Beschimpft mich doch: Aber ich fordere die Helmpflicht für Fahrradfahrer!

dzKommentar Klare Kante

Radikale Tierschützer sind mir bekannt. Vor Jahren habe ich mal unangenehmen Kontakt mit ihnen gehabt. Neu war mir: Es gibt auch radikale Fahrradfahrer.

Werne

, 03.09.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Erkenntnis erlangte ich durch eine ganz normale Polizeimeldung. Eine Fahrradfahrerin überquerte eine Fußgängerampel, ein Autofahrer fuhr bei Rot und fuhr in sie hinein. Sie stürzte und verletzte sich schwer. Hätte sie einen Helm getragen, wäre die Verletzung höchstwahrscheinlich deutlich milder verlaufen. Wie gesagt: Das schrieb die Polizei in einer ihrer üblichen Meldungen.

Doch für etliche Zeitgenossen war das offenbar nicht normal. Vor allem nicht die Überschrift, die wir über den Artikel gesetzt haben: „Fahrradfahrerin schwer verletzt - ein Helm hätte das verhindern können“. Im Artikel stand dann selbstverständlich der Hinweis, dass der Autofahrer, der das Rotlicht missachtet hatte, die Schuld an dem Zusammenstoß trägt.

Etliche empörte Reaktion gehen ein

Daraufhin gingen etliche empörte Reaktionen bei uns ein. Vier davon benutzten den Begriff des „Victim blaming“. Also Opfer-Beschuldigung. Sie meinten also, wir würden in unserem Bericht dem Opfer, in diesem Fall der Fahrradfahrerin, eine Mitschuld an dem Unfall geben. Diese Ansicht vertraten die Leser mit starken, teils unflätigen Worten.

Ich meine, es gibt einen großen Unterschied zwischen der Schuldzuweisung am Verlauf des Unfalles und den Folgen. Der Verlauf ist klar: Die Fahrradfahrerin hat alles richtig gemacht, der Fehler liegt beim Autofahrer, der bei Rot gefahren ist.

Polizei sagt: Helmpflicht hätte die Verletzungen mildern können

Die Schwere der Verletzung allerdings hat laut Polizeiprotokoll mit dem fehlenden Schutz-Helm zu tun. Und ich finde, dass man dies durchaus benennen darf. Auch wenn es keine gesetzliche Helmpflicht gibt: Es ist unstrittig, dass ein Fahrradhelm schützt.

Obwohl - so ganz unstrittig scheint es nicht zu sein. Eine Zuschrift befasst sich genau mit dem Aspekt. Nämlich der angeblich nicht erwiesenen Schutzfunktion von Helmen. Auch zieht der Leser die Kompetenz von Polizei oder Rettungssanitäter bezüglich solcher Aussagen über die Helm-Wirkung infrage.

Abstruse Argumente militanter Helmgegner?

Für mich klingt das so, als wenn militante Helmgegner jegliche, auch noch so abstruse, Argumente anführen, die ihre Ablehnung der Helmtrage-Pflicht stützen. Und es erinnert an die Debatte vor der Einführung der Gurtpflicht im Auto 1976. Argumente waren unter anderem, dass man bei Entzündungen des Autos gegrillt und das Frauen der Busen zerstört würde.

Heute? Ist der Griff zum Gurt fast schon in der DNA verankert. Lasst uns das als gutes Beispiel nehmen: Ich fordere hiermit die Helmpflicht für Fahrradfahrer! Jetzt dürfen Sie mich gerne noch mehr beschimpfen.

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