Das 331.000-Kilometer-Auto, das nur 3 Liter verbraucht – und ein beeindruckender Besitzer

dzMeine Lieblingsgeschichte

Jede Woche erleben die Redakteure neue Geschichten. In dieser kleinen Serie präsentieren sie ihre Lieblingsgeschichten. Heute von einem Auto, das erst ganz unspektakulär schien.

Hennen

, 29.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es begann mit einer Anfrage, die ich für ein bisschen krude hielt: Ihm gefielen meine Artikel so gut, deshalb wollte er sich mal melden. Ob er mir mal sein Auto zeigen dürfte? Mehr als 300.000 Kilometer habe das weg, es sei enorm sparsam und extrem zuverlässig...

Gut, dachte ich, schaust du dir mal an. Also traf ich Achim Wagner aus Iserlohn-Hennen auf dem Aldi-Parkplatz am Schwerter Bahnhof. Und vor allem: seinen Audi A2.

Ein Auto, über das ich nicht viel wusste. Doch das änderte sich in den nächsten 90 Minuten. Achim Wagner schwärmte von diesem Fahrzeug. Dabei war ihm schnell anzumerken: Er gehört nicht zu denen, die schnell ins Schwärmen geraten.

Ein sachlicher Realist, aber einer mit Weitblick schien er zu sein. Und einer, der nicht lockerließ. Auf einer Audi-Aktionärsversammlung war er schon aufgestanden und hatte sich beschwert, hatte nachgefragt, warum das Unternehmen den eingeschlagenen Weg mit dem Drei-Liter-Auto damals nicht weiterverfolgt habe. Warum es den A2 seit 2005 nicht mehr gebe. Warum Audi nicht stärker auf E-Autos setze. Warum stattdessen auf die SUVs und andere Spritfresser.

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Gekauft am 11. Juli 2005, 331.000 Kilometer weg

Viele reden im Jahr 2019 über das Klima und erneuerbare Energien. Die meisten tun das sorgenvoll, hektisch, laut und engagiert. Jetzt sofort müsse sich was ändern. Weg von der Kohle, zurück zur Natur, am liebsten auch kein Fleisch mehr und nur noch Bio, und dann diese gedankenlosen Flugreisenden erst...

Die anderen schimpfen direkt zurück: Greta, diese Göre, die soll doch zur Schule gehen. Und alle Fridays-for-Future-Demonstranten auch. Ich lass mir mein Fleisch nicht verbieten! Tempolimit? Bloß nicht, wir Autofahrer haben es schon schwer genug!

Inmitten dieser gesellschaftlichen Diskussion traf ich mich mit Achim Wagner. Mit diesem still lächelnden, besonnenen Zahlen-Menschen. Ein Diplom-Kaufmann, Controller bei einem Unternehmen in Lüdenscheid, deshalb auch täglicher A45-Pendler.

Gekauft habe er diesen A2 am 11. Juli 2005, sein zweiter A2 sei das, nach dem ersten, den er im Juli 2001 gekauft habe. A2 Nummer zwei habe jetzt 331.000 Kilometer weg, im Winter verbrauche er drei Liter Diesel, im Sommer oft sogar nur zweieinhalb.

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Audi A2 hat schon 331.000 Kilometer hinter sich

Seit 2005 fährt Achim Wagner aus Iserlohn-Hennen diesen Audi A2. 331.000 Kilometer hat er damit schon zurückgelegt.
28.03.2019
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Achim Wagner pendelt mit dem A2 von Iserlohn-Hennen zur Arbeit nach Lüdenscheid. Unter anderem dadurch kamen viele Kilometer zusammen.© Foto: Björn Althoff
Was auf dem Heck steht, stimmt: Mehr als drei Liter Diesel pro 100 Kilometer verbraucht das Auto nicht. Das zeigte sich auch bei unserer Testfahrt über Westhofen, Garenfeld, die A45 und die A1 zurück nach Schwerte.© Foto: Björn Althoff
Achim Wagner mit seinem Audi A2.© Foto: Björn Althoff
Ein Geheimnis des geringen Verbrauchs: die besonders dünnen und hohen Reifen.© Foto: Björn Althoff
Die Batterie befindet sich unter dem Kofferraum. So nimmt sie vorne keinen Platz weg, der Motorraum kann kleiner sein, sodass mehr Platz für den Innenraum bleibt - und unterm Strich eine größere Beinfreiheit.© Foto: Björn Althoff
Verhältnismäßig klein: Hier hat nur der 60-PS-Motor Platz, aber die Batterie ist an anderer Stelle im Auto eingebaut. Die Motorhaube lässt sich komplett abnehmen.© Foto: Björn Althoff
Muss man immer die Motorhaube komplett abnehmen, um Wischwasser nachzufüllen oder den Ölstand zu kontrollieren? Nein: Beides lässt sich über eine kleine Klappe erledigen.© Foto: Björn Althoff
Schalten? Kann man, muss man aber nicht. Der A2 hat ein Automatik-Getriebe.© Foto: Björn Althoff
Auch der kleine Heckspoiler trägt laut Achim Wagner einen Teil zum geringen Verbrauch bei.© Foto: Björn Althoff
Aus einem Guss: Die Karosserie des A2 besteht aus Aluminium. "Space Frame" nannte das der Hersteller selbst.© Foto: Björn Althoff
Prämiertes Design: Für den A2 erhielt Audi auch Auszeichnungen.© Foto: Björn Althoff

Dünne Reifen, geringes Gewicht, kein Rost

Entscheidend sei halt, dass er vorausschauend fahre, nicht zu doll aufs Gas, nicht zu stark bremsen, gleichmäßiger rollen. Wie damals nach Rügen: 1768 Kilometer, 120 km/h im Durchschnitt, getankt für 78 Euro, macht 3,2 Liter auf 100 Kilometern.

Vergleichen wir‘s doch mal mit dem E-Auto, sagt Wagner: 100 Kilometer, das seien 15 Kilowattstunden, beim aktuellen Preis also 4,50 Euro.

Und sein A2? Maximal 3,60 Euro, bei hohem Dieselpreis vielleicht etwas mehr.

Noch mehr Argumente für dieses Auto? Noch mehr Zahlen? Hier die Reifen: 145/80/R14. Bedeutet: dünne, aber hohe Reifen. Also geringer Abrieb, geringer Widerstand.

900 Kilogramm, mehr wiege sein A2 nicht. Der Grund ist der Space Frame: Fast die ganze Karosserie besteht aus einem einzigen Stück Aluminium. Das machte den Wagen unanfällig gegen Rost. Wer sage denn, dass man nicht 20 Jahre mit einem Auto fahren könne oder noch länger? Dass man vielleicht irgendwann den Motor tauschen müsse, aber das sei doch immer noch günstiger, als sich ein neues Auto zu kaufen.

Achim Wagner hatte Recht. In den Monaten nach dem Treffen fielen mir in Schwerte, in Dortmund, anderswo überall A2 auf. Alle mindestens 14 Jahre alt, alle rostfrei, alle offenbar bestens in Schuss. Und alle zwar auch ökologisch sinnvoll, aber eben auch ökonomisch.

Zwar nicht für die Autoindustrie, die in diesen Fällen keine intakten Autos verschrotten ließ, um neue verkaufen zu können. Aber wirtschaftlich sinnvoll für all diejenigen, die den A2 fahren.

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