Coronavirus: Lüner St.-Marien-Hospital mit Infektionsstation und kiloweise Schutzkitteln vorbereitet

dzBisher keine Gefahr

Das Coronavirus rückt näher. Das St.-Marien-Hospital hält die einzige Infektionsstation im Kreis Unna vor. „Keine Panik“, heißt es von dort. Zur Not sei kiloweise Schutzausrüstung vorrätig.

Lünen

, 29.01.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem der erste Corona-Patient in Süddeutschland behandelt wird, wächst die Sorge vor weiterer Ansteckung. Dass das auch für Lünen ein Thema werden könnte, damit rechnet Dr. Michael Funke, Vorsitzender des Ärztevereins, eher nicht. „Wenn sich das Virus aggressiv ausbreiten würde, wären schon mehr Fälle da“, erklärt er.

Sollte allerdings ein Patient in der Praxis mit deutlichen Krankheitsanzeichen wie Fieber auftauchen, der in der chinesischen Region Wuhan war und sich dort angesteckt haben könnte, „wäre er ein Risikopatient und ich würde ihn stationär einweisen“, so Funke.

Übertragung durch Tröfpcheninfektion

Im St.-Marien-Hospital ist man grundsätzlich vorbereitet. „Wir haben kiloweise Mundschutz vorrätig, der dem Virus eine Barriere bietet“, erklärt Dr. Berthold Lenfers, Chefarzt der Inneren Medizin. Den müssten zur Sicherheit dann alle im Krankenhaus tragen, „im Moment sehen wir aber keine Notwendigkeit dazu.“ Nach bisherigem Wissen sei das Coronavirus dem Influenza-Virus ähnlich und übertrage sich durch Tröpfcheninfektion auch von Mensch zu Mensch.

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Sollte eine Infektion nachgewiesen sein, halte das Klinikum noch deutlich dichtere Masken und Ganzkörperanzüge „kistenweise vorrätig“. Sie kämen beispielsweise auch bei Tuberkulose und SARS zum Einsatz. „Weil wir nicht wissen, ob sich das Virus auch über Schleimhäute überträgt, gibt es für die Augen spezielle Brillen und für Brillenträger ein Visier“, so Lenfers. Diese Brillen seien nachgeordert worden.

Infektionsstation mit Schleusen

Wenn ein Patient mit Verdacht auf Coranavirus in die Klinik kommt, legen die Mitarbeiter Schutzkittel an: Es wird Blut abgenommen, die Lunge abgehört und der Patient zum Röntgen gebracht. Die Station C1 ist eine spezielle Infektionstation. Dort gibt es zu jedem Zimmer eine Schleuse, in der das Pflegepersonal die Schutzkleidung anlegen kann. „Die Station ist außerdem in drei Abschnitte unterteilt, die man durch Sicherheitstüren von außen separat begehen kann“, erklärt Lenfers.

Um das Virus nachzuweisen, werde ein Abstrich gemacht, der über ein Labor in Dortmund nach Berlin zur Auswertung geschickt wird. Wie Michael Funke, rechnet auch Chefarzt Berthold Lenfers nicht mit einer großen Anzahl von Erkrankten. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt das Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland zurzeit ebefalls als „sehr gering“ ein. Diese Einschätzung könne sich aufgrund neuer Erkenntnisse allerdings kurzfristig ändern.

Auch beim Kreis Unna gibt man sich gelassen. „Wir müssen uns nicht besonders wappnen, denn es gibt eingespielte Strukturen“, erklärt Pressesprecherin Constanze Rauert. An der Spitze stehe das Robert-Koch-Institut, das auf seiner Internetseite zeitnah informiert. Auch der Kreis Unna veröffentlicht auf seiner Internetseite, was zu tun ist. Rauert verweist auf die jährlichen Fälle von Grippeerkrankungen oder Noroviren, wo genau diese Strukturen greifen.

Reiseveranstalter sagt Chinareisen ab

Der Reiseveranstalter Studiosus habe alle Chinareisen bis zum 15. April abgesagt. In Lüner Reisebüros wurde bisher noch nicht storniert. Was aber auch daran liegt, dass zurzeit keine Reisesaison nach China und die Stadt Wuhan mit acht Millionen Einwohnern eher ein Handeslzentrum sei, wie Joachim Horn vom gleichnamigen Reisebüro erläutert.

Absagen musste auch Dorothee Mohr vom Reisebüro Mohr bisher nicht verbuchen. Emre Taskim von DT-Reisen hatte allerdings eine Stornierung für eine Reise Richtung Thailand. Die meisten Urlauber dorthin hätten allerdings keine Angst, weil sie ja in Hotelanlagen seien. China sei momentan ohnehin nicht so gefragt.

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