Christoph Tiemann begeistert bei seinem Auftritt im Selmer Bürgerhaus mit klugem Kabarett

Christoph Tiemann

Mit seinem aktuellen Programm „Angriffslustig“ ist Kabarettist Christoph Tiemann Samstag im Bürgerhaus aufgetreten. Dabei traute sich der gebürtige Selmer gar nicht so recht auf die Bühne.

Selm

, 24.09.2018, 09:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Christoph Tiemann begeistert bei seinem Auftritt im Selmer Bürgerhaus mit klugem Kabarett

Christoph Tiemann begeisterte mit Sprache, Mimik und Gestik. © Beate Dorn

Es war der zweite Auftritt von Christoph Tiemann im Bürgerhaus mit seinem Programm „Angriffslustig“. Die rund 140 Besucher sahen aber keine Wiederholung, sondern tagesaktuelles, politisches Kabarett vom Feinsten.

„Hallo Selm“, begrüßte er die Besucher, aber nicht auf, sondern hinter der Bühne. Erst als die ihm versicherten, dass er willkommen sei, betrat er die Bühne. Angeblich habe er ein Auftrittsverbot von Bürgermeister Mario Löhr, weil er einmal etwas Gemeines über Selm gesagt habe. Mario Löhr war nicht im Saal. Tiemann wusste auch warum „Mario kommt zu solchen Veranstaltungen nicht, dafür hat er ein Attest.“

Schwierig an Selm ist die Lage

Selm sei die schönste Stadt in der Umgebung stellte er klar. Schwierig sei aber die Lage. Selm liegt so blöd dazwischen. Das Tor zum Münsterland, da träfen grundverschiedene Charaktere aufeinander. Schnell erweiterte er den er Radius. Westfalen, Sachsen, Rheinländer oder Bayern, Tiemann stellte viele Unterschiede fest, insbesondere in der Sprache, die er gekonnt nachahmte. Danach setzte es sich mit scharfen Auge und wachem Verstand mit dem Geschehen in Bayern, Chemnitz und Dresden und der Welt auseinander.

Christoph Tiemann begeistert bei seinem Auftritt im Selmer Bürgerhaus mit klugem Kabarett

Christoph Tiemann begeisterte mit Sprache, Mimik und Gestik. © Beate Dorn

Tiemann sprach schnell, was er zu sagen hatte, machte betroffen und regte zum Nachdenken an. Er verstand es, irrwitzige Situationen, die ein multikulturelles Zusammenleben mit sich bringen, offenzulegen und pointiert zu präsentieren.

Direkt, klug und auf den Punkt ging Tiemann aktuellen Themen auf den Grund. Dabei ging es immer wieder um Parallelgesellschaften. Ein friedliches Nebeneinander sei durchaus möglich. Als Beispiel nannte die Ehe seiner Eltern.

Dafür steht „IS“ wirklich

Die AfD, Muslime, Flüchtlinge oder Hipster. Tiemann hatte gut recherchiert, Zusammenhänge erkannt und relativiert. „Es gibt mehr Linkshänder als Muslime“, stellte er fest. Ferner erfuhren die Zuhörer, dass IS als Abkürzung für intolerantes Sachsen steht. Mehr als einmal zitierte er die Ansichten von Onkel Willi, wie zum Beispiel „Euch geht es doch zu gut“.

Auch im zweiten Teil ging es im rasanten Tempo, mit brillanter Sprachakrobatik und packender Gestik um die Lage der Nation. Dabei machte er weder vor diversen Fernsehformaten für Doofe, Erdogans Politik oder dem Tätigkeitsfeld des Bundespräsidenten halt.

„Tiefsinnig und lustig“

„So kannte ich Tiemann nicht. Ich habe oft die Sendung ‚Tiemann testet‘ gesehen. Weil ich ihn sympathisch finde, wollte ich ihn einmal live sehen. Es ist interessant, wie breit gefächert sein Repertoire ist. Tiefsinnig aber dennoch lustig. Mir gefällt das Programm“ erklärte Heike Sander. „Vor allem hat er Recht“ fügte Berthold Sander hinzu.

Für Ursula Michalke war Tiemann kein Unbekannter „Ich habe in schon mehrmals hier erlebt. Es ist beeindruckend, wie er redet. Gut finde ich, wie er den Bezug von der Geschichte zur Gegenwart herstellt. Er befasst sich mit politischen Bewegungen, die Angst machen. Das ist gut, wichtig und richtig. Trotzdem schafft er es, die Leute zum Lachen zu bringen.“

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