Bewohner vom Schwerter Heidekamp von Rodungsaktion entlang der Autobahn A1 überrascht

dzGrünstreifen zerstört

Um nicht mehr auf die graue Lärmschutzwand schauen zu müssen, hatten die Nachbarn vor 15 Jahren selbst Grün geplanzt. Am Samstag wurde es unangekündigt abgesäbelt. Wozu dient die Aktion?

Schwerterheide

, 18.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anwohner der Heidekamps wollten ihren Augen nicht trauen. Entsetzt blickten sie in Richtung Autobahn A1, von wo aus am Samstagmorgen das laute Kreischen von Motorsägen zu ihren Häusern herüberdrang. Männer mit roten Schutzhelmen waren dabei, sämtliches Grün entlang der Lärmschutzwand kurz und klein zu schneiden. Grün, das die Nachbarn vom Heideschicht in mehreren Pflanzaktionen zwischen 2003 und 2006 selbst mit dem Spaten in die Erde gesetzt hatten, um nicht mehr ständig die betongrauen Mauerelemente vor Augen zu haben.

Mithilfe von Sponsoren selbst gepflanzt

„Wir haben das mit Sponsoren gekauft und mit Genehmigung von Straßen NRW gepflanzt“, sagte Franz-Josef „Kiki“ Kneuper: „Jetzt informieren die uns nicht mal. Es ist nicht zu fassen.“ Auch andere Nachbarn waren aufgebracht, als sie die Bescherung am anderen Ende der Wiese sahen, die die andere Straßenseite säumt. Sämtliches Buschwerk auf dem Abschnitt zwischen Hörder Straße und Altem Dortmunder Weg lag abgesäbelt herum. Darunter auch viele Zweige voller gerade aufgeblühter Weidenkätzchen, die eigentlich den Bienen eine erste Nahrung im Frühling bieten sollten. Und dazwischen kreuz und quer die Stämme von Bäumen, die in den vergangenen Jahren prächtig gewachsen waren. „Die waren 15 Meter hoch“, berichteten Umstehende. Die Arbeiter hätten ihnen nicht sagen können, wer den Auftrag erteilt habe. Die Redaktion konnte am Wochenende auch keinen Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW erreichen, der normalerweise für Maßnahmen an Autobahnen verantwortlich ist.

Rätseln um möglichen Wirtschaftsweg

Gerätselt wurde deshalb auch, warum der Kahlschlag vorgenommen wurde. Einer wollte gehört haben, dass entlang der Lärmschutzwand ein Wirtschaftsweg angelegt werden solle - und zwar noch ein ganzes Stück über den Alten Dortmunder Weg hinweg bis zum Brunsiepen. Blieb aber die Frage nach dem Zweck so eines Weges. Vielleicht als Baustraße für ein Regenrückhaltebecken, von dem Anwohner wussten, dass es auf dem Grundstück des ehemaligen Sex-Clubs 100 an der Hörder Straßen angelegt werden solle? Damit solle die Entwässerung für den bevorstehenden zweispurigen Ausbau der B236 bis zur Autobahnauffahrt gesichert werden.

„Die Mauer ist wieder da“

Ob das stimmte, wusste aber keiner. Nur, dass vor fünf Jahren das Grün vor der Lärmschutzwand schon einmal ganz radikal gekappt worden sei. Als Erklärung sei den Nachbarn damals gesagt worden, dass der Pflanzstreifen versehentlich von der falschen Seite beschnitten worden sei. Am Samstagmittag war von ihm gar nichts mehr übrig. Michael Blocksdorf, der aus der ehemaligen DDR zum Heidekamp gezogen ist, fühlt sich durch den zerstörerischen Akt an längst überwundene Zeiten erinnert. „Ich war froh, dass die Mauer weg ist“, sagt er: „Jetzt ist sie wieder da.“

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