Erst sorgten CDU und FDP dafür, dass das Thema FAB-Gelände nicht diskutiert wurde. Jetzt haben sie einem eigenen Vorschlag. Der ist nicht ganz neu, enthält aber eine Überraschung.

Schwerte

, 15.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Der Vorschlag an sich ist nicht besonders neu. Statt einer Bebauung des FAB-Geländes fordern CDU und FDP eine komplette Überplanung des gesamten Areals am Schützenhof. Dazu gehören neben den Flächen des ehemaligen Freizeit- und Allwetterbades auch der Sportplatz samt Vereinsheim und das Gebäude der Taubenzüchter. Neu an dem Vorstoß, den Christdemokraten und Liberale am Dienstagvormittag vorstellten, war allerdings die Idee, einen neuen Sportplatz an anderer Stelle zu bauen. „Und ist klar, dass dies einen mehrstelligen Millionenbetrag kosten kann“, so CDU-Fraktionschef Marco Kordt. Allerdings erwarte man auch aus dem Verkauf der Grundstücke mehrstellige Millionen Einnahmen. Wo man einen neuen Sportplatz bauen könne, darauf wollte der CDU-Fraktionschef zu desem Zeitpunkt noch keine Angaben machen. „Es gibt auf jeden Fall zwei mögliche Standorte, die auch nicht weit vom ursprünglichen entfernt sind.“

Vor Ferien von Tagesordnung gewählt

Vor der Sommerpause war ein Antrag der GWG, der von Bürgermeister Dimitrios Axourgos unterstützt wurde, im zuständigen Ratsausschuss auf Druck von CDU und FDP von der Tagesordnung genommen worden. Man habe noch Beratungsbedarf hieß es damals und schickte den Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft samt seiner Architektin wieder nach Hause.

Die Wohnungsgenossenschaft will auf einem Teil des ehemaligen Spaßbadgeländes rund 100 Wohnungen bauen. Einen Teil davon als Sozialwohnungen staatlich gefördert. „Wir sind nicht gegen sozialen Wohnungsbau“, betonte Ratsmitglied Bianca Dausend.

Drittellösung wird angestrebt

Man strebe nur eine Drittellösung an, das solle auch das Quartier verbessern. Ein ähnliches Konzept verfolgt die GWG bei der Bebauung des ehemaligen Grabelandes am Rosenweg. Dort werden ein Drittel Sozialwohnungen, ein Drittel nicht geförderte Mietwohnungen und ein Drittel Eigentum gebaut, zuzüglich des schon vorhandenen Einkaufszentrums. Das sei auch sozial wünschenswert, findet Renate Goeke von der FDP. Deshalb sehe man die GWG auch als geeigneten Partner für die Entwicklung der Flächen am Schützenhof. „Das ist allemal besser, als wenn ein auswärtiger Investor kommt“, so Kordt.

Warten auf Sportstättenentwicklungsplan

„Wir setzen bei unserem Vorhaben auch auf den neuen Sportstättenentwicklungsplan“, so Kordt. Von dem erwarte man sich Vorschläge zur Verringerung der Sportplatzfläche in Schwerte. Doch es ist nicht das erste Mal, dass der Rat so ein Gutachten in Auftrag gibt. Bislang hatte man sich aber nicht an die Vorschläge der Gutachter gehalten.

Gutachter lobte VfL-Sportplatz

Und ob die dann den VfL-Sportplatz als abgängige Sportanlage sehen, steht auf einem ganz andren Blatt. „Der Gutachter war schon bei uns und eigentlich lobend über die Anlage geäußert“, sagt VfL-Vorsitzender Günther Thurau. Allerdings räumt er auch ein, dass etwas passieren müsse. Der Sportplatz muss dringend saniert werden.

Kein aktuelles Gespräch haben die beiden Parteien mit den Taubenzüchtern der Reisevereinigung Schwerte geführt. „Wir sind bereit umzuziehen, brauchen aber eine neue Halle“, erklärt Züchter Wilfried Wenniges. Genau wie der VfL nutzen sie zwar ein städtisches Grundstück auf Erbpachtbasis, das Taubenheim ist aber Eigentum der Reisevereinigung. Und hinter dem Gebäude befindet sich noch die Halle der Luftgewehrschützen, die im Fall der Fälle auch ein Ausweichquartier brauchen.

Eines steht aber fest, einigt man sich im Rat auf die Pläne der beiden Parteien, dauert es deutlich länger, bis sich was am Schützenhof tut. Zwei Jahre werde es bis zu einem Planfeststellungsbeschluss dauern, schätzt Kordt.

Grüne beraten das Thema noch

Und auch wenn die Beteiligten die Hoffnung haben, die SPD und die Linken, die sich vehement für aktuellen Baupläne der GWG eingesetzt hatten, überzeugen zu können. Vermutlich wird ihr Plan an der Zustimmung der Grünen hängen. Die befänden sich noch in Beratungen, hieß es am Dienstag.

Vom Tisch sei übrigens die Überlegung auf dem Gelände einen Lidl-Markt anzusiedeln.

Die Geschichte des FAB-Geländes

Ende 2009 war Schluss mit dem Freizeit- und Allwetterbad in Schwerte. Der Rat hatte die Schließung des hochdefizitären Bades beschlossen. Der Versuch, zunächst das Bad, dann das Gelände an ein geeignetes Nachfolgeunternehmen zu verkaufen, scheiterte. Immer wieder traten zwar Interessenten auf, die erwiesen sich nach Einschätzung der Stadt aber als nicht besonders seriös. Auch als man das Gebäude dann auf eigene Kosten abgerissen hatte, wurde das Grundstück kein Verkaufsschlager. 2015 beschloss der Rat, das Gelände ruhen zu lassen, zu renaturieren und in die Ruhr- auen einzugliedern. Schon damals wünschte sich die SPD, dort Wohnbebauung zuzulassen, unterlag aber bei der Abstimmung. Schon damals hatte die GWG ihr Interesse bekundet. Ende desselben Jahres revidierte man den Renaturierungsbeschluss und plante, dort in der heißen Phase des Flüchtlingszustroms eine Siedlung für Flüchtlinge zu bauen. Doch als die Planungen sich hinzogen und der Flüchtlingszuzug immer geringer wurde, nahm man wieder Abstand von den Plänen. Offiziell muss der alte Ratsbeschluss aber immer noch aufgehoben werden. Auch das beihaltet der Antrag, den CDU und FDP im Rat am 26. September stellen wollen. Im Sommer 2017 kam dann die GWG wieder mit ihren Plänen zurück auf die politische Bühne. Der Rücktritt des Bürgermeisters und die anschließende Neuwahl verzögerten das Projekt. Aber schon damals lagen die Forderungen der Parteien auseinander. SPD und Linke stimmten den Plänen der GWG zu, die Grünen taten sich schwer, weitere Flächen zu versiegeln, fanden aber Teile der Planung gut und CDU und FDP legten bereits damals ihren Vorschlag einer kompletten Überplanung vor. Doch da hatte man noch Lidl als einen der Investoren. Mittlerweile ist der Discounter offensichtlich nicht mehr an der Fläche interessiert.
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