Wohnmobile im Millionenwert erbeutet: Bande aufgeflogen

Die Zahl gestohlener Wohnmobile hat sich 2018 fast verfünffacht. Nun ist den Ermittlern ein spektakulärer Schlag gegen den landesweiten organisierten Klau gelungen. Ein Smartphone brachte den Durchbruch.

13.09.2019, 03:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wohnmobile im Millionenwert erbeutet: Bande aufgeflogen

Polizist. Foto: Jens Büttner/Archivbild

Eine professionelle Bande hat Ermittlern zufolge in Nordrhein-Westfalen teure Wohnmobile im Gesamtwert von mehreren Millionen Euro erbeutet. Die Diebe seien besonders im Rheinland aktiv gewesen, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Krefeld. Im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl der gestohlenen Wohnmobile in NRW im Vergleich zum Vorjahr fast verfünffacht. 150 Mobile im Gesamtwert von fast acht Millionen Euro verschwanden.

In Krefeld wurde daraufhin auf Betreiben des Landeskriminalamts die zentrale Ermittlungskommission „California“ gegründet. Sie meldete am Freitag nach sieben Monaten Ermittlungsarbeit einen spektakulären Erfolg: Eine 15-köpfige Bande sei aufgeflogen. Der 44-jährige mutmaßliche Kopf der Bande und ein 30-jähriger weiterer Hauptverdächtiger seien in Untersuchungshaft. Gegen beide sei bereits Anklage wegen schweren, gewerbs- und bandenmäßigen Diebstahls erhoben worden, sagte Oberstaatsanwalt Axel Stahl.

Ihnen drohen nun bis zu zehn Jahre Haft. Vier Verdächtige werden noch mit Haftbefehlen gesucht. Alle Verdächtigen seien Polen.

Aufnahmen aus Überwachungskameras zeigten das selbstsichere Vorgehen der Bande: „Da wurden Zäune demontiert, elektronische Wegfahrsperren manipuliert und Schlösser ausgetauscht“, berichtete Ermittler Holger Sauren. Um bei Händlern die teuersten Modelle vom Hof zu stehlen, hätten sich die Diebe bis zu fünf Stunden am Tatort aufgehalten und in Seelenruhe Wohnmobile rangiert. In einer Nacht seien manchmal vier bis acht der Mobile mit einem Durchschnittswert von 50 000 Euro erbeutet worden.

Die Spur führte schnell nach Polen: Neun der Gefährte wurden an der deutsch-polnischen Grenze beim Versuch sichergestellt, sie ins Ausland zu bringen. Mehrere Verdächtige werden durch DNA-Spuren belastet. Auch ein Fingerabdruck fand sich. „Den eigentlichen Durchbruch brachte aber ein sichergestelltes Handy“, berichtete der Ermittler. Darauf fanden die Polizisten Fotos und Videos von hochwertigen Wohnmobilen und Hinweise auf Tatorte sowie Mittäter.

Während der vorbestrafte 44-Jährige von Duisburg aus Tatorte ausgespäht habe und in Dortmund auf frischer Tat ertappt worden sei, sei der 32-Jährige für die Rekrutierung von Fahrern und Käufern zuständig gewesen. Beim Abtransport sollen Begleitfahrzeuge die Diebe als Vorhut um Polizeikontrollen herum gelotst haben.

72 Fahrzeugdiebstähle werden der Bande zugerechnet: Neben 49 Wohnmobilen sollen sie auch drei Pferdetransporter, sechs Lastwagen, drei Pkw und elf Transporter mitgenommen haben. Gesamtschaden: fast 3,7 Millionen Euro.

Als Tatorte listeten die Ermittler auf: Kempen, Geldern, Duisburg (3 Tatorte), Wuppertal (4), Würselen, Essen, Bochum, Düren (2), Grevenbroich, Heinsberg, St. Augustin, Köln (2), Herten, Solingen und Dortmund.

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