Bodo Bernsdorf pendelt zwischen Büroarbeiten und Feuerwehreinsätzen

dzEhrenamt

Nicht jede ehrenamtliche Tätigkeit lässt sich mit einem Hauptberuf in Einklang bringen. Gerade die Freiwillige Feuerwehr steht in diesem Punkt vor Herausforderungen.

von Julian Reimann

Werne

, 26.11.2018, 11:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Egal, ob es in einer Wohnung brennt oder mehrere Fahrzeuge einen Unfall gebaut haben – die Feuerwehr muss zu jeder Tageszeit innerhalb kürzester Zeit am Einsatzort sein. Für eine Freiwillige Feuerwehr, wie die in Werne, die nur aus Ehrenamtlern besteht, bedeutet das eine besondere Herausforderung.

Dr. Bodo Bernsdorf (55) ist einer von 80 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten, die für den Bereich Stadtmitte zuständig sind. Der mittlerweile seit 18 Jahren aktive Feuerwehrmann bekleidet dort das Amt des Löschzugführers. Er hat uns berichtet, wie das Leben mit Ehrenamt und Beruf aussieht.

Wenn der Alarm geht, muss es schnell gehen

„Unseren Melder müssen wir die ganze Zeit mit uns tragen“, berichtet Bernsdorf. „Dann kann es auch schon mal sein, dass man aus dem Bett oder von einer Geburtstagsfeier weggeklingelt wird.“ Er selbst hat sich mit der Zeit daran gewöhnt. Und auch in seinem Freundeskreis wird in solchen Situationen verständnisvoll reagiert. Selbst wenn Einsätze an Heiligabend oder Silvester geführt werden müssen.

Wenn der Melder dann piept, muss es ganz schnell gehen. Insgesamt haben die Feuerwehrmänner vom ersten Alarm an acht Minuten Zeit, um am Einsatzort zu erscheinen. Dabei gilt eine Faustregel von drei Minuten Weg zur Wache, eine Minute umziehen und dann bleiben noch vier Minuten, um mit den Feuerwehrfahrzeugen zum Einsatzort zu gelangen.

Effizienz muss gewährleistet sein

Die Freiwillige Feuerwehr Werne, die nächstes Jahr ihr 140-jähriges Bestehen feiert, muss sich jährlich einer Prüfung unterziehen, ob diese Zeiten auch eingehalten werden. In mindestens 85 Prozent der Fälle dürfen die acht Minuten nicht überschritten werden, ansonsten würde es dauerhaft auf eine hauptberufliche Wehr hinauslaufen.

Das Schwierigste an der Sache ist: Bernsdorf und seine Kameraden arbeiten alle hauptberuflich eben nicht bei der Feuerwehr, sondern führen die Einsätze zusätzlich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit aus. Das macht das Ehrenamt für die Freiwillige Feuerwehr einzigartig und stellt ihre Mitglieder vor unterschiedliche Herausforderungen.

Arrangement mit dem Arbeitgeber

Bernsdorf ist studierter Geograf und arbeitet in einem Unternehmen in Münster, wo er in den Bereichen Geodatenmanagement und Katastrophenschutz tätig ist. Die Verbindung zu seinem Ehrenamt als Feuerwehrmann ist zwar vorhanden. Die offensichtliche Schwierigkeit im Falle eines Einsatzes – nämlich dass er nicht innerhalb von drei Minuten in Werne sein kann – bleibt dennoch.

„Ich habe meinem Arbeitgeber klar gemacht, dass ich sehr Wert auf meine ehrenamtliche Tätigkeit lege“, erklärt Bernsdorf. „Viele Arbeitgeber verhalten sich dann sehr kooperativ.“ So auch in seinem Fall. Er darf zwei Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten. Zusätzlich ist es auch mal in Ordnung, wenn er nach einem Nachteinsatz den Folgetag frei nimmt oder etwas später erscheint.

Nicht jeder darf seinen Arbeitsplatz verlassen

Die Lösung, die Bernsdorf gefunden hat, um Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen, gilt jedoch nicht für jeden der ehrenamtlichen Feuerwehrmänner. Viele arbeiten zwar in Werne und könnten schnell am Einsatzort sein, jedoch erlaubt es nicht jeder Beruf und schon gar nicht jeder Arbeitgeber, dass die Angestellten spontan ihren Arbeitsplatz verlassen.

„Im produzierenden Gewerbe können unsere Kameraden nicht einfach alles stehen und liegen lassen“, so Bernsdorf im Gespräch mit der Redaktion. Mit einigen wenigen Arbeitgebern habe man sich auch nicht einigen können. „Die meisten zeigen aber zum Glück Verständnis für unser Ehrenamt.“ Auch wenn das Brandschutzhilfeleistungsgesetz in Deutschland festlegt, dass Arbeitgeber ehrenamtliche Feuerwehrleute für einen Einsatz abstellen müssen, verzichten Bernsdorfs Kameraden in Streitfällen jedoch auf einen Rechtsstreit.

20 Stunden Ehrenamt pro Person und Woche

Für die Feuerwehrmänner, die ihre ehrenamtliche Tätigkeit ausschließlich in ihre Freizeit legen müssen, gibt es in Werne aber auch eine Lösung: Neben Wochenendeinsätzen bietet sich die Möglichkeit, im 14-tägigen Wechsel Bereitschaftsdienste zu übernehmen. Die gehen dann von nachmittags 16 Uhr bis 7 Uhr am nächsten Morgen.

Somit kommen die Werner Feuerwehrleute auf drei bis fünf Einsatzstunden pro Person und Woche. Zusätzlich fallen noch Dienstabende und Fortbildungsstunden an, sodass die meisten auf 20 Stunden Ehrenamt pro Woche kommen. Für die knapp 300 Einsätze, die in Werne jährlich anfallen, sollen schließlich rund um die Uhr genügend Einsatzkräfte zur Verfügung stehen.

Trotz des hohen Zeitaufwandes merkt man Bernsdorf an, dass er nicht auf seine ehrenamtliche Tätigkeit verzichten möchte. „Nach 18 Jahren THW kam ich im Jahr 2000 zur Feuerwehr in Werne“, berichtet er. „Ich bin froh, dass ich meine Leidschaft – die Arbeit bei der Feuerwehr – frei ausüben und mit meinem Beruf vereinbaren kann.“

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