„Da führt die Flocke zum Fiasko“: Schneesturm schränkte vor 40 Jahren das Leben in Werne ein

dzSchneekatastrophe

Vor genau 40 Jahren versinkt das Land im Chaos. Auch das Münsterland ist betroffen. Auch Werne ist betroffen. Ein Blick ins Archiv: So haben wir damals berichtet.

Werne

, 30.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wer gestern geglaubt hatte, daß bei mehr als 10 Minusgraden kein Mensch zum Neujahrsschwimmen im Freibad ins Wasser springen würde, wurde bald eines Besseren belehrt.“ So berichteten die Ruhr Nachrichten in Werne am 2. Januar 1979.

Neujahrsschwimmen bei Minusgraden? Ganz so war es nicht – schließlich sorgte die sprudelnde Sole für ein wohlig warmes Gefühl. Ganz anders außerhalb des Wassers: Hier sollen die vielen Zuschauer „fröstelnd“ am Beckenrand verweilt haben. Außerdem fiel der „Sprung in das Kaltwasserbecken“ Ende der 70er-Jahre aus – es war mit einer Eisdecke überzogen.

„Da führt die Flocke zum Fiasko“: Schneesturm schränkte vor 40 Jahren das Leben in Werne ein

Minusgrade hielten damals nicht vom Sprung ins Freibadbecken ab. Das Foto vom 1. Januar 1979 zeigt zwei Schwimmerinnen am schneebedeckten Beckenrand. © Vanessa Trinkwald (Repro)

Doch abseits des Freibades und spätestens unter den Reifen der Autos hatte „der weiße Wolkengruß nichts Romantisches mehr“, berichteten die Ruhr Nachrichten damals von 25 Tonnen Salz, die der Bauhof „seit Einbruch der eisigen Tage“ auf die Straße gekippt hatte. „Räumdienste und Streueinsätze versuchen, das scheinbar Unmögliche möglich und die verwehten Asphaltpisten verkehrstauglich zu machen“, hieß es in der Werner Lokalausgabe vom 3. Januar 1979.

Doch Pkw und Busse „schliddern stockend ihren Zielen zu“. Am Neujahrstag sei die Mannschaft des Bauhofes fast pausenlos im Einsatz gewesen – „von frühmorgens bis abends um 23 Uhr“, berichtete der damalige Bauhof-Leiter Walter Göhler Anfang 1979.

„Auf RN-Boten wartet morgens das Abenteuer“

Nichts zu lachen hatten auch diejenigen, die unter extremsten Bedingungen die Zeitungen ausliefern mussten. „Auf RN-Boten wartet morgens das Abenteuer“, hieß es da. Die Redaktion sprach damals mit drei Zeitungsboten, „die trotz sturzbedingter Flecken an Knie und Ellbogen die Freude am Austragen nicht verlieren“.

Zu schaffen machten ihnen zum Jahreswechsel vor 40 Jahren die Schneewälle an den Bürgersteigen. „Da ist oft kaum ein Durchkommen“, erzählte eine damals 53-jährige RN-Botin, die sich mit Ehemann und Tochter auf den Weg gemacht hatte. Die Abonnenten soll sie gebeten haben, die Einfahrt und die Treppenstufen abends mit Salz zu streuen: „Stürze sind keine Seltenheit.“

Im Einsatz waren damals auch Installateure, etwa in der städtischen Realschule. Sie sollten für einen pünktlichen und vor allem warmen Schulbeginn nach den Weihnachtsferien sorgen und die geplatzten Rohre reparieren. „Aktiv werden in Sachen Frostschäden mußte das Bauamt der Stadt unter anderem auch noch am Mädchengymnasium und am Gebäude der Polizei“, schrieben die Ruhr Nachrichten.

„Da führt die Flocke zum Fiasko“: Schneesturm schränkte vor 40 Jahren das Leben in Werne ein

Von einem „kümmerlichen Markt-Geschehen“ war Anfang 1979 die Rede in der Lokalausgabe der Ruhr Nachrichten in Werne. Nur gering war bei den Minustemperaturen die Anzahl von Markthändlern und Marktkunden. Und die, die kamen, hatten schnell kalte Füße. © Vanessa Trinkwald (Repro)

„Da führt die Flocke zum Fiasko“: Schneesturm schränkte vor 40 Jahren das Leben in Werne ein

Schneeschippen am Neujahrstag: Die Schneewälle an den Bürgersteigen sollen damals vor allem den Zeitungsboten zu schaffen gemacht haben. © Vanessa Trinkwald (Repro)

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