Rocco und Gumbrid Tedesco führen seit 33 Jahren das italienische Restaurant „Da Rocco“ im Quartier. Viele Gäste kommen seit Generationen, manchmal setzt sich auch jemand ans Klavier.

Lünen

, 17.11.2018, 05:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es regnet leicht am Sonntagabend, als wir uns auf den Weg ins „Da Rocco“ machen. Vom Parkplatz aus ist es nicht weit in Lünens kleine Fachwerkwelt. Hier ist am Roggenmarkt 9 die Adresse des Restaurants, das sich charmant in das Quartier südliche Innenstadt einfügt. Dass Rocco Tedesco das Haus 1985 neu gebaut hat, hätten wir nicht gedacht. Mit Sprossenfenstern und dem Giebel passt es perfekt ins nostalgische Viertel.

Die Atmosphäre

Drinnen erstreckt sich das „Da Rocco“ über zwei Bereiche: Vorne ein Bistro mit Holzstühlen und -Tischen sowie Loungebänken mit Blick auf den Küchen- und Thekenbereich, um die Ecke und eine Stufe hoch geht es in das gemütlich mit Tischdecken und gepolsterten Stühlen violettfarben eingerichtete Restaurant. Wir hatten zwar reserviert, aber es war so voll, dass wir mit dem rustikaleren Bistro Vorlieb nehmen mussten. Dafür haben wir ein eigenes Eckchen am Fenster mit Blick ins Quartier.

70 Plätze hat das „Da Rocco“, im Sommer können 40 Gäste im Garten Platz nehmen. Auffällig im Restaurant ist das weiße Klavier. Früher, erzählt Rocco Tedesco (62), wären auch mal Musiker da gewesen. Heute setzen sich manchmal Gäste an das Instrument und spielen.

Im nächsten Jahr kann Rocco Tedesco auf 40 Jahre Selbständigkeit zurückblicken. 1982 kam er nach Lünen und eröffnete an der Lange Straße einen Steh-Imbiss. Drei Jahre später wechselte er zum Roggenmarkt und verwöhnt seitdem mit seiner Frau Gumbrid (57) im „Da Rocco“ seine Gäste. Viele sind treue Kunden. Die Begrüßung ist herzlich, oft mit Umarmung. Man kennt sich. Alles wirkt familiär.

Da Küchenchef Rocco Tedesco aus dem italienischen Kalabrien stammt, fließen Einflüsse seiner Heimat in die Gerichte mit ein, beispielsweise bei speziellen Saucen mit Tomaten, Oliven, Kapern und Knoblauch.

Die Speisekarte

Antipasti, Salat, Pizza. Nudelgerichte, aber auch Fleisch und Fisch, die Karte ist umfangreich. Dazu gibt es eine Seite mit Spezialitäten: Tortelloni mit Steinpilzfüllung, Ravioli mit Trüffelcreme oder Schmetterlingsnudeln mit Lachs. Der Kellner weist uns auf Gerichte außerhalb der Karte hin: Beim Stichwort Dorade ist meine Entscheidung schon gefallen. Die Sauce darf ich wählen. Ich nehme die mit Weißwein, hätte mich aber auch für die kalabrische Variante entscheiden können.

Die Vorspeisen

Was mich wundert: Ich finde keine Bruschetta. Die gibt es nur auf Vorbestellung, sagt Rocco Tedesco später. Hätte ich das mal gewusst. Egal. Zunächst bekommen wir die beim Italiener üblichen Pizzabrötchen mit Kräuterbutter. Der Geschmack ist etwas laff.

Da Rocco: Italiener mit familiärer Atmosphäre im Quartier

Die Tomatensuppe kam sehr gut an. © Magdalene Quiring-Lategahn

Doch dann kommt Italien auch optisch auf unseren Tisch: Mein Mann bestellt eine Tomatensuppe (4,50 Euro), die mit Sahnehäubchen und Basilikum die Nationalfarben leuchten lässt. Der intensive Geschmack nach Tomaten überzeugt. Ich verzichte auf die Vorspeise und komme gleich zum Hauptgang.

Der Hauptgang

Die Dorade wird mit gebackenen Kartoffeln und Bohnengemüse (21,50 Euro) serviert. Die Weißweinsauce setzt einen interessanten Akzent.

Da Rocco: Italiener mit familiärer Atmosphäre im Quartier

Dorade an Kartoffeln mit Bohnen: Es war die richtige Wahl. © Magdalene Quiring-Lategahn

Es schmeckt vorzüglich, auch wenn die Bohnen etwas heißer hätten sein können. Mein Mann wählt klassisch eine Pizza Capricciosa (9,50 Euro). Sie ist gut belegt, die Champions sind frisch.

Da Rocco: Italiener mit familiärer Atmosphäre im Quartier

Eine Pizza, wie sie sein sollte: Der Teig war nicht zu dick und nicht zu dünn. © Magdalene Quiring-Lategahn

Der Teig ist genau richtig, nicht zu dick und nicht zu dünn. Ähnlich wie bei den Pizzabrötchen, hätte er gewürzter sein können. Dennoch ist mein Mann zufrieden. Gerichte für Vegetarier oder Veganer sind auf der Karte nicht speziell ausgewiesen, werden aber auf Wunsch serviert, sagt Gumbrid Tedesco. Es gebe sogar Kunden, die aufgrund von Allergien ihren eigenen Pizzateig oder ihre eigenen Nudeln mitbringen, die im Da Rocco belegt und gekocht würden.

Der Nachtisch

Auf der Karte stehen mehrere Desserts. Der Kellner macht uns darauf aufmerksam, dass Tiramisu und Haselnuss-Mousse nicht mehr zu haben sind. Schade. Tiramisu ist für mich ein Klassiker beim Italiener. Aber ich habe gut gegessen und belasse es dabei. Mein Mann wählt Semifreddo di Caffe (5,50 Euro).

Da Rocco: Italiener mit familiärer Atmosphäre im Quartier

Der Nachtisch war nicht nur optisch gut. © Magdalene Quiring-Lategahn

Das macht allein optisch einiges her: Serviert wird ein kleiner Eiskuchen mit Sahne, Granatapfelkernen und Schoko-Sauße. Die süße Sünde zum Abschluss lässt meinen Mann schwärmen. Ich beschließe das Essen mit einem Espresso (2,20 Euro).

Die Getränke

Auf der Karte finden sich Weiß- und Rotweine, aber auch Bier und alkoholfreie Getränke. Mein Mann bestellt ein Alster (2,60 Euro), gemeinsam ordern wir eine Flasche Mineralwasser (5,50 Euro). Als Geschenk des Hauses wird ein Ramazotti angeboten.

Der Service

Obwohl es an dem Abend voll ist, hat uns der Kellner im Blick. Getränke und Speisen werden zügig serviert. Chefin Gumbrid Tedesco erkundigt sich zwischendurch freundlich, ob alles in Ordnung ist.

Die Preise

Wir kommen am Ende auf 51,30 Uhr. Das finden wir für zwei Personen in Ordnung. Pizza kostet zwischen 7,50 und 12,50 Euro, Pasta zwischen 8 und 10,50 Uhr. Kleinere Gerichte kosten 1,30 Euro weniger. Spezialitäten liegen zwischen 12,50 und 21,50 Euro.

Kinderfreundlichkeit

Eine eigene Kinderkarte gibt es nicht. Ob Pizza oder Spaghetti: Alle Gerichte für die kleinen Gäste kosten 4 Euro. Ein Hochstuhl ist vorhanden.

Barrierefreiheit

Das ist ein großes Problem im Da Rocco, denn die Toilette ist im Untergeschoss nur über eine Treppe zu erreichen. Auch ins Restaurant muss man über eine Stufe. Allerdings haben die Tedescos durchaus Gäste im Rollstuhl. Für sie öffnen sie den Seiteneingang.

Erreichbarkeit

Es gibt nur wenige Parkplätze unmittelbar am Da Rocco. Aber der Pfarrer-Bremer-Parkplatz oder der hinter dem Rathaus sind nicht weit entfernt. Busse halten in der Bäckerstraße, quasi vor der Tür.

Fazit

Im Restaurant Da Rocco kann man einen netten Abend verbringen und gute italienische Küche genießen. Wenn man gerne im gemütlicheren Teil sitzen möchte, sollte man bei der Tischreservierung nachfragen. Die ist nur telefonisch möglich. Das ist im Zeitalter von Mails etwas antiquiert. Wenn man ohnehin telefoniert, kann man auch gleich nach Bruschetta fragen.

Was das Netz sagt

Bei 110 Rezensionen bei Google erhält das Ristorante Da Rocco 4,4 von fünf Sternen.

Alle Infos

Restaurant Da Rocco, Roggenmartk 9, Inhaber Rocco Tedesco. Öffnungszeiten: Montag 11.30-14.30 Uhr und 17.30-23 Uhr. Dienstag und Mittwoch geschlossen. Do, Fr, Sa, So 11.30-14-30 Uhr und 17.30-23 Uhr., Tel. 02306/182 42. E-Mail: Gumbrid.Muehlmann.Tedesco@t-online.de

So funktioniert der Restaurant-Check:
  • Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants, als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfache Menschen, die gerne an schönen Orten essen.
  • Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
  • Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Frühstücks-Check

Frühstück im Heimatgeschmack: Fisch aus Schweden, Wurst aus Tirol oder nur ein Croissant?

Meistgelesen