Die Lore beförderte Kohle in einer Schachtanlage, war Schmuckstück in einem Garten, dient als Kulisse für Hochzeitsfotos – und soll auf Bergbau-Vergangenheit im Schwerter Wald hinweisen.

Schwerte

, 03.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die pechschwarze Lore macht sich gut als Kontrast zum blütenweißen Hochzeitskleid. Als Kulisse fürs Erinnerungsfoto an den schönsten Tag in ihrem Leben haben unzählige Paare das Bergbau-Relikt am Freischütz gewählt. Wie für diesen Zweck gemacht, wartet es auf einem kurzen Schienenstummel neben der Parkplatz-Einfahrt zu dem Waldrestaurant. Dabei hat der Aussichtsturm des historischen Saalbaus niemals Konkurrenz durch ein Zechen-Fördergerüst gehabt. Die Lore, zu der Bergleute fachmännisch „Hunt“ sagen würden, ist ein Import von irgendeiner Dortmunder Schachtanlage und genießt an der Hörder Straße ihr drittes Leben.

Der damalige Ortsheimatpfleger und Heimatvereins-Vorsitzende Josef Wilkes (1925-2011) hat den zweiachsigen Förderwagen der Stadt zum Geschenk gemacht, als er im November 1995 seinen 70. Geburtstagfeierte. Zuvor hatte das Bergbau-Relikt viele Jahre den Vorgarten seines Wohnhauses am Osthellweg geschmückt – an der Stirnseite bemalt mit Augen, Nase und einem breit lachenden Mund. Die Mulde aus schwerem Eisen machte sich – gefüllt mit Gartenerde – als Pflanzbeet für Tulpen und andere Blumen nützlich. Der Puffer darunter war mit senkrechten Pinselstrichen zum Kinnbärtchen geworden.

Verwandlung der Lore

Am Freischütz gab sich die Lore aber wieder in seriösem Schwarz. Die Idee von Wilkes war es, dass sie an dieser markanten Stelle nicht nur die Besucher begrüßen sollte, die von Dortmund her in die Stadt fahren. Gleichzeitig sollte das Symbol auf die bergbauhistorische Vergangenheit im Schwerter Wald aufmerksam machen.

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Auf Kohle hatte es der Hörder Fabrikant Hermann Piepenstock allerdings nicht abgesehen, als er dort Mitte des 18. Jahrhunderts schürfen ließ. Er suchte nach Kohleneisenstein, den er in seiner Hörder „Hermannshütte“ zu Stahl schmelzen wollte. „Er ist fündig geworden mit der Zeche Josephine hinter dem Freischütz“, erzählt der frühere Schichtmeister des Heideschichts, Helmut Eckhardt.

Wenig Kohle unter Tage

Westlich der Hörder Straße wurde ein schließlich 104 Meter langer Stollen vorangetrieben, aus dem von 1853 bis 1869 nach Kohleneisenstein gebuddelt wurde. Bis zu 82 Mitarbeiter förderten dort jährlich im Schnitt 4700 Tonnen des Bodenschatzes, wie die Zeitung „Aktive Senioren“ im Jahre 2007 in einer Chronik berichtete. Allerdings war die begehrte Bodenschicht unter der Erde nur gut einen Meter dick. Und ihr Eisenanteil erreichte gerade mal 30 Prozent.

Östlich der Hörder Straße betrieb die Hermannshütte zudem die Zeche Schottland, aus der neben Eisenstein auch Steinkohle herausgeholt wurde. Lohnend war der Abbau aber nicht. „Man sprach von ,Zeche eimerweise`“, nennt Eckhardt den abfälligen Namen, der auf der Heide seine Runde machte. Der Abbau schlief bald ein. Nur Kriegszeiten trieben die frierenden Schwerter auf der Suche nach Brennmaterial noch einmal dorthin.

Lore und die GeoRoute Ruhr

An der Lore am Freischütz beginnt heute die GeoRoute Ruhr. Der 180 Kilometer lange Wanderweg führt auf seiner Route bis nach Mülheim/Ruhr vorbei an vielen spannenden Hinterlassenschaften der Erdgeschichte – nicht nur Kohle. Auf Schwerter Gebiet lässt sich an seinem Rand ein „Lochstein“ entdecken, der einst die Grenze der Zeche Josephine absteckte. Und der blaue See im Schwerter Wald. Der ist allerdings kein eingestürzter Stolleneingang, sondern die Grube eines Steinbruchs, mit dessen Material aber auch Bergbaustollen aufgefüllt wurden.

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Auch wenn die Lore kein Schwerter Original ist, hat sie der Schwerter Heimatverein liebevoll unter seine Fittiche genommen. „Alle zwei Jahre wird sie von uns geschrubbt und frisch schwarz angepinselt“, sagt Vorsitzender Uwe Fuhrmann. Er geht davon aus, dass das Denkmalstück auch bei der Verbreiterung der Hörder Straße seinen Standort behält: „Vielleicht ein paar Meter weiter versetzt.“

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