Beierlorzer und Veh: Es begann mit einer Ausmusterung

1996 sortierte der Trainer Armin Veh in Fürth den Spieler Achim Beierlorzer aus. 23 Jahre später machte er ihn als Sportchef des 1. FC Köln zum Bundesliga-Trainer. Beierlorzer war nie nachtragend und Veh ist inzwischen voll von ihm überzeugt.

14.08.2019, 13:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Armin Veh und Achim Beierlorzer zusammen auftreten, merkt man sofort, dass die Chemie stimmt. Der Sportchef und der neue Trainer des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln verstehen sich gut, lachen viel miteinander. Dabei deutete bei ihrem ersten Aufeinandertreffen wenig auf eine lebenslange Freundschaft hin. 1996 kam Veh als Trainer nach Fürth, wo die dortige SpVgg gerade mit dem TSV Vestenbergsgreuth fusionierte. Veh sollte eine neue Mannschaft zusammenstellen - und sortierte den Fürther Mittelfeldspieler Beierlorzer nach sieben Jahren bei den Franken aus.

Dass ausgerechnet Veh als Sportchef Beierlorzer nun zum Bundesliga-Trainer macht, entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie. „Manchmal schließt sich der Kreis auf einer völlig anderen Ebene“, sagt Beierlorzer im Interview der Deutschen Presse-Agentur schmunzelnd. Und auch Veh muss bei der Erinnerung an die 23 Jahre alte Anekdote lachen. „Ich glaube, er ist ein besserer Trainer als er ein Spieler war“, sagt er der dpa.

Als er Beierlorzer anrief, um ihn zum FC zu locken, „habe ich an diese Geschichte gar nicht mehr gedacht“, erklärt Veh. Beierlorzer habe ihn aber „sofort daran erinnert. Und dann haben wir beide darüber gelacht.“ Vehs künftig wichtigster sportlicher Mitarbeiter bestätigt, dass es zwischen den beiden, die den FC nach sechs Abstiegen in 20 Jahren endlich in der Bundesliga etablieren sollen, nichts auszuräumen gab.

„Für mich gab es nie einen bösen Gedanken, weil diese Entscheidung absolut nachvollziehbar war“, beteuert der Trainer. Hintergrund der Entscheidung: Nach der Fusion zur SpVgg Greuther Fürth wurde das neue Team aus je sieben Spielern beider Vereine und sieben Neuzugängen zusammengestellt. „Und Achim war eben nicht unter den sieben besten Fürthern“, sagt Veh. Was der Betroffene auch so sieht. „Das muss man ehrlich sagen“, sagt Beierlorzer: „Das habe ich damals genauso gesehen.“ Ihm sei eben immer „klar gewesen, dass ich kein Profi werde, der mit Fußball spielen richtig viel Geld verdient“.

Nun schafft er es eben als Trainer in die Bundesliga. Mit 51. „Auf dem zweiten Bildungsweg“, wie er sagt. Denn der Franke, jüngstes von neun Geschwistern („Ich war das Nesthäkchen“) und Vater von drei Kindern, war 17 Jahre Gymnasial-Lehrer für Mathematik und Sport. Deshalb habe er „niemals“ mit dem Sprung ins Oberhaus gerechnet. „Vor zehn Jahren war ich Lehrer und habe einen kleinen Verein in der Bezirksliga trainiert“, sagt er: „Es hat sich dann einfach entwickelt.“

Über die U17 von Greuther Fürth und RB Leipzig wurde er Interimstrainer von RB in der 2. Liga, Assistent von Ralf Rangnick und schließlich Chefcoach von Jahn Regensburg, ebenfalls in der 2. Liga. Den Fußballlehrer-Lehrgang 2014 schloss er mit der Note 1,0 als Jahrgangsbester ab. „Ein Streber war ich schon“, gibt er lachend zu: „Aber nicht in dem Sinne, dass es mir um die Note ging. Ich wollte einfach alles in mich aufsaugen.“

In diesem Sommer verliert Beierlorzer seinen Beamtenstatus. Eine „Grundsatz-Entscheidung“ sei das gewesen, erklärt er, obwohl er „sehr gerne Lehrer“ war. Aber der Fußball ließ den Bruder des früheren Bayern-Profis Bertram Beierlorzer nie los.

Gleichzeitig geht er die Aufgabe in der Bundesliga gelassen an. Weil er sie als Privileg erachtet. Und weiß: Es gab ein Leben vor dem Profi-Fußball. Und es wird auch eines danach geben. Diese Gelassenheit ist es auch, die Armin Veh vom Trainer Beierlorzer überzeugte. „Er hat einen anderen Werdegang“, sagt der frühere Meistertrainer des VfB Stuttgart: „Aber er hat Lebenserfahrung und auch Trainer-Erfahrung. Und vor allem: Er kann Menschen führen.“

Und so kamen die beiden mit 23 Jahren Verspätung doch noch zusammen.

Weitere Meldungen
Meistgelesen