Brambauer Erinnerungen in zwei Bergbau-Büchern

dzAutoren von Zwar

Geschichten rund um den Bergbau in Lünen haben sie erzählt, die Autoren der Bücher „Seilfahrt“ und „Schichtwechsel“. So erfolgreich, dass die Bände heute nur im Antiquariat zu finden sind.

Lünen

, 09.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Annette Goebel besitzt noch je ein Exemplar der Bücher, die im damaligen Lüner Wuth-Verlag erschienen sind. Die Koordinatorin für Altenarbeit der Stadt Lünen war Geburtshelferin der beiden Bände, denn sie war seit Ende der 80er Jahre zuständig für die Zwar-Gruppen in Lünen. Zwar steht für „zwischen Arbeit und Ruhestand“ und die meisten Mitglieder waren entweder bis zur Rente im Bergbau tätig oder sie lebten in der Nähe von Zechen.

Schwarze Wäsche auf der Leine

„Ich bin selbst neben der Zeche Gneisenau groß geworden, kenne noch die ,schwarze Wäsche‘ durch den Kohlenstaub, wenn meine Mutter weiße Wäsche draußen auf die Leine gehängt hatte“, so Annette Goebel. Den Geruch der Zeche hat sie bis heute in der Nase.

Als sie die Lüner Zwar-Gruppen ab 1989 aufbaute, erzählten die Mitglieder ihr ihre ganz persönlichen Geschichten aus dem Bergbau. „Und ich dachte mir, was ist, wenn diese Menschen nicht mehr da sind und auch diejenigen, denen sie jetzt diese Geschichten erzählen - da geht so viel verloren.“

Brambauer Erinnerungen in zwei Bergbau-Büchern

Annette Goebel mit den beiden Büchern, die es heute nur noch online im Antiquariat zu kaufen gibt. © Beate Rottgardt

Der frühere Bergmann Helmut Schmidt aus Brambauer begann, die Geschichten zu sammeln. Man traf sich im damaligen Treffpunkt Konradplatz in Brambauer und überlegte, ob man sie nicht als Buch herausbringen könnte.

Schreiben wollten viele, auch diejenigen, die das eigentlich nie zuvor getan hatten. „Alle waren sehr stolz, als sie das erste Buch in den Händen hielten“, erinnert sich Annette Goebel. Der passende Titel lautete „Seilfahrt“. Zwei Jahre Arbeit steckten darin. Zur Frankfurter Buchmesse 1994 sollte es erscheinen, dann dauerte es aber noch bis Frühjahr 1995. 1500 Stück betrug die erste Auflage, eine zweite wurde wegen des großen Interesses nachgedruckt.

„Ruß von den Seiten wischen“

Redakteur Karl-Heinz Knepper schrieb damals: „Manchmal meint man, den Ruß von den Seiten und den Schweiß von der Stirn wischen zu müssen, weil die dicht und detailreich gelungene Schilderung der Welt unter Tage die schwere körperliche Arbeit der Bergleute anschaulich zu spiegeln weiß.“

Eine Anerkennung für das über 200 Seiten starke Werk gab es schon vor dem eigentlichen Erscheinungsdatum. Das Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher verlieh „Seilfahrt“ einen Anerkennungs-Preis.

Zweites Buch kam 1997 heraus

„Wir hatten aber noch so viele Geschichten, die nicht ins Buch gepasst haben, dass wir uns entschlossen, einen zweiten Band heraus zu bringen“, erzählt Annette Goebel. 1997 war es soweit, wieder erschien ein Buch mit Bergbaugeschichten der Zwarler im Wuth-Verlag.

„Schichtwechsel“ hieß der zweite Band, in dem es dann auch noch um Geschichten rund um die Zeche Gneisenau ging. Mit alten Bildern aus dem Archiv war auch dieses Buch illustriert. Bergbau-Rentner, eine Hausfrau und eine Lehrerin aus Brambauer waren die Autoren. Zu denjenigen, die die Geschichten für „Seilfahrt“ verfassten, kamen diesmal noch andere dazu.

Geschichte über Bergarbeiterfrauen

Ansporn dazu, ein zweites Buch zu veröffentlichen, waren auch die Reaktionen auf die „Seilfahrt“. So kam eine Dame zu Annette Goebel, nachdem sie das Buch gelesen hatte, und fragte „warum haben Sie denn nichts über uns Bergarbeiterfrauen geschrieben?“ Dieses Versäumnis wurde nun nachgeholt. Und es gab auch Geschichten über Care-Pakete, Kartoffelernte zwischen Zeche und Ziegelei oder Lebensretter und Hasenbrot,. „Wir wollten mit den Geschichten ein Stück dem Vergessen einer wichtigen Epoche in der Geschichte unserer Region entgegenwirken“, so Annette Goebel.

Nur noch im Antiquariat

Das Interesse auch an „Schichtwechsel“ war groß. Mittlerweile sind alle Exemplare der beiden Bücher längst vergriffen. Den Wuth-Verlag gibt es nicht mehr. Annette Goebel: „Die Bücher gibt es nur noch im Internet oder im Antiquariat, teilweise zu höheren Preisen als früher.“

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