Chorleiter stirbt nach Konzertvorfall: Polizei ermittelt

Ein renommierter Chorleiter erleidet während eines Konzerts einen nervlichen Zusammenbruch, kommt in die Psychiatrie eines Krankenhauses. Dort stirbt er wenig später. Die Polizei setzt eine Ermittlungskommission ein. Für den Bruder ist der Fall ein Rätsel.

20.12.2019, 15:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Polizei hat nach dem Tod eines russischen Chorleiters in Oberhausen eine Ermittlungskommission eingesetzt. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur. Der Leiter des bekannten Moskauer „St. Daniels Chors“, Vladislav Belikov (47), hatte während eines Konzerts am 3. Advent einen Anfall mit psychologischen Aussetzern erlitten und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Dort starb er. Die Umstände soll nun die Polizei aufklären.

Belikov und seine Kollegen sollten auf Einladung des Männergesangsvereins „Rheingold“ in der Oberhausener Lutherkirche auftreten. Laut Geschäftsführer Klaus-Dieter Grambau fasste sich Belikov nach drei Liedern an den Kopf, unterbrach den Chor und redete wirr. Dann hämmerte er auf Sachen ein und rannte durch die Kirche - „er war außer Rand und Band“, so Grambau. Die Organisatoren riefen Polizei und Rettungsdienst, Belikov kam in ein Krankenhaus mit Psychiatrie. Dort starb er laut „WAZ“ gegen 20.45 Uhr.

Was genau im Krankenhaus passierte, wird jetzt ermittelt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur schlug Belikov dort weiter um sich, er musste fixiert werden. Der Bruder des Künstlers, Vitali Belikov, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Nach unseren Informationen haben ihn fünf Personen fixiert. Dann bekam er eine Spritze. Wenige Minuten später war er tot.“ Vitali Belikov kann sich den Anfall seines Bruders nicht erklären: „Er war ein sehr friedlicher Mensch, nie aggressiv. Es ist ein absoluter Ausnahmezustand gewesen. So etwas ist vorher nie passiert.“

Vladislav Belikov studierte laut seiner Homepage von 1990 bis 1996 am Tschaikowsky-Konservatorium Klavier, Sologesang und Chorleitung. Dem St. Daniels-Chor gehörte er seit 1991 an, 2001 übernahm er die Leitung des Quartetts. Das Repertoire umfasst russisch-orthodoxe Liturgie, klassische Chormusik und russische Volkslieder.

Am Montag soll es eine Trauerfeier für Belikov geben, dann wird sein Leichnam verbrannt. Die Urne soll laut seinem Bruder nach Moskau überführt werden. „Mein Bruder war ein großer Künstler“, so Vitali Belikov: „Und er hat sehr viel für die Kultur in Deutschland getan.“

Weitere Meldungen