Bandidos prügeln anderen Biker zum Pflegefall – Rocker-Präsident aus Bochum verurteilt

dzLandgericht Bochum

Fünf Bandidos sind in Herne über drei Biker eines anderen Rockerclubs hergefallen. Einer ist seitdem ein Pflegefall. Der Bandidos-Chef bestritt die Tat bis zuletzt – gestand aber eine andere.

Bochum

, 12.12.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einem brutalen „Kutten-Überfall“ in Herne und einer Messerattacke in Bochum ist der ehemalige Präsident (36) des Rockerclubs „Bandidos MC Bochum City/Ruhrpott“ am Bochumer Landgericht verurteilt worden.

Neben der Gefängnisstrafe von neun Jahren Haft haben die Richter angeordnet, dass der ehemalige Rocker-Präsident wegen jahrelangen Drogenmissbrauchs einen Teil der Haftstrafe in einer geschlossenen Entziehungsklinik verbüßen soll.

Unter Anrechnung von inzwischen neun Monaten U-Haft muss der 36-Jährige laut Urteil aber noch mindestens zweieinhalb Jahre Haft, ehe er eine zweijährige Therapie antreten könnte. Absolviert er diese erfolgreich, könnte im Herbst 2023 die dann noch verbleibende Rest-Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Rocker in Herne erlitt schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen

Rückblick: Am 11. August 2018 gegen 19.50 Uhr waren bei einer Prügelei in der Innenstadt von Herne drei Motorradrocker (50,52,55) des Wuppertaler Clubs „The Living Dead Nomads“ von mehreren Bandidos auf offener Straße attackiert worden. Hintergrund war offenbar eine Art Machtdemonstration, weil die Bandidos die ortsfremden Motoradrocker durch das Abnehmen der Westen (Kutten) demütigen wollten. Eines der Opfer hatte schwerste Schädel-Hirnverletzungen erlitten und ist seitdem ein schwerer Pflegefall.

Am 30. Oktober hatte das Bochumer Landgericht bereits wegen des folgenschweren Überfalls gegen vier Bandidos-Rocker (27, 32, 30, 27) aus Herne, Essen und Dortmund Haftstrafen von bis zu sechs Jahren und acht Monaten verhängt.

Die Strafe gegen den Ex-Präsidenten ist mit neun Jahren deswegen deutlich höher ausgefallen, weil der 36-Jährige auch noch wegen einer Messerattacke am 5. März 2017 in einer Kneipe in Bochum mitverurteilt worden ist.

Ex-Bandidos-Präsident gestand die Messerattacke - bestritt aber die Prügelei

Anders als im Fall des Rockerüberfalls war der Ex-Präsident hinsichtlich der Messerattacke geständig. Während seine Rocker-Freunde im Prozess zugegeben hatten, bei der brutalen Straßenprügelei mitgeprügelt und mitgemischt zu haben, hat der Ex-Präsident sich hierzu bis zuletzt auf den Bandidos-Schweigekodex zurückgezogen. Allenfalls durchblicken lassen hatte der Herner, dass er angeblich vor dem Überfall an der Ampel aus dem Auto ausgestiegen sein will. Das nahmen ihm die Bochumer Richter aber nicht ab.

Ebenso wie schon bei den vier anderen Rockern konnte die 11. Strafkammer aber auch bei dem Präsidenten nicht feststellen, dass er den verhängnisvollen Schlag auf den am schwersten verletzten Motorradrocker gesetzt hat.

Richterin: „Das Schlimmste, was passieren kann“

Doch auch er müsse sich aber als Mittäter die erheblichen Opferfolgen entgegenhalten lassen, hieß es. „Der Mann ist in Siechtum verfallen und das ist das Schlimmste, was passieren kann, bevor das Leben erlöscht“, hatte Richterin Susanne Schön-Winkler bereits bei den ersten vier Urteilen erklärt.

Mit den verhängten neun Jahren gegen den Bandidos-Präsidenten blieben die Richter eineinhalb Jahre unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

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