Die schönste Sackgasse der Stadt wächst: Bebauung wird möglich, wo das bislang tabu war

dzWohnen in Cappenberg

Baltimora ist eine Adresse für exklusives Wohnen im Grünen - nur einen Waldspaziergang vom Schloss entfernt. Jetzt darf dort sogar auf einem Grundstück gebaut werden, das bislang tabu war.

Cappenberg

, 05.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Straße, die sich anhört wie eine US-amerikanische Hafenstadt, ist nur 500 Meter lang. Anders als Baltimore, die Metropole des Bundesstaates Maryland, ist das Cappenberger Baltimora überschaubaubar. Und wer sich dort umschaut, bekommt seit einigen Jahren immer mehr zu sehen.

Auf der Wohnstraße entlang des Waldsaums befinden sich unter anderem Villen verschiedensten Alters und Baustils. In den vergangenen Jahren sind weitere Neubauten hinzugekommen. Denn 2008 der Bebauungsplan Nummer 52 „Baltimora“ Rechtskraft erlangt. Er ermöglichte, rechts und links der Sackgasse zu bauen. Nur ein Grundstück war tabu.

Schutzabstand zum Wald verhinderte Bebauung

Ein schmaler roter Schlauch auf dem Bebauungsplan signalisiert: Hier darf gebaut werden. Die Flächen rechts und links der Straße sind allgemeines Wohngebiet. Es gibt eine Ausnahme: das Grundstück hinten rechts, ganz am Ende der Sackgasse in Richtung Wald. Diese Fläche ist gelb markiert: landwirtschaftliche Fläche. Etwas anderes war 2008 auch gar nicht möglich.

Der Unterschied zu 2019 sind nicht nur elf Jahre, sondern auch fünf Meter. 2008, als der Bebauungsplan Rechtskraft erlangte, betrug der geltende Schutzabstand zwischen zum Wald 35 Meter. „Aufgrund der aktuellen Rechtslage akzeptiert die Forstbehörde heute einen Abstand von 30 Metern“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung für den Umweltausschuss und für den Stadtplanungsausschuss.

Jetzt ist ein Baufeld doch möglich

Der neue Schutzabstand bietet neue Möglichkeiten. Auf dem Flurstück könnte sich so ein kleines Baufeld zur Errichtung eines Wohnhauses ergeben, sagte Wolfgang Händschke von der Stadtverwaltung. „Der weitaus überwiegende Grundstücksanteil bliebe weiterhin unbebaut.“

Die schönste Sackgasse der Stadt wächst: Bebauung wird möglich, wo das bislang tabu war

Das ist das Grundstück, das bebaut werden kann - zumindest im vorderen Bereich. © Sylvia vom Hofe

Der Grundstückseigentümer hatte die Stadtverwaltung gebeten, den Bebauungsplan entsprechend zu ändern. Die Verwaltung stand dem Antrag positiv gegenüber, „weil günstige Erschließungsbedingungen vorliegen“, wie es in der Begründung hieß. Auch die Mehrheit der Selmer Politiker begrüßte das Vorhaben - bis auf eine Gegenstimme von den Grünen.

Erst nach Baltimore, dann nach Baltimora

Dass es einmal so voll werden würde, hatte der Namensgeber der Straße nicht geahnt: der Dortmunder Nagelfabrikant Otto Bolte. Er hatte vor mehr als 100 Jahren - kurz nach einer Reise nach Baltimore - für sich und seine Familie eine Villa mit Reitställen, Wagenhalle und großzügiger Gartenanlage errichten lassen.

Dieses Anwesen, das das Dortmunder Architekturbüro Schulze plante - genauso wie die Zeche Hermann, die Zechensiedlung und das Amtshaus Bork - nannte Bolte Baltimora: ein Name, der nach dem Zweiten Weltkrieg auf die gesamte Straße überging.

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