Das Jahr 1961 - als es in Schwerte zwölf Arbeitslose gab

dzWirtschaftswunder

1961 war die Welt eine ganz andere. Das steckt auch in den Zahlen, die in den Zusammenstellungen der Stadt stehen. Die Menschen in Schwerte hatten keine Probleme, einen neuen Job zu finden.

Schwerte

, 01.12.2018, 11:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent? Das soll ein Rekord sein? Die Schwerter im Jahr 1961 hätten nur müde gelächelt über den Wert aus dem Oktober 2018. Im Vergleich zu den Jahrzehnten davor waren die 4,9 Prozent zwar erstaunlich niedrig.

Doch wer in die alten statischen Jahrbücher schaut, sieht schnell: Es gab eine Zeit, als man nicht nur die Zahl der Arbeitslosen messen konnte, sondern die Betreffenden auch problemlos in wenigen Sekunden aufzählen konnte.

Am 1. Oktober 1961 gab es in Schwerte ganze 12 Arbeitslose, ein Jahr später dann 13, in den folgenden Jahren um die 20. Erst 1967 traf die Kohle- und Stahlkrise auch die Stadt an der Ruhr, die zu diesem Zeitpunkt nur aus dem heutigen Stadtkern bestand. Ergste, Westhofen, Wandhofen, Geisecke, Lichtendorf und Holzen – sie alle waren noch eigenständig. Schwerte allein hatte knapp 25.000 Einwohner – 1966 waren 17 von ihnen beim Amt als arbeitslos gemeldet, 1967 dann aber 211.

„Das war ja eine ganz andere Zeit“, erzählt Uwe Fuhrmann, der Touristik-Beauftragte der Stadt, der diese Zahlen in den alten Büchern gefunden hat. „Damals hat man sich noch untereinander angesprochen: Mensch, die Firma Sowieso sucht noch jemanden. Frag doch mal nach.“

Jetzt lesen

400 Arbeiter gesucht

Und es wurde viel gesucht in den frühen 60er-Jahren. Den 12 Arbeitslosen standen 1961 jede Menge offene Stellen gegenüber: 32 für Angestellte und 408 für Arbeiter. Einige Jahre später stieg die Zahl sogar auf über 1000. Zum Vergleich: Im Oktober 2018 gab es 440 für das gesamte heutige Stadtgebiet, nicht nur für Schwertes Ortsmitte.

Lassen sich die Zahlen von damals und heute überhaupt vergleichen? Da ist sich auch Uwe Fuhrmann nicht so sicher: Welche Statistik mit welchen Werten und nach welchen Kriterien erstellt worden sei – das sei ja oft unklar. In einem aber legt er sich aber fest: Die Quote muss damals besser gewesen sein.

Diese Vermutung liegt nahe. Der tatsächliche Beweis ist allerdings schwierig. Denn die Arbeitslosenquote gibt Antwort auf die Frage: Wie viel Prozent der erwerbsfähigen Menschen haben sich beim Arbeitsamt gemeldet und dort gesagt, sie würden Arbeit suchen? Wer das herausfinden will, benötigt also die Zahl der Erwerbsfähigen. Und die fehlt in den Statistiken aus den 60ern.

Man kann natürlich ableiten und schätzen: Aktuell gelten etwa 24.000 von 48.000 Schwertern als erwerbsfähig. Im Jahr 1961 gab es 25.000 Einwohner. Selbst wenn man davon ausgeht, dass der Anteil von Kindern und von Hausfrauen, die nicht arbeiten wollten, deutlich höher war – selbst dann würde man bei rund 10.000 Erwerbsfähigen landen, also bei einer sagenhaften Quote von 0,12 Prozent. Selbst nach der ersten Minikrise von 1967 ging die Zahl demnach nur hinauf auf knapp 2 Prozent.

Jetzt lesen

Frauen blieben daheim

Was die Zahlen auch verraten: Frauen blieben in dieser Zeit daheim. Oder meldeten sich zumindest nicht beim Amt als arbeitssuchend. Im Minus-Jahr 1961 gab es gerade einmal zwei weibliche Arbeitslose.

Für die offenen Stellen wurden denn auch Männer gesucht – vor allem im Ausland. In den frühen 60er- Jahren kamen mehr als 300 Italiener, in den Jahren ab 1965 wurden etliche hundert Gastarbeiter aus der Türkei angeworben. Tendenz bis in die 70er hinein: steigend.

Es gab genug Arbeit in Schwerte, vor allem in der Industrie. So pendelten schon Mitte der 60er-Jahre Tausende aus den umliegenden Orten in die Stadt an der Ruhr: mehr als 500 aus Dortmund, mehr als 300 aus Unna, mehrere hundert aus Arnsberg und aus Iserlohn, beziehungsweise aus Iserlohn-Stadt und den Teilen, die einige Jahre später dann eingemeindet wurden.

Was aus den Zahlen so auch hervorgeht: Die meisten Einpendler würden heute nicht mehr als solche gelten: jeweils 100 bis 300 Menschen aus Ergste, Villigst, Westhofen, Wandhofen und Geisecke, dazu 600 Holzener und 180 Lichtendorfer.

Zum Vergleich: Heute gibt es mehr als 7000 Einpendler.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt