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Bewohner sind fassungslos

Von der Räumung überrascht

Bei den Bewohnern der beiden Häuser herrscht fassungslose Ungläubigkeit, dass sie ihre Wohnungen auf unbestimmte Zeit verlassen müssen. Einige machen sich Sorgen um ihre Tiere.

Bergkamen

, 15.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Als die Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Mitteilung verteilen, dass alle Bewohner der Häuser Töddinghauser Straße 135 und 137 ihre Wohnungen innerhalb weniger Stunden räumen müssen, herrscht gespenstische Stille. Ein, zwei Bewohner beobachten die mit gelben Westen ausgestatteten städtischen Mitarbeiter kurz vom Balkon. Dann verschwinden sie wieder.

Sorge um die gehbehinderte Mutter

Erst nach einigen Minuten kommt ein Mann mit dem grünen Handzettel in der Hand aus dem Haus Nummer 135. Ungläubig fragt er eine Ordnungsamtsmitarbeiterin, was das soll. Seine gehbehinderte Mutter wohnt in dem mit Fahrstühlen ausgestatteten Haus. Als das Ordnungsamt bestätigt, dass seine Mutter bis 17 Uhr ihre Wohnung verlassen soll und er sie am besten zu sich nehmen soll, sagt er ungläubig: „Das geht nicht. Ich wohne doch im vierten Stock, ohne Aufzug.“ Erst kurz darauf wird er ärgerlich, flucht und verschwindet türenschlagend wieder im Haus.

Verständnis für Ärger und Wut

Die Mitarbeiterin des Ordnungsamts hat Verständnis. „Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde“, sagt sie. Mit Evakuierungen hat sie durch die vielen Räumungen von Weltkriegsbomben in Bergkamen Erfahrung mit Evakuierungen. Auch dabei gebe es immer einige Menschen, die um keinen Preis ihre Wohnung verlassen wollen, berichtet sie.

Niemand weiß, wie lange die Räumung dauert

Bei solchen Räumungsaktionen können die Menschen aber nach einigen Stunden wieder zurück. Auf die am meisten gestellte Frage, wie lange die Räumung dauert, können die städtischen Mitarbeiter aber keine Auskunft geben – außer: „Wir wissen es nicht, aber richten sie sich auf einen langen Zeitraum ein.“Die meisten Bewohner, bei denen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes schellen, sind zunächst einmal sprachlos. Irene Cieluch ist beim Hausputz überrascht worden. Sie versucht mit bleichem Gesicht den Inhalt des Handzettels zu verstehen. Anschließend ruft sie ihren Mann Andreas an, der auf der Arbeit ist und versucht, ihm das Unerklärliche zu erklären – dass das Ehepaar nach Jahren in der sorgfältig eingerichteten Wohnung von einem Moment auf den anderen obdachlos wird. „Das kann doch nicht sein“, sagt Andreas Cieluch fassungslos.

Angst um das geliebte Haustier

Bei seiner Frau kehrt erst wieder Entschlossenheit ein, als sie erfährt, dass sie ihren geliebten und mittlerweile fast zwölf Jahre alten Kater nicht mit in die Notunterkunft nehmen darf. „Ohne die Katze gehe ich nirgendwo hin“, sagt sie. Abu Fara, der mit Frau und drei Kindern im Haus wohnt, ist unterdessen dabei, sich bei seinem Arbeitgeber für den Tag frei zu nehmen. Die Familie will wohl vorübergehend in die Notunterkunft ziehen und dann schnell eine andere Wohnung suchen.