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Chefs kaufen große Firma in Schwerte-Holzen

Deutsche Nickel

Die Deutsche Nickel in Schwerte-Holzen ist verkauft – an ihre Geschäftsführer. Die haben in den letzten Jahren nicht nur die Zahl der Arbeitsplätze wieder ausgebaut.

Schwerte

, 13.07.2018
Chefs kaufen große Firma in Schwerte-Holzen

Die Geschäftsführer Christoph Arntz (l.) und Wolfgang Raulf (r.) haben die Mehrheitsbeteiligung an der Deutschen Nickel GmbH von der Wickeder Westfalenstahl gekauft. © Foto: Reinhard Schmitz

Die neuen Eigentümer sind bei der Deutschen Nickel die bekannten Gesichter: Die Geschäftsführer Christoph Arntz (45) und Wolfgang Raulf (65) haben von der Wickeder Westfalenstahl deren 77,5-prozentige Beteiligung an der Dachgesellschaft DNick Holding Ltd. übernommen. Am Donnerstag wurden die letzten Unterschriften unter das Vertragswerk gesetzt, an dem über ein Jahr lang gearbeitet worden war.

„Für die Mitarbeiter ändert sich nichts“, betont Arntz, der seit 2015 gemeinsam mit Raulf die Deutsche Nickel leitet. Denn dadurch, dass keine fremden Interessenten zum Zuge kamen, bleibe die Kontinuität gewährleistet. Darauf können auch Kunden und Lieferanten setzen. Man werde den erfolgreich eingeschlagenen Weg fortsetzen. „Wir haben das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren zurück in die schwarzen Zahlen geführt“, berichtet Arntz. Dieser Aufschwung zeige sich auch an einer deutlichen Zunahme der Beschäftigtenzahl. Arbeiteten vor drei Jahren noch rund 180 Mitarbeiter im Betrieb, so sind es mittlerweile schon rund 240: „Und wir suchen noch weiter punktuell Verstärkung in der Fertigung.“ Angepeilt werde für dieses Jahr ein Umsatz von rund 80 Millionen Euro. „Die Auftragsbücher sind voll“, erklärt Arntz.


Wickeder Firma wollte sich vom Schwerter Werk trennen

Dass die Wickeder Westfalenstahl GmbH sich trotzdem von der DNick trennen wollte, hat strategische Gründe, wie Arntz berichtet. Wickede wolle sich auf sogenannte Flachprodukte konzentrieren. Und in diese Produktpalette passten die Rundprodukte – also Drähte und Stangen – nicht mehr, die in Schwerte hergestellt werden. Die Geschäftsbeziehungen beider Unternehmen bleiben aber bestehen. Weiterhin würden beispielsweise Schmelzaufträge für die Wickede-Tochter Auerhammer Metallwerk übernommen, so Arntz: „Aber zu besseren Konditionen.“

Im Jahre 2012 hatte die Wickeder Westfalenstahl die Mehrheit an der DNick-Holding übernommen und später weitere Anteilspakete hinzugekauft, sodass nur noch 22,5 Prozent in anderem Streubesitz waren. Zuvor hatte das Schwerter Traditionsunternehmen, das einst noch einen Großteil der Rohlinge für die Euro-Einführung produziert hatte, schwere Phasen durchlaufen, die im Jahre 2004 in einem Insolvenzverfahren gipfelten. „Diese Zeiten liegen lange zurück“, betont Arntz: „Jetzt wird wieder an Produkten gearbeitet.“


Welche Produkte nicht mehr gefragt sind – und welche sehrwohl

Durch neue Produkte gelang es beispielsweise, die sinkende Nachfrage nach Glühbirnen-Drähten, die durch den Siegeszug der LED-Lampen ausgelöst wurde, mehr als zu kompensieren. „Wir haben im Auftragseingang Wachstumsraten von über 60 Prozent in den letzten drei Jahren“, berichtet Arntz. Weltweit gefragt sind unter anderem Stangen für die Ölförderung und chemische Apparate, für Medizin- und Batterietechnik. Und im Drahtbereich zähle die Deutsche Nickel zu einem der beiden großen Zulieferer für Auto-Zündkerzen in der westlichen Welt.

„Wir haben einen sehr breiten Mix und sehen uns für die Zukunft gut aufgestellt“, sagt der Geschäftsführer. Dafür wurde in die Fertigung investiert: „Wir haben neue Aggregate angeschafft.“ Beispielsweise Wärmebehandlungsanlagen, leistungsfähigere Spulentechnologie und Kokillen für den Schmelzbereich.


Wer sind die zwei Geschäftsführer? Wie lange sind sie hier?

Seit 2015 sitzt Diplom-Kaufmann Arntz, der auf eine 20-jährige Karriere in der Metallindustrie zurückblickt, in der Geschäftsführung der Deutschen Nickel. Der zweifache Familienvater ist dort vor allem für Vertrieb, Qualitätssicherung, Logistik und Anwendungstechnik zuständig. Mit-Geschäftsführer Raulf, ebenfalls zweifacher Familienvater, ist schon ein Jahr länger in Schwerte. Mit seinen langjährigen Erfahrungen als kaufmännischer Leiter der Wickeder Gruppe verantwortet er am Rosenweg die Ressorts Finanzbuchhaltung, Produktion, Personal und Controlling.

„Wir ergänzen uns wirklich sehr gut“, sagt Arntz. Für die Betriebsübernahme haben beide Geschäftsführer ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet: Die DN Equity GmbH, an der sie jeweils zur Hälfte beteiligt sind.