos Couto für die Traditionsgaststätte abgeschlossen. Der Kreinberg, der seit 1930 die umliegende Siedlung prägt, wird für das Projekt quasi kernsaniert: „Wir sind froh, mit diesem Projekt etwas gefunden zu haben, was sicherlich einzigartig in der Region ist.“

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