Bürgerhaus Brambauer: Schlemmen mit Pflanzen beim „bundesweit ersten“ Vegan Dinner

dzWeltvegantag

Sie wollen nicht, dass Tiere leiden. Deshalb kommt Veganern nichts Tierisches auf den Teller. Auch kein Käse oder Honig. Beim Vegan Dinner tischen sie Pflanzliches auf. Es geht um noch mehr.

Brambauer

, 01.11.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Duft zieht aus der Küche durchs Bürgerhaus Brambauer. Zum Vegan Dinner haben die Teilnehmer selbst gemachte Köstlichkeiten mitgebracht. Ob Blumenkohl Wings, Humus, Kidneybohnen-Bratlinge oder Wirsing-Rouladen mit Tomaten-Curry, alle haben eines gemeinsam: Kein Tier musste dafür sterben oder leiden. Alles ist rein pflanzlich. Milch und Joghurt werden beispielsweise aus Soja oder Mandeln gewonnen.

Bürgerhaus Brambauer: Schlemmen mit Pflanzen beim „bundesweit ersten“ Vegan Dinner

Vegane Köstlichkeiten wurden aufgetischt: Dazu zählen auch Spinat-Lasagne oder Eintopf mit Linsen und roten Bohnen. © Quiring-Lategahn

„Hier muss man sich nicht rechtfertigen“

Nach und nach treffen die Dinner-Gäste ein. Sie kommen von außerhalb. In Lünen hat sich das noch nicht herumgesprochen, wohl auch, weil es noch kaum Werbung gegeben hat. Die Atmosphäre ist im Bürgerhaus familiär. „Hier muss man sich nicht rechtfertigen, Veganer zu sein“, beschreibt Nicola Kessler, was ihr gut gefällt.

Es geht um Gemeinschaft, miteinander reden, den Austausch von Rezepten und natürlich auch ums Essen. „Ich weiß, dass hier auch wirklich alles vegan ist. Auf Partys ist das ja oft schwierig“, sagt Holger Wockel (54).

Wer meint, vegane Ernährung bedeute Askese, der lernt beim Dinner dazu. Genussvoll löffeln sich die Veganer durch die Vielfalt an Aufläufen, Eintöpfen und Gemüse-Gerichten bis zum Nachtisch.

Bürgerhaus Brambauer: Schlemmen mit Pflanzen beim „bundesweit ersten“ Vegan Dinner

Auch beim veganen Nachtisch konnten sich die Teilnehmer bedienen: Es gab Cheesecake mit Äpfeln und Tofu oder auch Schoko-Nuss-Eis und eine Torte mit Biskuit-Boden, der statt Eiern aufgeschlagenes Kichererbsenwasser enthielt. © Quiring-Lategahn

Anabell Verrieth (22) lässt sich Kuchen schmecken. Rein optisch unterscheidet er sich nicht von üblichen Backwaren. Holger Wockel hat ihn mitgebracht. In dem Biskuitteig gibt es keine Eier. Stattdessen hat er Kichererbsenwasser aufgeschlagen. „Das geht sogar noch besser als mit Ei“, schwärmt er. Begeisterung am Tisch über diesen Tipp. „Vegane Kost ist kein Verzicht“, schildert Anabell Verrieth. Vielmehr esse sie jetzt ganz viel anderes. Der Geschmack verändere sich.

Ethische Motivation

Seit einem Jahr gibt es die Veranstaltung jeden Monat in Brambauer, die Ralph Sartor (61) mit seiner Frau Kerstin Fälker (51) aus Selm ins Leben gerufen hat. „Es ist das erste bundesweite Vegan Dinner“, sagt er schmunzelnd. Vorbild sei der vegane Brunch in Unna. Räume fanden sie im Bürgerhaus Brambauer. Da diese nur abends noch frei waren, wurde ein Dinner daraus.

Am 1. November ist Weltvegantag. Er fand erstmals im Jahr 1994 anlässlich des 50. Jahrestags der Gründung der britischen Vegan Society statt.

Hier treffen sich Menschen, die ganz bewusst leben und Tiere als gleichwertige Lebewesen ansehen. Sie zu nutzen, um menschliche Bedürfnissse zu befriedigen, ist für sie ethisch nicht vertretbar. Die Gruppe ist klein und vom Alter her gemischt, die Tischpartner wechseln. Man kennt sich oder lernt sich kennen. Natürlich wird übers Essen gesprochen, aber auch über Gott und die Welt.

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Bei Ralph Sartor war es eine Fernsehdokumentation über die Greuel von Tierhaltung und -Transporten, die ein Umdenken bewirkte. „Ich habe sofort aufgehört, Fleisch zu essen.“ Später wollte er alles vermeiden, was mit Tierleid verbunden ist. Je mehr er sich mit dem Thema beschäftige, desto mehr erfahre er.

„Man muss hinsehen, die meisten gucken weg“, sagt Kerstin Fälker. Sie kommt vom Land. Schon damals habe es sich für sie falsch angefühlt, wenn das Kaninchen plötzlich auf dem Teller war.

98 Prozent des Fleisches käme heute aus Massentierhaltung. Wer das reflektiere, könne keine Tiere mehr essen, sagt sie. Auch Bio ist für Ralph Sartor nicht die Lösung. Auch diese Tiere erführen das Leid des Todes, weil der Mensch es will.

Tierisches durch Pflanzliches ersetzen

Gesundheitliche Aspekte spielen bei den Teilnehmern ebenfalls eine Rolle. „Alle um mich herum haben Herzprobleme“, sagt Holger Wockel. Vegane Ernährung vermeide das Risiko. Für ihn ist sie nicht kompliziert, sondern einfach. Er tausche einfach aus. Tierisches gegen Pflanzliches. Für Omega3-Fettsäuren beispielsweise müsse kein Fisch sterben. Sie könnten durch einen Esslöffel geschroteten Leinsamen täglich ersetzt werden.

Kerstin Fölker hat er ihre Blutwerte testen lassen: alles super. Vitamin B12 nehme sie über Tabletten zu sich. Seit sie Veganerin sei, sei sie nicht mehr so anfällig für Krankheiten. Einige berichten von verbessertem Hautbild.

Auch den Umweltgedanken haben Veganer im Blick. Es gibt Studien, wie die des World Watch Instituts, die Nutztierhaltung als Klimakiller Nummer eins bezeichnen. Wer kein Fleisch isst, spart CO2 ein.

Das Problem mit dem Palmöl

Ralph Sartor verzichtet zudem auf Palmöl, deren Plantagen die Lebensräume von Affen zertstören. Im Gegensatz zu vegangen Produkten, die es mittlerweile überall im Lebensmittelhandel und auch bei Discountern gibt, sei es schwer, plamölfrei einzukaufen. „Fast in jedem zweiten Produkt ist das drin.“

Irgendwann geht der Organisator des Vegan Dinners mit einer Dose herum. Die Teilnehmer zahlen pro Dinnerabend 5 Euro oder 10, wenn sie kein Essen mitgebracht haben. Das finanziert die Raummiete. „Wenn etwas übrig bleibt, geht der Gewinn als Spende an einen Lebenshof“, erklärt Sartor.

Eigenes Kochbuch

Die Dinner haben jeweils ein Motto: Mal italienisch, oder jetzt goldener Oktober. Im Dezember werden die drei leckersten Gerichte prämiert. Außerdem entsteht ein veganes Kochbuch.

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