Bei seinem 20. Kirchentag ist Lüner Dirk Berger Quartiersmeister für hunderte Besucher

dzEvangelischer Kirchentag

Der 37. Evangelische Kirchentag in Dortmund spielt auch für Lünen eine Rolle. Nicht nur, weil Hunderte Besucher hier übernachten. Dirk Berger hat dabei eine besondere Aufgabe übernommen.

Lünen

, 17.02.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 5 min

Es ist der 20. Kirchentag für Dirk Berger. Neben zwei ökumenischen hat der Leiter der Stadt-Insel, des Hauses der Evangelischen Jugend, schon 17 Evangelische Kirchentage als Besucher miterlebt. Aber bei „seinem“ 18. Evangelischen Kirchentag ist für den 51-jährigen Lüner alles anders. Denn diesmal ist er Quartiersmeister, muss ein Team von 20 Ehrenamtlichen zusammen bekommen. Und wird sich um die Übernachtungsgäste kümmern, die im Juni im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Quartier beziehen.

„Zwischen 300 und 600 Leute werden in der Schule in Klassenräumen übernachten“, weiß Berger. Woher sie kommen, weiß er noch nicht. Denn bis April können sich die Kirchentagsbesucher noch anmelden. „Es werden Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erwartet.“ Seine Aufgabe beginnt mit der Suche nach den Ehrenamtlichen (ab 18 Jahren), die in Gruppen fürs Frühstück, für die Nachtschicht und den Info-Point in der Schule benötigt werden. Dafür hat auch er Zeit bis April.

Vier Schulen ausgesucht

Vier Lüner Schulen sind derzeit als Quartier für Kirchentagsbesucher vorgesehen. „Voraussetzung war, dass man von dort aus in 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Dortmund kommen kann“, so Jürgen Grundmann, Leiter der Schulverwaltung. Ausgesucht wurden deshalb die Profilschule und die Realschule in Brambauer und in Lünen-Mitte die Geschwister-Scholl-Gesamtschule und das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Da die Scholl-Schule die Rundsporthalle für den Sportunterricht nutzt, müssten die Kirchentagsbesucher, die dort übernachten, möglicherweise zum Stein-Gymnasium zum Duschen gehen. Schulleiter und Hausmeister seien bereits informiert worden. Ob tatsächlich alle vier Schulen gebraucht werden, wird sich Anfang April herausstellen, wenn die Frühbucher-Möglichkeiten für den Kirchentag enden.

Start schon am Mittwoch

Der Kirchentag selbst beginnt für Quartiersmeister Berger und sein Team dann schon am Mittwoch, 19. Juni: „Ab mittags nehmen wir die Leute in Empfang und verteilen sie auf die Klassenräume.“ Bei den unter 18-Jährigen muss darauf geachtet werden, sie streng nach Geschlechtern getrennt unterzubringen. Außerdem sind die Ehrenamtlichen Ansprechpartner wenn etwas verloren gegangen ist, jemand einen Arzt oder eine Apotheke braucht und natürlich bei Fragen rund um den Weg zum Kirchentag. „Bis 18 Uhr müssen die Besucher an dem Tag spätestens im Quartier sein, denn es findet ja in Dortmund noch der Abend der Begegnung statt“, so Berger. Da würde er auch gerne dabei sein wenn es zeitlich klappt.

Die evangelische Kirchengemeinden in Lünen versuchen, möglichst viele Privatquartiere zu finden. „Vor allem für Familien, aber auch für Einzelreisende“, so Pfarrer Udo Kytzia von der Kirchengemeinde Lünen.

Bei seinem 20. Kirchentag ist Lüner Dirk Berger Quartiersmeister für hunderte Besucher

Hartmut Jürgens bietet auch Quartier für Kirchentagsbesucher an. Vor allem aber wirbt er in Lünen dafür, dass möglichst viele Lüner ein Quartier zur Verfügung stellen. © Beate Rottgardt

Dort zuständig dafür, dass sich möglichst viele Lüner melden, die ein Bett für Besucher zur Verfügung stellen, ist Hartmut Jürgens, Presbyter und Lehrer an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. Er bietet selbst einem Besucher Gästebett und Frühstück und will bis April an möglichst vielen Stellen dafür werben, es ihm gleich zu tun

Wobei das Frühstück keine Bedingung ist, aber natürlich eine nette Geste wäre. Man müsse auch nicht seinen Schlüssel abgeben, aber sicherstellen, dass man zuhause ist, wenn der Gast auf Zeit abends vom Kirchentag zurück kommt.

Jürgens will in verschiedenen Gruppen der Gemeinde, auf dem Viktualienmarkt und bei Aktionen vor der Stadtkirche St. Georg dafür werben, Gastgeber für Kirchentagsbesucher zu werden, „Die Schulen sind eher für Gruppen und Leute bis 35 Jahren gedacht, Privatquartiere für Besucher ab 35 Jahren.“

Im Hotel an der Persiluhr wird eine größere Gruppe der evangelischen Mission untergebracht. Die Idee dazu hatte Julia Ratzmann. Die Lüner Völkerkundlerin leitet seit vielen Jahren in Nürnberg die Pazifik-Informationsstelle bei Mission EineWelt der Evangelischen Kirche. Pfarrerin Friederike Scholz-Druba sucht in Brambauer nach Privatquartieren und Ehrenamtliche, die bei der Frühstücksausgabe und beim Nachtdienst in den Gemeinschaftsquartieren im Stadtteil mitwirken.

Bei seinem 20. Kirchentag ist Lüner Dirk Berger Quartiersmeister für hunderte Besucher

Ehrenamtliche aus den Fördervereinen der Musikschule und der Stadtbücherei sowie der Viktoriaschule und der Rucksackmütter werden sich zusammen beim "Markt der Möglichkeiten" auf dem Evangelischen Kirchentag präsentieren. © Beate Rottgardt

Auf der Suche sind auch die Lüner, die vier Projekte bei einem gemeinsamen Stand auf dem Markt der Möglichkeiten des Kirchentags vorstellen wollen. „Wir brauchen etwa 20 Ehrenamtliche, die in Schichten an drei Tagen den Stand betreuen und so auch Gelegenheit haben, sich zwischendurch selbst umzusehen“, sagt Peter Strube. Der frühere evangelische Pfarrer ist in den Fördervereinen Stadtbücherei und Musikschule engagiert. Zusammen mit der ehemaligen Rektorin Iris Streich ist er außerdem ehrenamtlich in der Viktoriaschule tätig.

Schirmherrschaft des Bürgermeisters

Nachdem er die Idee hatte, das gemeinsame Projekt der beiden Fördervereine „Saite an Seite“ beim Kirchentag zu präsentieren, schloss sich Heidi Sumann, Leiterin der Viktoriaschule, gerne an. Sie schlug vor, auch das Rucksackprojekt und die Ehrenamtlichen der Schule und der Ogata in Dortmund vorzustellen. Man habe etwas zu bieten, das über die Mauern der Stadt Lünen hinaus interessant ist, meint Strube. Und deshalb hat auch Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns die Schirmherrschaft übernommen. Ideen, wie man mit dem 24 Quadratmeter großen Stand inmitten von etwa 1000 anderen Ständen das Besucherinteresse wecken kann, gibt es bereits - von Spielen aus aller Welt über Info-Film bis Bücherstapel-Schätzspiel.

Konzept zu Berufsbildungs-Aktivitäten

Auch ein anderer Lüner ist beim Markt der Möglichkeiten zu finden. Pädagoge Dr. Frank Ragutt wird im Pavillon Bildung sein Konzept für Berufsbildungs-Aktivitäten präsentieren, bei denen auch Unternehmen und Kommunen berücksichtigt werden Ragutt ist Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft „abakomm.“ mit Sitz im Lüntec. „Lernprozessbegleitung ist auch immer ein Stück Lebensberatung, wenn die Jugendlichen soziale Schwierigkeiten haben.“ Ragutt hofft, mit vielen Besuchern ins Gespräch zu kommen. Unterstützt wird er von seiner Familie und seinem guten Freund Werner Tischer, mit dem er schon die Ausstellung über die Künstlerfamilie Mergtenthal in der Lüner Stadtgalerie organisiert hat. Ein kleiner Teil der Ausstellung wird auch an seinem Stand beim Kirchentag zu sehen sein.

Bei seinem 20. Kirchentag ist Lüner Dirk Berger Quartiersmeister für hunderte Besucher

Dr. Frank Ragutt präsentiert im Pavillon Bildung beim Markt der Möglichkeiten sein Projekt. © Beate Rottgardt

Als Werbung für den Kirchentag und als Dankeschön an den Stadtteil findet am Sonntag, 2. Juni, ein besonderes Konzert im Rahmen von „Kirche beflügelt“ in der Brambauer Martin-Luther-Kirche statt. „Bach meets Tango“ lautet der Titel des groß besetzten Konzerts. In diese Jahr wird die Martin-Luther-Kirche 110 Jahre alt und dies ist das Jubiläumskonzert.

Bei seinem 20. Kirchentag ist Lüner Dirk Berger Quartiersmeister für hunderte Besucher

Kantorin Jutta Timpe freut sich auf den Kirchentag und vor allem auf das Chorprojekt „Bach meets Tango“, das in Brambauer und in Dortmund aufgeführt wird. © Gesine Lübbers

Für dieses Projekt ist Kantorin Jutta Timpe verantwortlich. Zusammen mit ihren Kollegen Bettina Knorrek und Wolfgang Meier-Barth bereitet sie insgesamt drei musikalische Highlights für den Kirchentag vor. Und sucht dafür interessierte Sängerinnen und Sänger, die bei einem von drei verschiedenen Projekt-Chören mitsingen wollen. „Bach meets Tango ist etwas für Leute, die sich ein bisschen reinknien wollen“, so Jutta Timpe. Immerhin neun Probentermine in Lünen-Mitte, Dortmund und Brambauer sind angesetzt. Timpe: „Grundstock sind die Kreiskantorei Dortmund und die Kantorei Lünen.“ Aufgeführt wird das Chorprojekt in Brambauer und am 20. Juni in einem Gottesdienst beim Kirchentag. Außerdem ist ein Auftritt beim Fest der Chöre am 15. Juni geplant. Als Anreiz zum Mitmachen bekommen die Mitwirkenden, die bei allen Proben und bei den Aufführungen dabei sind, eine Dauerkarte für den Kirchentag zu einem Mitwirkendenpreis, der erheblich unter dem normalen Eintrittspreis liegt.

Kooperation mit Sängern aus Itzehoe

Ein weiteres Chorprojekt für Kirchenchöre und Einzelsänger trägt den Titel „Vertraut“und richtet sich an Interessenten, die ein spannendes, aber nicht zu schweres Stück einstudieren möchten. Das Ganze ist eine Kooperation des Kirchenkreises Dortmund, Lünen, Selm und des „b-teams und freunde“ aus Itzehoe.

Und schließlich gibt es noch ein Gospelsingen beim Kirchentag, für das Jutta Timpe und Bettina Knorrek noch Sänger suchen, die Spaß daran haben, an verschiedenen Orten miteinander Gospels zu singen. Dafür sind im Mai und Juni drei Proben angesetzt - in Lünen, Dortmund-Schüren und Dortmund-Sölde. Jutta Timpe war schon 1991, als der Kirchentag im Ruhrgebiet zu Gast war, musikalisch mit dabei. In diesem Jahr stellt sie mit ihrem Mann Michael Rothkegel auch ein Quartier für Besucher zur Verfügung. „Musik beim Kirchentag ist eine tolle Arbeit und macht unheimlich Spaß, weil es eine ganz eigene Atmosphäre ist.“

Bei seinem 20. Kirchentag ist Lüner Dirk Berger Quartiersmeister für hunderte Besucher

Dirk Berger (l.) und seine Kollegin Esther van Hal (r.) mit Jahrespraktikantin Nele Gründken und Vu Minh Man Pham, der ein Freiwilliges Jahr in der Stadt-Insel absolviert. Alle vier sind während des Kirchentages im Einsatz. © Beate Rottgardt

Für Quartiersmeister Dirk Berger und die Ehrenamtlichen beginnen die Tage beim Kirchentag früh. Ab 6 Uhr wird es Frühstück geben. „Das Ganze wird sich entzerren, weil nicht alle der Übernachtungsgäste zur selben Zeit frühstücken.“ Bis 9 Uhr muss alles erledigt sein, dann werden die Schulen bis 16 Uhr wieder geschlossen. „Es muss einiges organisiert werden, auch das Duschen in der Turnhalle.“ Und mit Duschen bei Kirchentagen hat Berger so seine Erfahrungen.

60 Sekunden Zeit zum Duschen gehabt

„Beim ökumenischen Kirchentag in München war ich mit 899 anderen Leuten in einer Schule untergebracht. Und für diese Menge an Menschen standen genau acht Duschen zur Verfügung“, erinnert er sich. Jeder hatte am Morgen genau 60 Sekunden Zeit zum Duschen. Das wurde von einem Ehrenamtlichen mit Stoppuhr und Trillerpfeife überwacht.

Mit 17 erlebte Berger seinen ersten Kirchentag, seit 1985 hat er jeden Evangelischen und die zwei ökumenischen mitgemacht. Auf Nr. 20 freut er sich genauso wie auf seine Aufgabe als Quartiersmeister: „Man hat tagsüber ein bisschen Zeit, mir ist es auch wichtig, etwas vom Programm mitzubekommen.“ Die Stadt-Insel selbst wird übrigens auch Quartier. Für eine Gruppe von 20 bis 25 Ehrenamtlichen aus Hamburg. Geleitet von einer früheren Ehrenamtlichen der Evangelischen Jugend. Katharina Bloemberg ist mittlerweile Diakonin in Hamburg.

  • Zum zweiten Mal nach 1963 ist Dortmund alleiniger Gastgeber eines Evangelischen Kirchentages. 1991 fand der Kirchentag in mehreren Städten des Ruhrgebiets, darunter auch Dortmund. statt.
  • Wer ein Privatquartier zur Verfügung stellen will, kann das im Internet anmelden : www.kirchentag.de/privatquartier
  • Auch wenn die inhaltlichen Themen in Dortmund stattfinden - auch in der Stadtkirche St. Georg wird während des Kirchentages ein Ort der Begegnung geboten. Das „Gute Nacht-Café“ findet am Donnerstag, 20. Juni, Freitag, 21. Juni, und Samstag, 22. Juni, jeweils von 21 Uhr bis Mitternacht statt. „Für Kirchentagsbesucher, die zurück aus Dortmund kommen und andere Interessenten gibt es einen kleinen Imbiss, etwas zu trinken und die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen.“ Traditionell für Kirchentage ist am Freitagabend (21. Juni) das Feierabendmahl in St. Georg. Um 19 Uhr beginnt der Gottesdienst mit großem Abendmahl.
  • Zeitgleich findet auch in der Evangelischen Kirche in Lünen-Süd ein Feierabendmahl statt. „Die Besucher erwartet ein festlicher Gottesdienst mit Abendmahl und argentinischer Musik von Joselo aus Misiones“, so Pfarrerin Dr. Kathrin Stückrath. Joselo war schon im Mai 2016 in Lünen-Süd mit seiner schwungvollen Musik, die eine Mischung aus den Klängen der indianischen Urbevölkerung und der Polka der Einwanderer ist. Mit dabei sind auch Gäste aus dem „Welt-Garten der Ökumene“ des Kirchentags.
  • Zur selben Zeit wird auch das Feierabendmahl in der Martin-Luther-Kirche in Brambauer gefeiert. Außerdem, so Pfarrerin Friederike Scholz-Druba, wird am Sonntagmorgen, 23. Juni, der Abschluss-Gottesdienst des Kirchentages in der Martin-Luther-Kirche übertragen. Eine Übertragung aus dem Signal-Iduna-Stadion ist auch in Horstmar für den 23. Juni geplant.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Musik

Lüner Musiker „Kaizen“ veröffentlicht neues Album: „Mein größtes Projekt bisher“

Hellweger Anzeiger Halloween

Partys, Feste, Live-Musik: An diesen Orten können Sie sich zu Halloween in Lünen gruseln

Meistgelesen