Zum 100. Gründungs-Geburtstag organisierte das Stadtmuseum 1999 eine Ausstellung zur Zeche Werne. Dass die erfolgreich war, lag unter anderem an der Spendenbereitschaft ehemaliger Kumpel.

Werne

, 11.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Als ich 1979 kam, gab es im Museum nichts zum Thema Bergbau“, sagt die ehemalige Museums-Chefin Heidelore Fertig-Möller (67). Vier Jahre war die Zeche da schon geschlossen. Nur im Archiv fand sie einiges an Archivalien und Unterlagen. „Aber Objekte zum Ausstellen - Fehlanzeige.“

Auf Initiative zweier engagierter Werner

Dass sich das geändert hat, ist einer Initiative zweier engagierter Werner Bürger 20 Jahre später zu danken. Denn der ehemalige Obersteiger der Zeche Werne und damalige Bürgermeister Willi Lülf regte gemeinsam mit Fertig-Möller eine Ausstellung zum 100. Gründungstag der Zeche Werne an.

Bergleute spenden massenhaft für die Werner Zechen-Ausstellung

Anfang der 2000er-Jahre fuhr Heidelore Fertig-Möller auf dem Bergwerk Heinrich Robert in Hamm ein (4. v. l.). Der Besuch unter Tage hat sie nachhaltig beeindruckt. Rechts der ehemalige Werner Bürgermeister Willi Lülf © Förderverein Heimatmuseum

Das war im Jahre 1999. Im August eröffnete die Schau im zweiten Obergeschoss des Heimatmuseums. Sie lief bis Januar 2000 „und war mit knapp 8000 Gästen eine der besucherstärksten Schauen im Museum“.“ Ein gewisser Stolz schwingt in ihrer Stimme mit, als sie diese Zahlen referiert.

Aufruf an die Bevölkerung gemacht

Aber was war zu sehen, wenn es doch gar nichts im Museum gab? „Wir haben einen Aufruf einige Monate vorher gemacht“, sagt die 67-Jährige. Bürger sollten leihweise private Schätze zur Verfügung stellen. Der Aufruf spülte Bergbau-Devotionalien ohne Ende ins kleine Museum. Meter-Stöcke, Bergbaukluft, dutzendweise Grubenlampen und vieles mehr.

Bergleute spenden massenhaft für die Werner Zechen-Ausstellung

Mit Original-Mütze und dem bergmännischen Meter-Stock: Heidelore Fertig-Möller (67), ehemalige Museumsleiterin. © Jörg Heckenkamp

Sogar ein armdickes, etwa einen Meter langes Stück Stahlseil von der Seilscheibe schleppte jemand an. Fertig-Möller lacht, als sie daran denkt. „Ich wusste erst gar nicht, worum es sich dabei handelt.“

Was sie damals besonders freute: Viele ehemalige Werner Kumpel, fast alle im Evenkamp wohnend, besuchten mit ihren Familien die Ausstellung. „Bergleute gehören ja sonst nicht zu den Hauptbesuchern von Heimatmuseen“, sagt sie und schmunzelt. Aber der museale Blick auf ihre ehemalige Arbeitsstätte lockte die Kumpel offensichtlich an wie Licht die Motten.

Viele schenkten ihre Schätze dem Museum

Willkommener Nebeneffekt der Schau: Viele verzichteten anschließend darauf, ihre Grubenlampen oder Ausrüstungsgegenstände wieder abzuholen. „Sie waren wohl der Meinung, dass die Sachen in unserem Museum besser aufgehoben sind als bei ihnen im Partykeller“, meint Fertig-Möller.

Außerdem entstand in Zusammenarbeit mit der VHS-Geschichtswerkstatt und dem Werner Verleger Peter Voß das Buch „Kohle war nicht....“ mit zahlreichen Erinnerungen.

Bergleute spenden massenhaft für die Werner Zechen-Ausstellung

Für die Konzeption der Ausstellung 100 Jahre Zeche Werne erhielt Fertig-Möller im Jahre 1999 die Urkunde über die Auszeichnung zum Ehrenknappen. © Jörg Heckenkamp

Ein zweiter Schub Bergbau-Erinnerungen, dieses Mal aber hauptsächlich Fotos, erreichte das Heimatmuseum zehn Jahre später. Da zeigte Fertig-Möller die Kombi-Schau „Heiße Sole, schwarze Kohle“ - 135 Jahre Sole-Kurbad und 110 Jahre Zeche Werne.

Foto-CD zur Geschichte der Zeche ist noch zu haben

Daraus stellte der Förderverein des Museums eine Foto-CD „Geschichte der Zeche Werne“ mit rund 100 Abbildungen zusammen, die heute noch zu haben ist.

Wenn die aktuelle Museumschefin Dr. Constanze Döhrer überlegt, dem Bergbau im Museum einen größeren Platz einzuräumen, kann sie auf genügend Ausstellungsstücke zurückgreifen. Dank der Werner Bürger, die vor fast 20 Jahren ihre Bergbau-Schätze zur Verfügung gestellt haben.

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