„Einfach kann jeder“: Kovac beklagt Umgang mit Trainern

Niko Kovac fühlt sich nach dem schwierigen ersten Bayern-Jahr krisenerprobt. Der aktuelle Herbststurm wehe „eher von draußen herein“. Ein Sieg gegen Union Berlin würde diesen abschwächen. Der Kroate setzt auf einen Routinier und rühmt seine Tormaschine.

25.10.2019, 13:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Platz auf dem Podium wurde für Niko Kovac mal wieder zum heißen Stuhl.

Und bei der Verteidigung in eigener Sache beklagte der Double-Gewinner des FC Bayern München während seiner Pressekonferenz zum Bundesliga-Heimspiel gegen Union Berlin am Samstag (15.30 Uhr) einen zunehmend respektlosen Umgang mit den Trainern und die wachsende Hysterie im Fußballgeschäft. Erst der 9. Spieltag stehe an - und an vielen Schauplätzen brenne es angeblich.

Als prominentestes Beispiel führte der 48 Jahre alte Kroate dabei nicht einmal sich selbst an, sondern den Kollegen Lucien Favre beim Münchner Titelkonkurrenten Borussia Dortmund. Der Schweizer liege mit 15 Punkten gleichauf auf Platz vier und habe gerade in der Champions League ein Spiel bei Inter Mailand verloren - „und alles ist schlecht“. Sogar Namen möglicher Nachfolger würden gehandelt.

Kovac ist diese (mediale) Entwicklung zuwider. „Dass es so schnell auf die Trainer losgeht, ist eine Tendenz - und es ist keine gute Tendenz“, beklagte der 48-Jährige. Er selbst durchlebt in München gerade seinen zweiten unruhigen Herbst. Das wacklige 3:2 in der Champions League bei Olympiakos Piräus war nicht dazu angetan, die Situation nach zuvor zwei sieglosen Ligapartien zu beruhigen.

„Einfach kann jeder“, konterte Kovac trotzig. Er fühlt sich im zweiten Bayern-Jahr krisenerprobt. „Die Erfahrung letztes Jahr war schon sehr hilfreich“, bestätigte der Trainer, der die eigene Lage noch entspannt einordnet: „Ich bin mit meinen Chefs in Kontakt. Ich glaube, dass der Sturm eher von draußen hereingeweht wird.“

Allerdings formulierten die Münchner Bosse nach dem Olympiakos-Spiel deutliche Verbesserungswünsche. Alles müsse besser werden, erklärte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge richtete einen Appell an Team und Coach: „Ich möchte daran erinnern, dass wir in den letzten Spielen speziell gegen Gegner aus dem unteren Tabellendrittel wichtige Punkte gelassen haben. Ich möchte jeden dazu aufrufen, dass wir mit höchster Konzentration, aber auch Motivation auf den Platz zu gehen, damit wir die drei Punkte holen.“

Der Anspruch von Bayern München sei Platz eins, sagte Rummenigge in Griechenland noch: „Dem müssen wir gerecht werden.“ Der Bayern-Chef monierte eine gewisse Sorglosigkeit, die Kovac aber nicht auf sich, sondern auf seine Stars gemünzt sah. „Der Trainer leitet es, aber die Spieler müssen es umsetzen“, formulierte der Kroate deutlich.

In fünf Pflichtspielen nacheinander kassierten die Münchner zwei Gegentore. Ein Unding! „Da reden wir nicht über taktische Abläufe“, verteidigte sich Kovac: „Wir machen zu viele individuelle Fehler.“

Er fordert die Bereitschaft, Zweikämpfe konsequenter zu führen. Das war früher eine Paradedisziplin von Jérôme Boateng, der nach dem Ausfall von Niklas Süle (Kreuzbandriss) und nun auch Lucas Hernández (OP am Fuß) „wieder gefragt“ sei, wie Kovac erklärte. Er aktivierte sogar die Nationalelf als Zusatzmotivation für den von Bundestrainer Joachim Löw ausgemusterten Boateng: „Sollte er sehr gut spielen, wird er vielleicht auch wieder eine Alternative für andere Aufgaben.“

Konstante Weltklasse verkörpert bei Bayern in dieser Saison Robert Lewandowski. Der Torjäger könnte gegen Union Berlin der erste Profi werden, der an den ersten neun Liga-Spieltagen trifft. „Er ist derjenige, der uns im Moment so weit oben hält“, sagte Kovac. Er sieht den Polen „in der Form seines Lebens“ und lobt dessen Arbeitseinstellung: „Er ist körperlich in einem Topzustand.“

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