Überall ist das Geld knapp. Auch bei der Evangelischen Kirche. Die plant eine Nutzungsgebühr für St. Viktor. Chören und Musikgruppen macht das Sorgen. Auch sie sind knapp bei Kasse.

Schwerte

, 07.11.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch die Kirche muss haushalten, hat heutzutage nicht mehr viel zu verschenken. Weil auch in Schwertes Evangelischer Gemeinde die Ausgaben auf dem Prüfstand stehen, steht offenbar die Einführung einer Nutzungsgebühr für Veranstaltungen in der Kirche bevor. Das Presbyterium werde sich demnächst mit dem Thema befassen, erklärte Finanzvorstand Ulrich Halbach auf Anfrage. „Heizung, Putzen, Küsterdienst, Energiekosten – wir haben enorme Ausgaben durch die Nutzung der Kirche durch Dritte.“ Ulrich Halbach wirbt für Verständnis für die Pläne der Gemeinde, Veranstalter an diesen Kosten zu beteiligen.

Gemeinde verspricht „maßvolle“ Gebühr

Und er verspricht, die Gebühr an der „alleruntersten Grenze“ anzusiedeln. Sie werde maßvoll ausfallen, sei gestaffelt geplant und soll Rücksicht nehmen auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Veranstalter. Wie hoch sie letztlich ausfalle, sei noch nicht entschieden. Für Veranstaltungen, die sich durch eine gewisse inhaltliche Nähe zu Kirche oder Diakonie auszeichnen, zum Beispiel die Hospizinitiative, werde vermutlich sogar auf die Gebühr verzichtet.

In der städtischen Musikschule im KuWeBe blickt man voller Sorge auf die Entscheidung des Presbyteriums. In der Stadt ging sogar schon das Gerücht um, das traditionelle Weihnachtskonzert der Musikschul-Ensembles könne wegen der neuen Gebühr gar nicht stattfinden. Tut es aber doch. Wie Musiklehrerin und Chorleiterin Jutta Matschi berichtet, springt der Förderverein ein und übernimmt die Nutzungsgebühr für das Konzert mit Big Band und den Kinder- und Jugendchören am Donnerstag, 13. Dezember, um 19 Uhr. „Das wird aber keine Dauerlösung sein“, fürchtet Jutta Matschi.

KuWeBe zeigt sich von Ankündigung überrascht

Überrascht sei man beim KuWeBe von der Ankündigung der Gemeinde gewesen, sagt Karl-Torsten Eberling, seit wenigen Tagen Abteilungsleiter der Musikschule, dass der Kooperationspartner demnächst Geld für die Nutzung seiner Räume nehmen will. Sein Vorgänger Marco Dafov hofft noch auf „klärende Gespräche“ mit der Gemeinde. „Wir können uns keine Raummieten leisten“, sagt er ganz deutlich. „Auch wenn es sich nur um 50 Euro handeln sollte.“

„Wir können uns keine Raummieten leisten.“
Marco Dafov

Mit ihrer angespannten Finanzlage argumentieren auch die Kirchenvertreter. Pfarrer Tom Damm weist darauf hin, dass die Gemeinde bisher Veranstaltungen von anderen mitfinanziert habe und sich das künftig nicht mehr leisten könne. Die Vorsitzende der Konzertgesellschaft, Dr. Ulrike Pfau-Tiefuhr, hat dafür Verständnis. „Eigentlich war damit zu rechnen“, erklärte sie gegenüber unserer Redaktion. „Der Einsatz des Küsters vor und nach den Konzerten, die Reinigung, die Heizkosten – wenn sich die Gebühren in moderaten Grenzen bewegen, muss man dafür Verständnis haben.“ Die Veranstaltungen der Konzertgesellschaft gefährde eine solche Gebühr nicht. Pfau-Tie-fuhr: „Rohrmeisterei oder Freischütz sind als Veranstaltungsorte teurer.“

„Eigentlich war damit zu rechnen.“
Dr. Ulrike Pfau-Tiefuhr

Kirche nicht auf eigene Veranstaltungen reduzieren

Musiklehrer Uwe Schiemann, der auch hin und wieder mit Ensembles des Ruhrtal-Gymnasiums die Viktorkirche bespielt und dabei lediglich die mit der Gema vereinbarten Mini-Eintrittspreise erhebt, denkt da eher „um die Ecke“, wie er es nennt. „Schließlich bringen Konzertveranstalter mit nicht-gewinnorientierten-spirituellen Formaten ja durchaus Menschen in die Kirchen, die auf diese Art Kirche vielleicht wieder als einen Ort erfahren, an dem sie auch mal wieder einen Gottesdienst besuchen könnten“. Für ihn wirkt es „schräg“, dass die Kirche sich anscheinend „sozial-emotional auf das reduzieren will, was sie selbst von innen anbietet.“ Außerdem seien in Schwerte ohnehin Räume für klanglich-spirituelle Konzerte knapp. Den Hinweis auf fehlende Haushaltsmittel geißelt Schiemann als „systemischen Schnickschnack“, den eine Kirche, der die Menschen weglaufe, nicht zu hoch bewerten dürfe. Schiemann: „Bei der Kirche müsste gedacht werden wie an der Börse, mindestens vier Jahre im Voraus.“ Wenn man nicht so weit oder gar um die Ecke denke, seien die Gebühren natürlich gerechtfertigt.

Die Akteure der Musikschule im KuWeBe plagt übrigens derzeit eine weitere Ungewissheit. Die Gema habe die Pauschalverträge mit pädagogisch arbeitenden Einrichtungen gekündigt, berichtet Marco Dafov: „Wir müssen künftig jedes Konzert einzeln anmelden und jede Playlist einzeln abrechnen. Wer weiß, was da noch an neuen Kosten auf uns zurollt.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Ideenschmiede Wuckenhof

Was soll in den Schwerter Wuckenhof: Kunst, Jugend oder ein Trauzimmer?

Hellweger Anzeiger Bahnhof Schwerte

Die Bahnsteige sind nach drei Jahren fast fertig - aber die nächste Baustelle kommt

Hellweger Anzeiger Elektrifizierungspläne der Bahn

Müssen die neuen Dieseltriebwagen nach Dortmund umweltfreundlichen Elektrozügen weichen?

Meistgelesen