Bonpflicht: So kreativ wehrt sich Deutschlands Mittelstand

Einzelhandel

Die Bonpflicht bewegt den Mittelstand. Verbände, Innungen, Handwerkskammern – alle machen mobil gegen das neue Gesetz. Manche Einzelhändler haben schon kundenfreundliche Alternativen im Einsatz.

Berlin

27.01.2020, 15:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bonpflicht: So kreativ wehrt sich Deutschlands Mittelstand

Die Bäckerinnung, der Einzelhandel, die Apotheker - sie alle laufen Sturm gegen die seit Jahresbeginn geltende Kassenbon-Pflicht. © picture alliance/dpa

Kaum ein anderes Thema bewegt den deutschen Mittelstand seit Monaten wie die Bonpflicht, die der deutsche Gesetzgeber seit 1. Januar eingeführt hat. Ob Apotheken, Bäckereien oder der kleine Imbiss um die Ecke - es gibt keinen, der nicht schimpft und den Kopf schüttelt.

Seit Jahresbeginn müssen Händler nämlich mit elektronischen Kassensystemen ihren Kunden bei jedem Kauf unaufgefordert einen Beleg aushändigen. Mit der bereits Ende 2016 beschlossenen Belegausgabepflicht will der Gesetzgeber Steuerbetrug über Mogelkassen verhindern. Die Regelung wird von vielen als bürokratisch kritisiert.

Seitens Handwerker- und Wirtschaftsverbänden wird seit Wochen überall quer durch die Republik mobil gegen die Bonpflicht gemacht.

Die Farce massenhaft ungenutzter Bons

Mit einem Aufruf an die mehr als 25.000 Mitglieder der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung (MIT) will beispielsweise der Vorsitzende Carsten Linnemann gegen die Bonpflicht im Einzelhandel mobil machen.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, schickte Linnemann eine Rundmail an alle MIT-Landesverbände, an die ein Formulierungsvorschlag für einen Brief angehängt ist. Diesen Brief, in dem die Aussetzung der Bonpflicht bei Einkäufen unter einem Warenwert von 10 Euro gefordert wird, sollen MIT-Mitglieder demnach an die Länderfinanzminister und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) schicken.

„Auch als Kunden erleben fast alle Menschen in meinem Umfeld und ich täglich die Farce massenhaft ausgedruckter und ungenutzter Bons für Kleinstbeträge, zum Beispiel beim Bäcker oder im Kiosk“, zitiert die „Bild“ aus der Rundmail.



Süße Quittung beim Bäcker

Ein Bäcker in Bayern hat derweil auf die umstrittene Kassenbonpflicht mit einer süßen Faschingsidee reagiert: Krapfen mit einer eingebackenen Quittung aus Zucker. „Wir hätten nicht gedacht, dass die Idee so gut ankommt“, sagte Nicole Helbig, Verkäuferin in der Bäckerei Ways im oberbayerischen Moosinning. Gut 200 der Krapfen - die in anderen Regionen etwa Berliner, Kräppel oder Pfannkuchen genannt werden - gingen täglich über die Theke, sagte sie am Sonntag. Normalerweise verkauften sie ein Viertel davon.

Den eingebackenen Bon aus sogenanntem Fondant hat der Bäcker in Moosinning mit einem Lebensmitteldrucker wie einen echten Kassenbon gestaltet. Die Kunden seien alle sehr begeistert, doch die Aktion werde nach Fasching wieder beendet, sagte Helbig. Denn: „Den Papierbon müssen wir trotzdem austeilen“, sagte sie. Es sei ja schließlich Vorschrift.

Bonpflicht: So kreativ wehrt sich Deutschlands Mittelstand

Ein Krapfen mit einem Kassenbon aus Fondant, einer essbaren Zuckermasse. In der Bäckerei Ways werden diese "Kassenbonkrapfen" als Faschingsidee und Reaktion auf die Kassenbonpflicht angeboten. © picture alliance/dpa

Bei aller Kritik an der neuen Bonpflicht: So unverhofft schnell kam sie nicht auf Deutschlands Einzelhandel zu. Die neue „Verordnung zu Bestimmung der technischen Anforderungen an elektronische Aufzeichnungs- und Sicherungssysteme im Geschäftsverkehr“, wie die Kassensicherungsverordnung offiziell heißt, wurde bereits am 1. Juni 2017 im Bundestag verabschiedet, zweieinhalb Jahre also Zeit, um sich auf die Umstellung vorzubereiten.

Technische Alternativen wie der eBon

Geradezu mustergültig ist das Thema die Handelskette Rewe angegangen. Hier informierte man sehr früh, dass man als Kunde von Rewe die umweltunfreundliche und papierreiche Bonpflicht umgehen könnte, in dem man auf Rewe eBons umsteige und dann nach Abschluss eines Kaufs in einem Rewe-Markt ihren Kassenbon als eBon erhalten.

Dieser wird dabei als PDF-Datei per E-Mail verschickt und im Rewe Kundenkonto gespeichert. Voraussetzung für den eBon ist jedoch, dass der Kunde über eine Payback-Karte verfügt, da diese im System von Rewe hinterlegt und beim Einkauf vorgelegt wird.

Andere Händler setzen auf den Einsatz von QR-Codes, die dem Kunden per Display an der Kasse angezeigt werden. Ein smartes System hierzu hat Greenbill herausgebracht. Hier wird ein Mini-Computer als Drucker verwendet. Der Beleg wird nicht mehr automatisch ausgedruckt, sondern übersichtlich auf einem Tablet dem Kunden dargestellt. Nach der Kontrolle kann der Kunde den Beleg per QR-Code scannen, an die eigene E-Mail-Adresse senden, drucken lassen, oder umweltfreundlich ablehnen.

RND/casc/dpa

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