Reis: „Ein Traum“ - Vorbilder Heynckes und Toppmöller

Bochums neuer Chefcoach Thomas Reis geht seine schwierige Mission mit Elan und Selbstbewusstsein an. Von Heynckes und Toppmöller habe er „viel mitgenommen“. Nun soll er auf seiner ersten Profi-Station den Zweitliga-17. aus der Krise führen.

09.09.2019, 10:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Leger in Jeans, schwarzem Kapuzenpulli, weißen Turnschuhen und voller Tatendrang ist Thomas Reis in seine schwierige Mission beim kriselnden Fußball-Zweitligisten VfL Bochum gestartet. Der 45-Jährige geht die Mammut-Aufgabe bei seinem Herzensclub mit klaren Vorstellungen und großem Selbstbewusstsein an. „Ich habe zwölf Jahre als Trainer Erfahrungen gesammelt und bin jetzt bereit für den nächsten Schritt“, sagte der Fußball-Lehrer bei seiner Präsentation im Ruhrstadion am Montagmorgen in Bochum. „Mein Traum war immer, als Cheftrainer bei einer ersten Mannschaft im Profifußball zu arbeiten. Jeder weiß, wie sehr mir die Stadt und der Verein am Herzen liegen. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“

Anschließend leitete Reis als Nachfolger von Robin Dutt, von dem sich der Traditionsclub vor 14 Tagen getrennt hatte, seine erste Übungseinheit auf dem Trainingsplatz an der Castroper Straße. Seine wichtigsten Aufgaben seien zunächst, die Mannschaft und die verschiedenen Charaktere so schnell wie möglich kennenzulernen. „Ich werde viele Einzelgespräche führen, will die Spieler abholen und mitnehmen“, kündigte Reis an, der einen zielstrebigen und kommunikativen Eindruck vermittelte und womöglich genau der Richtige ist, um den verunsicherten VfL-Profis nach dem miserablen Saisonstart mit nur zwei Punkten aus den ersten fünf Ligaspielen wieder Selbstvertrauen einzuimpfen.

„Die Spieler bekommen einen klaren Plan an die Hand. Wir wollen mehr agieren als reagieren. Aber wir brauchen auch Kompaktheit, wollen aktiv verteidigen und mutig nach vorn spielen, um die Mannschaft wieder dahin zu bringen, wo sie hingehört“, skizzierte Reis seine Vorstellungen. Sein Debüt als Chefcoach bei den Profis feiert Reis am kommenden Sonntag (13.30 Uhr/Sky) mit dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden. Dann soll dem Tabellen-17. der erste Saisonsieg gelingen. „Das würde helfen. Meine Aufgabe ist es, die Pessimisten zu Optimisten zu machen.“

Reis hat Bochumer Stallgeruch. Insgesamt war er 17 Jahre lang als Spieler, Co-Trainer sowie als U23- und Jugendcoach für den VfL tätig, bevor er 2016 zum VfL Wolfsburg wechselte und dort die U19 übernahm. Den Nachwuchs der „Wölfe“ führt er zu zwei Meisterschaften in der Junioren-Bundesliga Nord/Nordost. Nun heißt die Realität für den studierten Sportfachwirt, der vor vier Jahren seine Fußballlehrer-Lizenz erwarb, Abstiegskampf in der 2. Liga.

176 Erst- und Zweitligaspiele hat er als Spieler für den Revierclub bestritten und war Bestandteil jener Mannschaft, die 1997 bis ins UEFA-Cup-Achtelfinale vorstieß - längst vergangene, aber glorreiche Zeiten. Kein Wunder, dass Reis den damaligen Erfolgstrainer Klaus Toppmöller und Jupp Heynckes, unter dem als Jungprofi bei Eintracht Frankfurt spielen durfte, unter anderen als Vorbilder nennt. „Von ihnen haben ich viel mitgenommen.“ Heynckes habe ihm als jungem Spieler vermittelt, wie „wichtig ich bin“ und „hat mich auch unterstützt, als ich mal länger verletzt war“. Er versuche, von jedem Trainer das Beste für seine eigene Arbeitsweise herauszupicken.

Sebastian Schindzielorz erläuterte, warum die Wahl auf Reis fiel: „Er ist ein bodenständiger Typ, der für harte Arbeit steht und sich voll mit unserem Verein identifiziert. Er kennt unsere Philosophie, die Nachwuchsabteilung Talentwerk und alle Abläufe“, betonte Bochums Geschäftsführer Sport. Gefallen habe ihm zudem „die Art, wie Thomas alle seine Teams Fußball spielen lässt“.

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