Blick in die Geschichte: Als Wasserstationen in Unna noch „Kümpe“ hießen

dzTrinkwasser

Das Konzept, dass Bürger ihre leeren Wasserbehälter in der Stadt kostenlos auffüllen können, ist in Unna eigentlich ein uraltes.

Unna

, 18.10.2018, 15:28 Uhr / Lesedauer: 1 min

Und einst waren es nicht drei Nachfüllstationen mit eingeschränkten Öffnungszeiten wie heute, sondern ganze 45, benutzbar rund um die Uhr. Fairerweise muss dazu erklärt werden: Diese Versorgungseinrichtungen gab es zu einer Zeit, als es überhaupt noch keine Wasserleitungen und Anschlüsse in den Häusern gab. Vor 130 Jahren erst ging das Ruhrwasserwerk in Betrieb, von dem aus Trinkwasser über die Haar nach Unna gepumpt wurde und wird. Zuvor war es schwierig gewesen, die Menschen in Unna mit frischem Wasser zu versorgen, denn die Stadt galt immer schon als wasserarm. So beschreibt es Historiker Klaus Basner in einem Beitrag in der Stadtchronik. Schon im Mittelalter wurden deswegen Quellen im Bornekamp angezapft, und über hölzerne Leitungen wurde das Wasser in die Stadt befördert. Diese „Gotten“ speisten 45 öffentliche Wasserbehälter, die „Kümpe“ genannt wurden.

Ein Plan aus Klaus Basners Chronik „Unna. Historisches Porträt einer Stadt, Band 2“ zeigt alle Standorte der öffentlichen Wasserentnahmestellen in Unna im Jahr 1860:

Karte Wasserkümpe in Unna 1860 (3384 kB)

Dort konnte jedermann mit dem Eimer Wasser entnehmen und nach Hause oder in seinen Betrieb bringen. Diese Art der Wasserversorgung war aber auch sehr problematisch. Während des Dreißigjährigen Kriegs zum Beispiel konnten die in Unna stationierten Streitkräfte in die Knie gezwungen werden, indem die feindlichen Truppen einfach die externe Wasserversorgung unterbrachen. Auch später gab es Probleme: Die Wasserentnahmestellen wurden durch unsachgemäßen Gebrauch verschmutzt, bei Dürre brachten sie zu wenig Wasser in die Stadt. Und irgendwann reichte das Wasser einfach nicht mehr aus. Hoher Bedarf in Brauereien und Industrieeinrichtungen führte schließlich zu der Überlegung für den Bau des Ruhrwasserwerks.