Darum dürfen Essensreste und Medikamente nicht durch die Toilette entsorgt werden

dzWelt-Toiletten-Tag

Am Montag, 19. November, ist Welt-Toiletten-Tag. SAL und Lippeverband kümmern sich in Lünen um das, was durch die Toilette entsorgt wird. Sie haben für diesen Tag ganz konkrete Wünsche.

Lünen

, 18.11.2018, 11:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

An diesem Welt-Toiletten-Tag geht es nicht nur um die große Politik, die dafür sorgen soll, dass alle Menschen die Möglichkeit bekommen, hygienische Sanitäranlagen zu benutzen. Vor Ort lenken der Lippeverband und der Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen (SAL) die Aufmerksamkeit auf einen Luxus, der längst selbstverständlich geworden ist.

? Was passiert eigentlich mit dem Abwasser, wenn es die Toilette verlässt und über die private Abwasserleitung in die Kanalisation von SAL gelangt?

Das Abwasser fließt durch die öffentliche Kanalisation der Kläranlage des Lippeverbandes zu. Hier wird das Abwasser gereinigt und anschließend in ein Gewässer eingeleitet.

? Aber im Kanal finden sich nicht nur Fäkalien, oder?

SAL beobachtet, dass auch Abfall über die Toilette entsorgt wird. Essensreste, Zigarettenkippen, Katzenstreu, Textilien, Hygieneartikel wie Feuchttücher, Binden, Wattestäbchen oder sogar Arzneimittel und Chemikalien werden einfach weggespült.

? Was bedeutet das für das Kanalsystem?

Dieses Handeln hat weitreichende Konsequenzen für alle Beteiligten: Die Abwasserrohre verschmutzen schneller oder es entsteht eine Verstopfung. Grobstoffe wie zum Beispiel Textilien aber auch Feuchttücher gelangen durch die Abwasserrohre in Abwasserpumpwerke und legen dort nicht selten den Betrieb von Abwasseranlagen lahm. Hieraus resultieren aufwendige und kostspielige Reinigungsmaßnahmen durch SAL oder im Bereich der privaten Leitungen auch für den Eigentümer. ? Gibt es außer dem finanziellen Schaden noch weitere Probleme?? Die entsorgten Essenreste sind ein gefundenes Fressen für Ratten, welche sich munter vermehren und großen Schaden rund um die Abwasserleitungen anrichten können, aber auch immer häufiger an der Oberfläche zu sehen sind – Ratten übertragen viele Krankheiten. Inhaltsstoffe aus Medikamenten oder Chemikalien gelangen in Abwasser und können durch die Kläranlage nur schwer oder gar nicht abgebaut werden. Die Folge ist, dass Rückstände dieser Stoffe ins Gewässer gelangen und das Grundwasser negativ beeinflussen können.
All diese Folgen verursachen Schäden in der Umwelt und im Betriebsaufwand.

? Welche Abwassermengen fallen in Lünen im Jahr an?

Das weiß der Lippeverband. In der Kläranlage Lünen des Lippeverbandes wurde 2017 eine Menge von 23.339.335 Kubikmeter Abwasser gereinigt. 2016 waren es „nur“ 21.297.506 Kubikmeter. Das Klärwerk Lünen-Sesekemündung, das der Lippeverband im Rahmen des Seseke-Programms umfassend modernisiert hat, ist nach Hamm-West die zweitgrößte Kläranlage im gesamten Lippeverbandsgebiet.

? In diesem Klärwerk wird alles aus dem Wasser gefiltert, was nicht hineingehört, oder?

Für die Kläranlagen-Betreiber sind Altmedikamente, neben Hygieneartikeln, ein großes Problem: Die sogenannten Spurenstoffe können auch in modernen Kläranlagen nicht restlos herausgefiltert werden, sie belasten daher die Gewässer und schädigen die Fauna in den Bächen und Flüssen. Nicht verbrauchte Medikamente gehören in den regulären Hausmüll. Denn dieser wird verbrannt, die Kläranlagen bleiben verschont.

  • Als Welttoilettentag wurde der 19. November erstmals 2001 von der Welttoilettenorganisation ausgerufen.
  • Am 24. Juli 2013 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 19. November zum Welt-Toiletten-Tag erklärt, im Kampf für Sanitäranlagen.
  • Hintergrund ist das Fehlen ausreichend hygienischer Sanitäreinrichtungen für mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung.
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