Bender lässt Leverkusen vom Wunder träumen

Nach katastrophalem Start in der Champions League hat Bayer Leverkusen mit dem Überwintern im Europacup sein Mindestziel erreicht. Und sogar das Weiterkommen in der Königsklasse ist noch möglich - dank des siebten Eigentors und „Anker“ Sven Bender.

27.11.2019, 11:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch am nächsten Tag am Flughafen lachte Rudi Völler über das Eigentor-Glück von Bayer Leverkusen - und schwärmte von Sven Bender. „Das war Lewandowski-like“, sagte der Sportchef über das Tor Benders am Vorabend zum 2:0 (1:0)-Endstand bei Lokomotive Moskau.

Dass man Spieler wie Sven Bender braucht, um Fußball-Wunder zu schaffen, hat Jürgen Klopp schon vor Jahren erkannt. „Er geht mit dem Kopf hin, wo andere den Fuß wegziehen“, hatte der damalige Trainer von Borussia Dortmund über seinen Spieler Bender gesagt. Darauf nach einem der prägnantesten Spiele seiner Karriere angesprochen, musste Bender am Dienstag erst einmal laut lachen. „Ja“, sagte der Abwehrchef des Bundesligisten: „Wahrscheinlich bin ich so blöd. Aber wenn man in einer solch geilen Truppe mit coolen Jungs spielt, macht es auch Spaß, wenn es weh tut.“

Diese „coolen Jungs“ haben nach dem Sieg in Russland das Minimalziel Europa League erreicht. Dabei hatten sie vor Benders erstem Europacup-Tor (54.) vom siebten Eigentor-Geschenk dieser Saison durch Rifat Schemaletdinow (11.) profitiert. „In dieser Dichte habe ich das auch noch nicht erlebt“, sagte Völler, der bereits seit 42 Jahren im Profi-Fußball ist. Der Sportchef legte aber auch Wert darauf, dass diese ungewöhnliche Serie in nur 19 Pflichtspielen „kein Zufall“ ist.

Plötzlich hat sein Team die Chance auf eines der größten Wunder der Champions-League-Historie. Bayer muss am 11. Dezember Juventus Turin schlagen und kann hoffen, dass die bereits als Gruppensieger feststehenden Italiener mit einer B-Elf antreten. Dazu müssen die sicher ausgeschiedenen Russen fünf Tage nach dem eigentlichen Beginn ihrer Winterpause in Madrid punkten. „Wir können jetzt befreit aufspielen“, sagte Völler: „Wir wollen einen tollen Fußball-Abend erleben, das Spiel gewinnen. Und dann schauen wir, was passiert.“

Moskaus Ex-Weltmeister Benedikt Höwedes kündigte bereits an, dass „wir alles tun werden, um uns anständig zu verabschieden.“ Und Torhüter Lukas Hradecky stellte schon eine Belohnung in Aussicht. „Wenn sie das schaffen, schicken wir ein paar Flaschen Wodka rüber.“ Es wäre erst das zweite Mal seit Gründung der Champions League 1992, dass ein Team nach drei Niederlagen zum Auftakt noch weiterkommt. Zuvor hatte das Newcastle United in der Saison 2002/03 geschafft.

Doch natürlich stehen die Chancen darauf nicht sehr gut. Auf gar nur vier bis fünf Prozent bezifferte sie Sportdirektor Simon Rolfes. „Atlético ist zu Hause natürlich Favorit, aber es sind schon seltsame Dinge im Fußball passiert“, sagte er. An die Erfüllung der eigenen Pflicht glaubt Rolfes freilich: „Wir haben Atlético zu Hause geschlagen, wir können auch Juve zu Hause schlagen.“

Die Hoffnungen dabei ruhen nicht zuletzt auf Bender. Der Ex-Nationalspieler, Abwehrchef und Kapitäns-Bruder ist seit Wochen der überragende Spieler. Dass es der Anführer war, der das zum Gewinn des Direktvergleichs wichtige 2:0 im kalten Moskau schoss, schien da nur folgerichtig. „Der Ball hing da so in der Luft - da hab ich ihn halt reingeschossen“, erklärte der 30-Jährige seinen sehenswerten Volleyschuss.

Seinen Wert für die Mannschaft sehen die Mitspieler nicht so lapidar. „Mit seiner Präsenz, Routine und Erfahrung ist er unheimlich wichtig für uns“, sagte Julian Baumgartlinger. „Solche Spieler braucht man, wenn es Spitz auf Knopf steht. Er ist ein echter Anker für uns.“ Bender sei „ein wichtiger Stabilisator für unser Spiel. Ein erfahrener Hase, der Sicherheit gibt“, lobte Rolfes. Und ergänzte lachend: „Und dass er ein Torjäger ist, wusste ich schon immer.“

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