Bedford-Strohm versteht Nicht-Einladung von AfD-Rednern

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, hat Verständnis dafür gezeigt, dass AfD-Politiker nicht zu Auftritten auf den Bühnen des Evangelischen Kirchentages eingeladen wurden. Die Entscheidung des Kirchentagspräsidiums sei „kurz nach den Ereignissen in Chemnitz gefallen, die eine deutliche Radikalisierung der AfD zeigten“, sagte Bedford-Strohm der „Bild“ (Montag).

16.06.2019, 16:53 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Radikale, deren Werte mit denen des Christentums nicht vereinbar sind, sollten, so habe ich den Sinn dieses Beschlusses verstanden, auf dem Kirchentag kein Podium bekommen.“ Eine Auseinandersetzung mit der AfD und Populismus insgesamt werde es dennoch geben, betonte Bedford-Strohm. „Der Dialog soll, wird und muss stattfinden. Der Kirchentag wird die Sorgen und Meinungen der Menschen aufnehmen, auch derjenigen, die der AfD nahestehen. Sie sind nach Dortmund eingeladen.“ Der Beschluss richte sich gegen Funktionäre der AfD, die nicht auf Podien sitzen sollten.

Der Kirchentag findet vom 19. bis 23. Juni in Dortmund statt. Die Veranstalter hatten Ende September 2018 mitgeteilt, AfD-Repräsentanten nicht zur Mitwirkung auf Podien oder Diskussionsveranstaltungen einzuladen. In der Partei gebe es „einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus und Verbindungen zu verfassungsfeindlichen Netzwerken“, hieß es damals. Beim Kirchentag 2017 waren AfD-Politiker noch als Podiumsteilnehmer zugelassen, was Kritik und Proteste hervorgerufen hatte.

Bedford-Strohm warnte in dem Interview zugleich vor einer Überhöhung der Klimaaktivistin Greta Thunberg. Diese sei keine Heilige, „sondern ein Mensch, der sich Gedanken macht über die Zukunft“. Mit Blick auf die Annäherung zwischen Katholiken und Protestanten sagte er: „Dass beide Kirchen getrennt sind, ist ein Zustand, den wir auf Dauer nicht hinnehmen können und wollen. Es gibt keinen katholischen oder evangelischen Christus. Insofern freue ich mich, wenn wir Trennendes überwinden, in der Zukunft auch gemeinsam Abendmahl feiern und die eine Kirche Jesu Christi sein können, die er uns aufgetragen hat.“

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