Batteriefabrik Münster: Projekt nimmt Gestalt an

Schon im Sommer bekam Münster den Zuschlag für die künftige Batterieforschungsfabrik. Die Vergabe ausgerechnet an die Heimatregion der Bundesforschungsministerin sorgt seitdem für Kritik. NRW beginnt derweil mit der Umsetzung des Millionen-Projekts.

30.10.2019, 01:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Während der Streit um die Standortvergabe der millionenschweren Batterieforschungsfabrik an Münster weiter schwelt, schreiten die Planungen für das Projekt voran. NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) und Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) stellen am Mittwoch (09.00) in Düsseldorf den aktuellen Stand vor. Anlass sei der erste Zuwendungsbescheid des Bundesforschungsministeriums an die Fraunhofer-Gesellschaft, teilten die Ministerien mit. Die Gesellschaft koordiniert den Aufbau und Betrieb der Batterieforschungsfabrik in Münster.

Deutschland will in den zukunftsträchtigen Markt für Batteriezellen für Elektroautos einsteigen. Derzeit wird Europa von Asien abgehängt. Bisher werden nach offiziellen Angaben rund 84 Prozent der Batterien weltweit in Asien produziert und nur etwa drei Prozent in Europa.

Der Bund hatte Münster, der Heimatregion von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU), den Zuschlag für die „Forschungsfertigung Batteriezelle“ gegeben. Er fördert das Projekt mit 500 Millionen Euro, von denen der Löwenanteil an Münster gehen wird. NRW beteiligt sich mit 200 Millionen Euro. Baden-Württemberg war mit seinem Standortvorschlag Ulm gescheitert, ebenso wie Vorschläge aus Niedersachsen und Bayern, was für heftige Kritik sorgte.

Die „Forschungsfertigung Batteriezelle“ soll Mitte 2022 ihren Betrieb aufnehmen. In Münster sollen auf einem 1,6 Hektar großen Grundstück Gebäude gebaut werden. Ziel ist, möglichst den gesamten Wertschöpfungsprozess in Deutschland zu halten, vom Bau einzelner Teile bis zur Wiederverwertung.

Karliczek und ihr Ministerium hatten Vorwürfe im Zusammenhang mit der Standortvergabe mehrfach zurückgewiesen. Alle Länder seien im Auswahlverfahren gleichbehandelt worden. Zuletzt hatte Karliczek Defizite mit Blick auf die am Verfahren beteiligte Gründungskommission eingeräumt, die eine beratende Funktion hatte.

Auch in ihrer eigenen Partei war Karliczek angegriffen worden. So hatte die Stuttgarter CDU-Kultusministerin, Susanne Eisenmann, sogar den Rücktritt der Ministerin ins Spiel gebracht, sollte bei der Vergabe an Münster Einfluss genommen worden sein.

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