Chöre im Wandel: Den Männern geht die Puste aus

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2019 ist vermutlich Schluss für den RWE Chor Gersteinwerk. Einen mitgliederstarken Männerchor gäbe es dann nicht mehr in der Stadt. Die Freude am Singen aber ist in Werne ungebrochen.

Stockum

, 18.12.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Foto oben ist eines aus vergangenen Tagen. Es zeigt den RWE Chor in seiner Darbietung des Weihnachtsmedleys. Vier Jahre ist das her – in dieser Vorweihnachtszeit wird der Männerchor kein Konzert in St. Sophia Stockum geben.

Vorsitzender ist Alfred Schneider (77) aus Hamm. 25 Jahre arbeitete er im Gernsteinwerk in Stockum. Als RWE das Werk Ende der 90er von VEW übernahm, schied er aus. „Erst 2004 bin ich dem Chor dann beigetreten“, erzählt er heute. 14 Jahre später gibt es ihn noch immer. Schneider betont: „Noch!“ Denn obwohl der Männerchor tapfer die Fahne hochhält – seinen 90. Geburtstag wird er wohl nicht mehr erleben.

Noch 17 aktive Sänger

In diesem Jahr feierte der RWE Chor Gersteinwerk, der seit einigen Jahren hauptsächlich aus Mitgliedern besteht, die nie im Gernsteinwerk gearbeitet haben, sein 85. Bestehen. Er hält sich wacker, kann immerhin noch 17 aktive Sänger vorweisen. Zwölf passive Mitglieder kommen hinzu, die zwar nicht mitsingen, dafür aber den Mitgliedsbeitrag von 30 Euro im Jahr zahlen.

Doch wie bei so vielen einstigen Männerchören, geht auch den RWE-Sängern so langsam die Puste aus. Viele der älteren Mitglieder sind gesundheitlich angeschlagen, Nachwuchs gibt es nicht. Am 9. Dezember hatte der Chor seinen vorerst letzten Auftritt im Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum am Ostring.

Ab 2019 ohne Dirigent

Zum 1. Januar 2019, so sagt Vorsitzender Alfred Schneider, habe man aus finanziellen Gründen dem Kirchenmusiker und langjährigen Dirigenten Tobias Heinke kündigen müssen. Keine leichte Entscheidung, aber eine, die getroffen werden musste. „Irgendwann haben wir von der RWE kein Geld mehr bekommen, unseren Sponsor gibt es auch nicht mehr“, sagt Schneider. Was blieb, war ein finanzieller Restbestand und der Gedanke, früher oder später mit dem gemeinschaftlichen Singen aufzuhören.

Am 11. Dezember, zwei Tage nach dem letzten offiziellen Auftritt, trafen sich die Sänger zur letzten Chorprobe 2018. Am 8. Januar geht es erst mal weiter – dann allerdings ohne Dirigent. „Proben werden wir aber noch“, kündigt Schneider an. Mindestens bis zur Hauptversammlung, die voraussichtlich im Februar stattfinden wird. „Und dann müssen wir schauen, wie es weitergeht“, sagt Schneider. „Ob es weitergeht.“

„Die Freude am Singen ist ungebrochen“

Erst im Oktober hatte sich in der Nachbargemeinde der Männerchor Herbern aufgelöst. Kurz nachdem er seinen 40. Geburtstag feierte. Der Gesangverein „Zur Linde“ Langern, der im Juni dieses Jahres 120 Jahre alt wurde, ist wie viele andere Vereine seit Jahren kein Männerchor mehr, sondern eine Chorgemeinschaft. In der letzten Gesangsstunde im Jahr 2001 nahm der Chor seine ersten weiblichen Mitglieder auf. Ein Schritt, den der RWE Chor nie ging und auch nicht gehen wird.

Der Werner Klosterchor hat ebenfalls nur Männer in seinen Reihen, allerdings sind die mit weniger als zehn Mitgliedern noch viel lichter als beim RWE Chor. Größere Auftritte absolviert der Klosterchor nicht, er singt in den Gottesdiensten und Andachten der Kapuziner.

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Doch auch wenn das Singen im Männerchor längst nicht mehr die Bedeutung hat, die es früher einmal hatte, so erlebt das Singen in Gemeinschaft in Werne keine Tiefphase. „Die Freude am Singen ist ungebrochen“, sagt etwa Chorleiterin Dagmar Borowski-Wensing. Für gerade einmal knapp 30.000 Einwohner „haben wir eine sehr hohe Chorkultur“.

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Anfang Oktober feierte der Männerchor Herbern seinen 40. Geburtstag. Doch nun löst sich die Gemeinschaft auf. Ab Januar 2019 soll endgültig Schluss sein. Von Claudia Hurek

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