Coronavirus jetzt in NRW - Land will Ausbreitung stoppen

Lungenkrankheit in NRW

Das Coronavirus ist jetzt auch in NRW nachgewiesen. Ein Paar aus dem Kreis Heinsberg wird in der Düsseldorfer Uniklinik behandelt. Haben sie schon viele Menschen angesteckt?

NRW

26.02.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 4 min
Die beiden ersten bestätigten Coronavirus-Patienten in NRW werden isoliert in der Uniklinik Düsseldorf behandelt.

Die beiden ersten bestätigten Coronavirus-Patienten in NRW werden isoliert in der Uniklinik Düsseldorf behandelt. © dpa

Nach den ersten beiden Fällen des Coronavirus in Nordrhein-Westfalen versuchen die Behörden mit Quarantäne, Kindergarten- und Schulschließungen, eine weitere Verbreitung der neuartigen Krankheit stoppen. Doch gerade die vielen Kontakte des infizierten Ehepaares zu anderen Menschen machen das zu einer schwierigen Aufgabe. Zudem blieb zunächst unklar, wo sich das Paar ansteckte.

„Wir können nicht garantieren, dass wir die Infektionsketten gestoppt kriegen“, gab NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zu.

Die 46 Jahre alte Frau und ihr ein Jahr älterer Mann aus Gangelt im Kreis Heinsberg nahe der niederländischen Grenze hätten nach der eigenen Infektion bis zu 14 Tage am gesellschaftlichen Leben teilgenommen, in denen sie weitere Menschen anstecken konnten, so der Minister.

47-Jähriger hatte „unendliche Vielzahl von Kontakten“ zu anderen Menschen

Die Frau ist Kindergärtnerin und hat nach dpa-Informationen noch bis vergangenen Freitag in der Einrichtung gearbeitet. Ihr Mann hat in den vergangenen Tagen an einer Karnevalssitzung in seinem Heimatort teilgenommen.

„Viele sind mit dieser Familie in Kontakt gewesen, und wir hatten gerade fünf Tage Karneval“, sagte Bürgermeister von Gangelt, Bernhard Tholen (CDU), der „Welt“. Der 47-Jährige habe eine „unendliche Vielzahl von Kontakten“ zu anderen Menschen gehabt, sagte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU).

Am Rosenmontag suchte das Paar dann ein Krankenhaus in Erkelenz auf, in der Nacht zu Mittwoch wurden sie von dort in die Düsseldorfer Uniklinik gebracht. Der Zustand des Mannes galt als kritisch.

In ihrem Heimatkreis fällt nun als Reaktion auf die Infektionen erstmal der Schulunterricht aus. Auch Kindergärten öffnen vorerst nicht mehr. Jeweils greift die Maßnahme bis zunächst einschließlich Montag, wie Landrat Stephan Pusch (CDU) ankündigte. Die Stadt Geilenkirchen schloss auch ihr Schwimmbad und die Stadtbücherei, wie eine Sprecherin mitteilte. Bei den Amateurfußballern des FC Wegberg-Beeck wurde der Trainings- und Spielbetrieb untersagt.

Alle Kinder der betroffenen Einrichtung sollten untersucht werden

„Ich denke, diese Situation erfordert von uns allen etwas Disziplin. Aber wir sollten auch nicht in Panik verfallen“, sagte der CDU-Politiker Pusch, der mit einem runden 100-köpfigen Krisenstab arbeitet. Er riet dazu, dass die Menschen „Massenansammlungen oder Besuche in Gemeinschafteinrichtungen“ vermeiden sollten. Sie sollten am besten zuhause bleiben. Wer Krankheitssymptome bei sich oder Bekannten feststelle, solle seinen Hausarzt anrufen. „Dieser weiß, wie in einer solchen Situation zu verfahren ist.“

Besonders in den Fokus rückte der Kindergarten, in dem die infizierte 46 Jahre alte Frau arbeitet. Alle Kinder der betroffenen Einrichtung sollten untersucht werden. „Da werden jetzt die sogenannten Abstriche gemacht und wir werden irgendwann morgen wissen, ob Kinder infiziert sind oder nicht“, versicherte Laumann. Die Kinder aus der Einrichtung und deren Eltern seien gebeten worden, zu Hause zu bleiben. Der Kindergarten mit 65 Plätzen teilte mit, dass er bis zum 6. März geschlossen bleibe.

Land NRW erhält Unterstützung vom Robert-Koch-Institut

Auch anderswo in NRW gab es Reaktionen: Das in der kommenden Woche geplante internationale Badminton-Turnier German Open in Mülheim an der Ruhr wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Die Ausbreitung des Virus stelle für die Stadt Mülheim, die das Turnier untersagte, ein unkalkulierbares Risiko für Besucher und Sportler dar, hieß es.

Ob es im bevölkerungsreichsten Bundesland schon weitere Infizierte gab, blieb zunächst unklar. Etwa in Leverkusen gab es einen Verdachtsfall. Das Land erhielt beim Kampf gegen die Krankheit Unterstützung vom Robert Koch-Institut (RKI), wie Minister Laumann sagte. Zwei Experten sollen das Ministerium und den Kreis Heinsberg beraten.

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Erschwert wurde die Mission der Behörden, weil sie zunächst nicht wussten, wo sich das Ehepaar aus dem Kreis Heinsberg ursprünglich mit dem neuen Coronavirus infiziert hatte. Ein Geschäftspartner des Mannes, der nach einer angeblichen China-Reise zunächst als mutmaßliche Quelle galt, war es nicht, wie Landrat Pusch sagte.

Kinder des erkrankten Ehepaares zeigen keine Symptome

Unklar blieb auch, ob die zwei Kinder des Paares erkrankt sind. Zunächst zeigten sie keine Symptome, wurden in häuslicher Isolation von der Großmutter betreut und seien „putzfidel“, so Gesundheitsminister Laumann am Mittwoch. Tests auf das Virus sollten bei ihnen Klarheit bringen.

Vor allem der Zustand des Mannes, der an einer Vorerkrankung leidet, galt als kritisch. Schon im Krankenhaus in Erkelenz kam er auf eine Intensivstation: „Dort kam es zu einer raschen und rapiden Verschlechterung des allgemeinen Zustandes. Es kam zu einem Lungenversagen“, berichtete der Ärztliche Direktor der Klinik, Harry Elsbernd. Man habe ihn aber stabil halten können.

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Das Paar habe laut eigenen Angaben bereits seit dem 16. Februar über Symptome wie Fieber und Husten geklagt, wobei sie bei der Frau nicht so stark gewesen seien. Beide haben Lungenentzündungen.

Die Erkrankung des Mannes hatte auch Auswirkungen auf Köln: Wie sich herausstellte, hatte sich der Coronavirus-Patient noch vor kurzem zu regulären Nachsorgeuntersuchungen in einer anderen Sache in der Uniklinik Köln aufgehalten - am 13. und 19. Februar.

41 Kontaktpersonen werden auf das Virus getestet

In dieser Zeit soll er Kontakt zu zehn Mitarbeitern und 31 anderen Patienten gehabt haben, die mit ihm in den Wartebereichen saßen. Alle 41 Kontaktpersonen seien ausfindig gemacht worden und würden von medizinischen Teams auf das Virus getestet, teilte das Gesundheitsamt der Stadt mit. Zum Teil hätten sie sich noch im Krankenhaus befunden, zum Teil seien sie zu Hause aufgesucht wurden.

Bislang hat nach Angaben der Stadt nur eine einzige Person, eine Klinik-Mitarbeiterin, Krankheitssymptome wie Fieber gezeigt. „Deswegen haben wir sie direkt isoliert und bei uns aufgenommen“, sagte der Direktor der Virologie der Uniklinik Köln, Florian Klein. Insgesamt wurden nach Angaben der Stadt Köln sieben Personen im Krankenhaus isoliert, die anderen bei sich zu Hause. Erste Testergebnisse wurden im Laufe des Mittwochabends erwartet.

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In Deutschland waren schon vor einiger Zeit erste Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, nachgewiesen worden: vor allem bei einer Firma in Bayern, aber auch bei Rückkehrern aus dem chinesischen Wuhan, wo das Virus grassiert. Diese Fälle führten aber nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen.

Coronavirus in mehreren europäischen Staaten nachgewiesen

Nach dem Ausbruch einer Coronavirus-Epidemie in Italien gibt es nun in immer mehr europäischen Staaten Nachweise des Erregers: Österreich, Kroatien, das spanische Festland und die Schweiz hatten am Dienstag von Sars-CoV-2-Fällen berichtet. Auch in Baden-Württemberg wurden nun mehrere Fälle bekannt.

Viele Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, haben nur leichte Erkältungssymptome wie Frösteln und Halsschmerzen - oder gar keine.

Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt nach derzeitigem Stand meist 2 bis 14 Tage.

Vom Robert Koch-Institut hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen. Behörden versuchen, den Fällen mit Hochdruck nachzugehen, um eine weitere Verbreitung des Virus möglichst zu verhindern. Dadurch soll die Belastung auf das Gesundheitssystem abgemildert werden.

dpa

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