Baumarkt Hornbach in Datteln: Wurde schwerbehinderter Mitarbeiter diskriminiert?

dzArbeitsgericht Herne

Im Streit um eine Stelle in einem Baumarkt in Datteln will ein Arbeitsgericht nun eine Schlammschlacht verhindern. Die offene Frage: Wurde ein Mitarbeiter wegen seiner Behinderung benachteiligt?

Datteln

, 22.01.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst lag ein unschöner Verdacht auf dem Tisch, jetzt gibt es aber Hoffnung auf eine friedliche Lösung: Ein Bewerbungs-Streit um eine Stelle bei einem Baumarkt in Datteln landete am Dienstag vor dem Herner Arbeitsgericht. Wurde ein etablierter Mitarbeiter, der als schwerbehindert gilt, diskriminiert?

Weil er im November 2019 bei der Ausschreibung um eine andere Stelle in der Dattelner Filiale der Baumarkt-Kette Hornbach außen vor geblieben war, hatte der betreffende Mitarbeiter seinen Arbeitgeber auf die Zahlung von 7.968 Euro Entschädigung (drei Gehälter) verklagt.

Begründung: Nur noch Leistungsträger und keine Schwerbehinderten?

Besonders verärgert war der Kläger über den nach eigenen Angaben seitens der Chefetage abgegebenen Grund dafür, dass bei der Auswahl nicht er, sondern ein externer Bewerber favorisiert werde. Sinngemäß soll die Begründung nämlich so gelautet haben: Man wolle im Bereich des Wareneingangs nur noch Leistungsträger einsetzen und keine schwerbehinderten Mitarbeiter.

Konfrontiert mit der mutmaßlich diskriminierenden Äußerung hieß es im Gütetermin am Arbeitsgericht aufseiten der Prozessvertreter von Hornbach: „So eine Aussage ist in keinem Fall getroffen worden.“ Die Marktleitung habe in dem Gespräch mit dem Betriebsrat allenfalls davon gesprochen, dass der „externe Bewerber ein Top-Mann für die Stelle“ sei. Eine Aussortierung von schwerbehinderten Kandidaten sei nie thematisiert worden.

Arbeitsgerichtsdirektor: „Kein Entschädigungshopper“

Arbeitsgerichtsdirektor Dr. Sascha Dewender vermittelte in der Güteverhandlung einen Vergleich. „Das ist eine missliche Angelegenheit für alle Beteiligten“, sagte der Arbeitsrichter. Als einen plumpen „Entschädigungs-Hopper“ könne man den Kläger „aber ganz sicher nicht einstufen, da er ja im Grunde alle Voraussetzungen für die Stelle erfüllt“.

Richter: Hornbach soll 4000 Euro als Entschädigung zahlen

Mit Blick auf die Vermeidung eines für den Betriebsfrieden in dem Baumarkt schädlichen Zeugen-Termin vor Gericht, schlug Arbeitsrichter Dewender einen Kompromiss vor: Beide Parteien behalten ihre jeweiligen Standpunkte, dem Kläger wird dennoch eine Entschädigung von 4000 Euro gezahlt. Während die Klägerseite den Vergleich sofort akzeptierte, will die Hornbach-Seite noch bis Anfang Februar nachdenken, ob sie mit diesem Kompromiss leben kann.

Wird der Vergleich von Hornbach widerrufen, kommt es zum Kammertermin – und möglicherweise zu einer „Schlammschlacht“.

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