Bereit für den Warntag - und wie die Feuerwehr beim Stromausfall handlungsfähig bleibt

dzModerne Alarmsysteme

Am 7. März ist wieder landesweiter Probealarm angesagt. Ab 10 Uhr geht es los. Wir haben nachgefragt, wie modern die Alarmsysteme in Selm sind und wie digital die Feuerwehr aufgestellt ist.

Selm

, 06.03.2019, 17:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach der Lautstärke ist vor der Lautstärke. Die letzten Helau-Rufe sind verklungen, jetzt wird es am Donnerstag, 7. März, um 10 Uhr wieder laut. Allerdings nur kurz. Wie schon im September vergangenen Jahres gibt es einen landesweiten Sirenentest.

Es geht wieder darum auf die Bedeutung der Warnsignale hinzuweisen. Auf die rund 140 Sirenen im Kreis greifen die Bevölkerungsschützer zurück, wenn es ernst wird.

Mit dem Heulen wird die Bevölkerung bei großen Schadenslagen und Katastrophen gewarnt – etwa bei Bombenentschärfungen, Großbränden oder Unwettern. Das setzt voraus, dass sie dann auch funktionieren. Deshalb die regelmäßigen Tests. Aber auch die Bevölkerung muss wissen, was die jeweiligen Signale der Sirenen bedeuten.

Unterschied zum Warntag im vergangenen Jahr

Der Unterschied zum landesweiten „Warntag NRW“, wie dieser Test im September ausgerufen wurde, ist, dass dieses Mal nur die Sirenen testweise warnen, wie Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna auf Anfrage erklärt. Im September hingegen testete das Land alle Warnmittel, wie etwa auch die Warn-App „NINA“ (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes). Diesmal handele es sich für den Kreis Unna nur um den „kleinen Märztest“, wie Rolke, es formuliert.

„Nach Vorgaben des Warnerlasses NRW wird an jedem ersten Donnerstag im März und September um 10 Uhr ein landesweiter Probealarm ausgelöst. Die Signalfolge ist im Warnerlass festgelegt“, heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung des Landes.

„Die Stadtverwaltung hält regelmäßige Test der Sirenen für sinnvoll. Selbst heute, wo fast jeder ein Smartphone besitzt, ist die Alarmierung der Bevölkerung in Großschadensfällen über die Sirenen sinnvoll, da nicht jeder Nutzer eine App wie etwa „NINA“ hat. Die Bevölkerung wird durch einen solch angekündigten Test für die Bedeutungen der Signale sensibilisiert“, wie Selms Stadtsprecher Malte Woesmann mitteilt. Die Signale werden im Abstand von circa fünf Minuten ertönen, sagt er.

Und dann gibt es eine Kombination aus Entwarnung (Dauerton), der Warnung („Heulton“ mit einem Auf und Ab) wieder abgelöst von der erneuten Entwarnung.

Sirene als Pilz oder Lautsprecher

„Ich finde diese Kampagnen gut und die Resonanz ist auch gut“, sagt Thomas Isermann von der Freiwilligen Feuerwehr Selm. „Dass man erkannt hat, dass man die Sirenen wieder brauchen könnte, finde ich optimal“, sagt er. Bei einer größeren Gefahrenlage, wo es sich lohne im gesamten Stadtgebiet zu warnen, seien die Sirenen auch eine gute Unterstützung für die Feuerwehr.

Bereit für den Warntag - und wie die Feuerwehr beim Stromausfall handlungsfähig bleibt

So oder so ähnlich sehen die modernen, rein elektronischen Sirenen aus. Hier ist eine aus Köln zu sehen. © dpa (Archiv)

Die Themen Digitalisierung und Modernisierung machen auch vor der Feuerwehr und generellen Sicherheit nicht Halt. Das lässt sich schon auf so manchem Dach erkennen: Es gibt zwei unterschiedliche Arten der Sirenen.

Die klassische Version mutet etwas wie ein Pilz an. Dabei handelt es sich um eine elektromechanische Sirene. Die moderneren hingegen sehen eher wie Lautsprecher aus. Es gibt sie je nach Verwendung mit 600 oder 1200 Watt.

Im Selmer Stadtgebiet gibt es noch beide Versionen, etwa an den Stadtwerken in der Industriestraße, einem Standort den es erst seit 2016 gibt, die moderne Version. An Burg Botzlar befindet sich etwa noch das sogenannte E57-Modell aus den 60er-Jahren mit der Kuppel.

„Das Klangbild ist schon ein anderes“, sagt Thomas Isermann. Die rein elektronischen Sirenen wären aber etwas stärker, hätten eine größere Reichweite.

Stadtsprecher Malte Woesmann meint außerdem, dass mit den elektronischen Sirenen auch Lautsprecherdurchsagen möglich seien. Außerdem laufen sie bei einem Stromausfall auf Akkubetrieb.

Bereit für den Warntag - und wie die Feuerwehr beim Stromausfall handlungsfähig bleibt

Auf der Burg Botzlar steht die alte Sirene. © Archiv

Und dann, gegen 10 Uhr, wird in der Rettungsleitstelle des Kreises der Knopf gedrückt und alle 140 Sirenen des Kreises erschallen gleichzeitig – hoffentlich. Die Stadtverwaltung Selm kann im übrigen nicht die Sirenen in Selm auslösen. Dies geht nur aus Unna, erklärt Woesmann.

Digitale Feuerwehr

Auch für die Feuerwehr ein gutes zusätzliches Mittel der Warnung, sollten die anderen Alarmierungsmittel ausfallen. Die Selmer Feuerwehrleute sind mit den sogenannten Funkmeldeempfängern, also im Prinzip Pagern, ausgestattet. Auch diese sind schon moderner. Mittlerweile bekämen die neueren Modelle Textnachrichten in denen steht, worum es in etwa geht und nicht mehr nur die einfachere Alarmierung, erklärt Isermann.

Zusätzlich bekommen die Selmer Feuerwehrkameraden eine Nachricht auf das Handy – entweder als Anruf oder Benachrichtigung in einer entsprechenden App. „Man hat tatsächlich nicht immer überall Pagerempfang, wo das Handynetz aber noch hinkommt“, meint Isermann. In seinem Beruf als Schornsteinfeger, wo er nicht nur auf Dächern sondern auch in Kellern zu tun hat, habe er das schon häufiger festgestellt.

Zudem hat die Feuerwehr Selm mittlerweile Computer, die die Leitstelle entlasten, da sie als eigene kleine Leitstelle die Informationen über die Einsätze erhalten. Die Einsatzleitwagen arbeiten mittlerweile auch mit zwei Computern, erklärt Thomas Isermann.

Lahmgelegt durch Stromausfall?

Doch was passiert, wenn es tatsächlich so weit kommen sollte und der Strom großflächig ausfällt? Für die modernen Sirenen kein Problem, doch was ist mit der Feuerwehr? Ist sie bei all der Digitalisierung durch einen Stromausfall nicht lahmgelegt? „Wir könnten auch dann noch handeln“, meint der Stadtbrandinspektor.

Zumal es Planungen gebe, die größeren Gerätehäuser mit Notstromaggregaten auszustatten. Fahrbare Stromgeneratoren, die es möglich machen sollen zu heizen und die Küche zu benutzen. So könne man in absoluten Notsituationen auch Leute betreuen, sagt Isermann. Die Planungsphase fand im vergangenen Jahr statt. In diesem Jahr soll das Ganze nach Möglichkeit umgesetzt werden.

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