Beratungsstelle des Multikulturellen Forums in Lünen steht möglicherweise vor dem Aus

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Mehr als 2000 Beratungen hat die Erwerbslosenberatungsstelle des Multikulturellen Forums seit 2016 durchgeführt. Ende 2020 läuft die Förderung aus. Ob sie fortgesetzt wird, ist unklar.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 12.12.2019, 10:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sehen sich mit ihrer Lage unweit des Hauptbahnhofs an der Münsterstraße 46b sowohl räumlich aber auch inhaltlich zwischen Jobcenter und Arbeitsamt: Die Mitarbeiter der Erwerbslosenberatung im Multikulturellen Forum. Besprochen werden hier Themen wie Arbeitslosigkeit, Jobsuche oder Sozialleistungen.

Neu im Programm sind Arbeitsrecht und Beratung zu „ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen“, wie Überschreitung der Arbeitszeit oder Unterschreitung des Mindestlohns. 2204 Beratungen waren es seit der Eröffnung im August 2016. Jetzt, da im Raum steht, dass die Beratungsstelle nach Ablauf des Förderzeitraums Ende 2020 nicht erneut bezuschusst wird, war am Montag (9.12.) der Landtagsabgeordnete und Lüner Bürgermeisterkandidat Rainer Schmeltzer (SPD) zu Besuch. „Ich mache mir Sorgen über die Zukunft der Beratungsstelle, denn sie leistet für die Stadt einen sehr wichtigen Beitrag“, sagte der ehemalige NRW-Arbeitsminister.

Jeden Tag sechs Beratungssuchende

2020 läuft die Förderung aus

Gefördert wird die Erwerbslosenberatungsstelle seit 2016 durch die EU, den Europäischen Sozialfonds und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Anfang des Jahres wird das Multikulturelle Forum aufgrund der großen Resonanz einen neuen Antrag stellen. Bisher ist völlig ungewiss, ob dieser bewilligt wird. Parallel wird im NRW-Landtag aktuell diskutiert, den Aufgabenbereich der Erwerbslosenberatungsstellen auf die Beratung im Bereich Arbeitsrecht auszuweiten. Derzeit arbeitet die Beratungsstelle überwiegend präventiv. Wenn dies beschlossen werden sollte, sei die bisherige Arbeit unter denselben Voraussetzungen und im selben Umfang kaum noch leistbar. Außerdem möchte man sich gerne auch auf andere Standorte ausweiten. Geöffnet ist die Erwerbslosenberatungsstelle montags bis donnerstags von 9.15 bis 16 Uhr und freitags von 9.15 bis 12.30 Uhr.

„Oft kommen Menschen mit Anträgen aller Art, zum Beispiel zum Arbeitslosengeld II oder Wohn- und Kindergeld zu uns“, beschreibt Mitarbeiterin Anja Mölders den Aufgabenbereich.

„Wir helfen dann dabei, das Behördendeutsch der Anträge überhaupt zu verstehen, wir vermitteln auch Arbeits- und Ausbildungsstellen, helfen bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen, vermitteln in Weiterbildungsangebote oder formulieren Widersprüche, wenn zum Beispiel Gelder zu Unrecht gekürzt werden.“

Wenn sie merkt, dass nur sehr wenig Sprachkenntnisse vorhanden sind, vermittelt sie die Beratungssuchenden auch in Sprachkurse, wenn jemand orientierungslos ist, vermittelt sie zusammen mit ihrem Kollegen Bernd Wagener, mit dem sie sich die Sozialpädagogin die Stelle teilt, Programme zur Berufsfindung. „Da ist die neunköpfige Familie, die Anspruch auf ALG II und Kindergeld hat, oder der Syrer, der in seiner Heimat 20 Jahre als Elektriker gearbeitet hat, das aber nicht nachweisen kann.“

Beratungsstelle schloss Lücke

„Zieht man die Wochenenden ab, kommen jeden Tag im Schnitt und auf die Gesamtlaufzeit gesehen sechs Beratungssuchende“, rechnet Kenan Küçük, Geschäftsführer des Multikulturellen Forums, vor. An manchen Tagen seien es auch zehn oder 15 Ratssuchende, bei denen über eine Stunde Beratungszeit keine Seltenheit ist. „ Wir haben hier in Lünen eine hohe Anzahl an Menschen, die von Erwerbslosigkeit betroffen sind, und auch viele Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn sie keine Beratung gefunden hätten, wären sie wahrscheinlich ins Bodenlose gefallen“, sagt Küçük. Als sie 2016 eröffnet wurde habe sie eine große Lücke gefüllt: „Wir suchen nicht die Menschen, sondern die Menschen kommen zu uns“, so Küçük „Und dadurch dass ja erwiesenermaßen die beste Integration auf dem Arbeitsmarkt stattfindet, lösen wir auch langfristig Probleme.“

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