Brambauer: Ein Stadtteil mit guter Verkehrsanbindung - aber zu viel Müll

dzStadtteilcheck

Familie Benthaus fühlt sich wohl in Brambauer. Sportverein, Nahversorgung, Arbeitswege - das alles passt. Aber es gibt auch Nachteile. Und die haben mit Sicherheit und Sauberkeit zu tun.

Brambauer

, 26.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Carmen Benthaus (46) ist Ur-Brambaueranerin, wenn man das so sagen will. Sie selbst ist in Brambauer geboren und aufgewachsen. Sie arbeitet in Brambauer, als Lehrerin an der Elisabeth-Grundschule. Sie wohnt immer noch in Brambauer, mit ihren Kindern Lukas (19), Lena (15) und ihrem Mann Andreas (48). „Ich habe mich hier nie unwohl gefühlt“, sagt sie, „hier hat immer alles gepasst“.

Die Wege nach Waltrop, Lünen und natürlich Dortmund sind kurz. Mit neun Punkten lag der Wert aus Brambauer deshalb auch folgerichtig über dem Lüner Durchschnitt (8). Es gibt Sportvereine aller Art, Lena und Lukas spielen zum Beispiel Handball beim VfB Brambauer. Und auch für Naherholung ist gesorgt. Vom Haus der Familie Benthaus ist es nur wenige Meter weit ins Grüne.

Das wurde sonst noch gut bewertet

Die Nahversorgung: „Da gibt es schon fast zu viel“, meint Andreas Benthaus. Verschiedene Discounter und Supermärkte gebe es in unmittelbarer Nähe - das sei optimal. Wer allerdings abseits des täglichen Bedarfs einkaufen will, muss für das meiste in die Nachbarstädte fahren - oder in die Lüner Innenstadt.

Die Seelsorge: „Da sind wir gut aufgestellt“, sagt Carmen Benthaus, die sich selbst kirchlich engagiert: „Wir sind da ganz aktiv, die Kinder waren Messdiener, wir singen in der Musikgruppe“, sagt sie.

Wohnen: Wobei „gut bewertet“ vielleicht zu viel gesagt ist, denn Brambauer liegt mit sechs Punkten im Stadt-Schnitt. Wobei Jörg Diekmann, einer der Initiatoren der Initiative Brambauer 2030, hier durchaus Nachholbedarf sieht. „Wir brauchen dringend neue Wohngebiete, weil wir junge Familien brauchen. Uns fehlt sonst eine Generation im Stadtteil“, sagt er.

Gesundheit: „Die medizinische Versorgung ist hervorragend“, meint Klaus Stallmann, der sich in Brambauer in fast allen Bereichen engagiert. „Ein Krankenhaus für einen Stadtteil, wo gibt es das sonst?“

Das wurde negativ bewertet

Sauberkeit: Den stadtweit schlechtesten Wert hat Brambauer beim Thema Sauberkeit erhalten. Und das kann Familie Benthaus nur bestätigen: „Es liegt überall Müll“, sagt Carmen Benthaus. Auch Andreas hat das schon beobachtet. „Wenn ich aus dem Münsterland nach einer Radtour zurück nach Brambauer komme, denke ich nur: ,Was für eine Müllhalde‘“.

Diesen Eindruck bestätigt die Stadt in Teilen - zumindest für einige Straßenzüge. Die Wirtschaftsbetriebe Lünen berichten laut Stadtpressesprecher Benedikt Spangardt, „dass die Mitarbeiter*innen neben ansteigenden kleinteiligen Verschmutzungen (an Papierkörben, Bankstandorten und Gehwegen) vermehrt nicht angemeldeten Rest- und Sperrmüll im öffentlichen Raum vorfinden.“ Mit Zahlen belegen könne man das nicht, ein Hinweis gibt aber die Anzahl der Beschwerden am Bürgertelefon zum Thema Müll: Etwa ein Viertel der Beschwerden kommt aus Brambauer. Allerdings leben auch 22 Prozent der Lüner Einwohner im Stadtteil.

Wer Müll sieht und entsorgt sehen will, kann das Bürgertelefon der Stadt unter Tel. (02306) 104-2020 erreichen.

Brambauer: Ein Stadtteil mit guter Verkehrsanbindung - aber zu viel Müll

Müll an der Wittekindstraße. Die Verschmutzung im Stadtteil Brambauer bemängeln viele, auch Andreas Benthaus. © Albert Veit

Sicherheit: Das „Zusammenspiel der Kulturen“, sagt Andreas Benthaus, sei manchmal schwierig, gefühlt, meint Lukas Benthaus, gebe es an der Waltroper Straße ständig Schlägereien. Das Sicherheitsgefühl sei aber je nach Ort im Stadtteil sehr unterschiedlich. Persönlich hat noch niemand aus der Familie schlechte Erfahrungen gemacht.

Dass der Stadtteil schwierig als Ganzes zu betrachten sei, sagt auch Andreas Dahlke, ebenfalls in der Initiative Brambauer 2030 aktiv, die den Stadtteil nach vorne bringen will. Dahlke verweist auf den Sozialplan: „Da haben wir gesehen, das wir innerhalb Brambauers alles haben: Von Einfamilienhäusern bis zu Problemvierteln“, sagt er.

Was helfen würde, sagt Michael Ristovitch, Chef der Werbegemeinschaft Brami und Mit-Initiator von Brambauer 2030, wäre mehr Präsenz der Polizei. „Wir haben rund 20.000 Einwohner - da brauchen wir eigentlich eine eigene Polizeiwache“, sagt er.

Die Polizei sei ja ansprechbar, antwortet Sven Schönberg, Pressesprecher der Dortmunder Polizei. Außerdem sei Brambauer auch Streifenbezirk der Polizeiwache Lünen. Bei Kontrollen seien Drogendelikte festgestellt worden: „Aber nicht in einer Dimension, um von einem Brennpunkt sprechen zu können.“

Stattdessen präge „das Stadtbild an sich“ sicherlich auch das subjektive Sicherheitsgefühl mit.

Verkehrsbelastung: Nur vier von zehn Punkten und damit zwei schlechter als im städtischen Durchschnitt. Brambauer liegt verkehrstechnisch günstig - aber ist deshalb auch besonders vom Durchgangsverkehr betroffen. Jörg Diekmann meint, dass konsequenter auf den ÖPNV und auf den Radverkehr gesetzt werden müsse. Die U-Bahn-Verbindung nach Dortmund sei zwar gut - aber zu teuer, weil hier verschiedene Verkehrsverbunde gekreuzt werden müssen. „Für die letzten zwei Haltestellen zahlt man deshalb noch einmal zwei Euro mehr“, sagt er. Das allein schrecke viele ab - und müsste doch zu beheben sein.

Brambauer: Ein Stadtteil mit guter Verkehrsanbindung - aber zu viel Müll

Brambauer in der Zusammenfassung © Grafik

Klaus Stallmann denkt, dass ein dauerhaftes Durchfahrtverbot für Lkw an der Waltroper Straße schon einmal helfen würde.

Brambauer: Ein vernachlässigter Stadtteil?

Gleiche mehrere Kommentare dieser Art gingen beim Stadtteilcheck ein. Grundsätzlich könne die Stadt verstehen, dass dieser Vorwurf vorgebracht werde, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt. Viele Angebote vor Ort seien reduziert worden, die Schwimmhalle wurde geschlossen, es gibt keine Außenstelle der Verwaltung mehr, keine richtige Sparkassen-Filiale, keine Polizeiwache. „Die Stadt hat Brambauer aber nie aufgegeben“, sagt Spangardt, „es wird daher nachgearbeitet, aber man ist sich in der Verwaltung bewusst, dass Verbesserungen noch nicht bei allen Bürgerinnen und Bürgern ankommen.“

An vielen Stellen könne die Stadt außerdem nur die Rahmenbedingungen schaffen: „Der Stadt ist es unter anderem deswegen daran gelegen, das bürgerschaftliche Engagement zu stärken und zu fördern. Gerade in Brambauer sind bürgerschaftliche Initiativen mit großem Engagement und Erfolg unterwegs.“

Die Brambauer-2030-Initiative wünscht sich einen Ansprechpartner, ähnlich den Stadtteilmanagern in Lünen-Süd. Sie, als Ehrenamtliche, könnten nur vor und nach der Arbeit aktiv sein. Das sei, für die Koordinierung der nötigen Aktionen, bei weitem nicht genug. Überhaupt, sagt Klaus Stallmann, sei Brambauer ein Stadtteil der Ehrenamtlichen: Kriegerdenkmal, Volkspark, Freibad, Hundeweise, Bürgerhaus, Bücherei - all das werde ehrenamtlich gestemmt: „Die Frage ist nur, wie lange das so weitergeht?“, fragt Stallmann.

Einen guten Ruf hat Brambauer nicht, das weiß auch Familie Benthaus. Wegziehen würde sie trotzdem nicht. Dafür fühlen sie sich einfach zu wohl - genau so wie die Macher der Initiative Brambauer 2030.

Historie

Wie Brambauer zu Lünen kam

Brambauer: Ein Stadtteil mit guter Verkehrsanbindung - aber zu viel Müll

Der Schacht I der Zeche Minister Achenbach um 1901. © Stadtarchiv

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Brambauer schon 1545, damals gehörte es noch zum Reichshof Elmenhorst. Schon ab 1815 war Brambauer eine Gemeinde im Amt Lünen, die richtige Eingemeindung datiert aber erst auf den 1. April 1928, ist also bald 91 Jahre her. Für den Stadtteil prägend war der Bau des Steinkohlebergwerks Zeche Minister Achenbach, das 1897 den Betrieb aufnahm.
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